Lehrermangel: Jetzt Lernfilme statt Unterricht

Im Kampf gegen Stundenausfall greift das Bildungsministerium zu ungewöhnlichen Mitteln: Fehlen Lehrer, sollen Schüler verstärkt eigenständig mit Lernvideos arbeiten. An 14 Schulen ist ein Pilotprojekt gestartet. Die Bildungsgewerkschaft GEW spricht von „Schnellschuss“.

Nur eine Woche nach Schulstart melden gleich mehrere Schulen vor allem im ländlichen Norden massive Probleme bei der Unterrichtsversorgung. Die kleine Sekundarschule im 1500-Einwohner-Dorf Dähre bei Salzwedel kann jede dritte Stunde nicht erteilen. Die Unterrichtsversorgung liegt bei 69 Prozent. Zwischenzeitlich dachte die Leitung gar über eine Vier-Tage-Woche nach. Die Kenia-Koalition strebt 103 Prozent an, um Ausfälle etwa bei Krankheit auffangen zu können.

„Lehrermangel: Jetzt Lernfilme statt Unterricht“ weiterlesen

Freie Schulen fassungslos über Landespolitik

Der Streit zwischen den Privatschulen mit ihren 20 000 Schülern und dem Land droht zu eskalieren. Grund ist die Vertagung eines Beschlusses zur Besserbezahlung von Lehrern an den freien Schulen gestern im Finanzausschuss. Vorgesehen war eine Lohnverbesserung, die an staatlichen Schulen schon seit 1. Januar 2018 gilt.

Der Verband der Privatschulen (VdP) betont den Rechtsanspruch. Ohne Angleich gingen den freien Trägern jährlich 20 Millionen Euro verloren. Doch zwischen den CDU-Ministerien für Bildung und Finanzen gibt es Differenzen. Während das Bildungsressort die Weitergabe befürwortet, lehnt das Finanzressort sie offenbar ab. VdP-Chef Jürgen Banse sagte, er sei „fassungslos“. Er forderte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) auf, sich einzuschalten.

Es gelte zunächst, eine Gegenfinanzierung im Haushalt zu finden, sagte CDU-Finanzer Daniel Szarata. SPD-Politiker Andreas Schmidt äußerte sich ähnlich. Voraussichtlich im September soll der Beschluss wieder auf die Tagesordnung.

Volksstimme Magdeburg

Fotografierverbot bei Einschulungsfeiern

Die Einschulung der eigenen Kinder ist ein besonderes Ereignis. Eins, das Eltern unbedingt auch auf einem Foto festhalten wollen. Doch das ist bei vielen Einschulungsfeiern heute in Sachsen-Anhalt nicht möglich. Vielerorts haben Schuldirektoren aus Angst vor Datenschutzverstößen Fotografieverbote erlassen.

So müssen Smartphones und Kameras heute auch an der Grundschule Hopfengarten in Magdeburg in der Tasche bleiben. Hier werden die Eltern kurz vor Beginn der Feier darauf hingewiesen, dass Fotografieren während der Zeremonie verboten ist. Kein Einzelfall. Auch in den Grundschulen in Blankenburg („Am Regenstein“), Hadmersleben und Oschersleben gilt ein Verbot. Gleiches gilt für die Ludwig-Schneider-Grundschule in Schönebeck. Aktiv verhindern wolle man das Fotografieren während der Feier aber nicht. „Man kann es auch übertreiben“, sagte Schulleiterin Heike Gruschke.

„Fotografierverbot bei Einschulungsfeiern“ weiterlesen

Was in Sachsen-Anhalts Schulen gut läuft – und was nicht

Bildungsmonitor 2019 – Land erneut nur auf Rang 12 von 16 / Schwächen bei Integration und Personal, Stärken bei Lesekompetenz und Ganztag

Hohe Kompetenzen beim Lesen, dafür kaum Ausländer mit Abitur – Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) stellen Sachsen-Anhalts Bildungssystem ein eher schlechtes Zeugnis aus. Das geht aus dem gestern veröffentlichten „Bildungsmonitor 2019“ der arbeitgebernahen „Initiative Soziale Marktwirtschaft“ hervor.

„Was in Sachsen-Anhalts Schulen gut läuft – und was nicht“ weiterlesen

Neue Oberstufe, Praxistage, mehr Seiteneinsteiger

Für 197 000 Kinder und Jugendliche in Sachsen-Anhalt beginnt heute das neue Schuljahr. Mit dem Ende der Sommerferien greifen zugleich mehrere Neuerungen. Hier das Wichtigste im Überblick:

● Oberstufenreform

Nach 17 Jahren kehrt Sachsen-Anhalt zur klassischen Zweiteilung von Grund- und Leistungskurssystem zurück. Statt sechs Kursen auf erhöhtem Niveau gibt es für Elftklässler ab sofort wieder drei Leistungskurse, von denen zwei prüfungspflichtig sind. Daneben müssen angehende Abiturienten drei Grundkurse sowie Wahlpflichtkurse belegen. Hintergrund ist ein Beschluss der Kultusministerkonferenz. Sie will das Abitur bundesweit vergleichbarer machen.

Bislang galt das Abitur im Land bundesweit als eines der schwersten. Mit dem neuen Abitur dürften die Chancen für Sachsen-Anhalts Schüler auf gute Noten und damit auf begehrte Studienplätze steigen. Im Vorfeld gab es allerdings auch Kritik. So monierte der Verband der Gymnasiallehrer einen Trend „zu abnehmender Leistungsbereitschaft in der gesamten Bildung“. Insbesondere, dass Abiturienten seit 2016 bis zu 8 ihrer 44 Kursergebnisse aus den Endnoten streichen würden, sei das falsche Signal.

„Neue Oberstufe, Praxistage, mehr Seiteneinsteiger“ weiterlesen

Zum Schulanfang droht Rekord-Stundenausfall

Einen Tag vor Beginn des neuen Schuljahres sehen Schulen, Lehrerverbände und Fraktionen dem Start mit Sorgen entgegen. Anlass sind Warnungen von Experten, nach denen das Schuljahr trotz Einstellung von bislang 591 Lehrern 2019 das dritte Jahr infolge mit einem Negativrekord bei der Unterrichtsversorgung werden könnte. Grund ist steigender Personalbedarf bei abnehmender Lehrerzahl. Das Bildungsministerium selbst erhebt Zahlen erst nach Schuljahresstart. Nach Volksstimme-Informationen dürften mit 197 000 aber rund 1000 Schüler mehr an den 870 Schulen des Landes lernen als noch im Vorjahr. Gleichzeitig hat die Zahl der besetzten Lehrerstellen um rund 200 abgenommen – vor allem durch Altersabgänge. Vor dem Hintergrund des bundesweiten Lehrermangels schafft es das Land oft nicht, diese Stellen neu zu besetzen.

„Zum Schulanfang droht Rekord-Stundenausfall“ weiterlesen

Sachsen-Anhalt, Land der Schulabbrecher

Die Zahl der Schulabbrecher im Land liegt auf einem Fünfjahreshoch. Nur Berlin steht noch schlechter da. Auch andere Länder haben sich laut einer Caritas-Studie verschlechtert. Hauptgrund laut Autoren: die Zuwanderung. Doch was ist dran?

Mehr als 2000 Jugendliche haben 2018 in Sachsen-Anhalt die Schule verlassen, ohne wenigstens den Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Das waren 11,4 Prozent – 1,5 Prozent mehr als 2015.

Laut einer neuen Studie der Caritas liegt das Land damit im Trend und setzt doch negative Maßstäbe: 2017 waren die Zahlen bundesweit nur in Berlin schlechter (11,73 Prozent). Der Bundesschnitt lag mit 6,9 Prozent einen Prozentpunkt höher 2015. Die Autoren vermuten als Hauptgrund mehr Kinder nichtdeutscher Herkunft in den Schulen. Für Zugewanderte sei es oft eine große Herausforderung, in kurzer Zeit eine neue Sprache zu lernen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) bestätigt die Lesart: An Magdeburger Sekundarschulen hätten Zuwanderer mit rund 2800 Schülern zuletzt 20 Prozent der Gesamtschülerzahl ausgemacht. „Wenn aber einer im Alter von 15 ohne Deutschkenntnisse kommt, wird es oft schwierig.“

„Sachsen-Anhalt, Land der Schulabbrecher“ weiterlesen

Viele Schulen benötigen Runderneuerung

Viele Schulen in Sachsen-Anhalt brauchen aus Sicht von Interessenvertretern des Landesschülerrats eine Generalüberholung. In den vergangenen Jahren wurden Millionen Euro in marode Schulgebäude investiert. Das Geld kam zu einem beträchtlichen Teil aus Förderprogrammen. Eine der wichtigsten Hilfen endet im kommenden Jahr: „Stark III“.

Das Investitionsprogramm startete im Jahr 2012. In der ersten Förderperiode bis 2013 wurden mit dem Geld in Höhe von rund 112 Millionen Euro 56 Schulen im Land saniert und modernisiert, teilte das Finanzministerium in Magdeburg mit. Die zweite Förderperiode – und damit auch das Programm – endet 2020. Für 73 weitere Schulen sind die Anträge dafür bereits bewilligt, bei 39 Schulen sind sie noch offen. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 232 Millionen Euro, für die offenen Projekte auf mehr als 121 Millionen Euro. Die letzten Bauarbeiten sollen bis 2023 abgeschlossen sein, erklärte ein Ministeriumssprecher.

„Viele Schulen benötigen Runderneuerung“ weiterlesen

Wie sich Schüler aus Magdeburg Schule wünschen

Fachübergreifende Projektarbeit und digitale Medien statt Frontalunterricht und Klassenarbeiten: Schüler laden Politiker zum Schulentwicklungscamp nach Gardelegen ein, um ihre Ideen für modernen Unterricht zu präsentieren. Über soziale Netzwerke können sich alle Schüler in Sachsen-Anhalt mit Vorschlägen beteiligen.

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

Die „Neue Schule“ in Magdeburg erscheint auf den ersten Blick alles andere als neu. Ein heruntergekommener DDR-Bau, Modell „Erfurt“, von 1978. Bröckelnde Fassade, abplatzende Fensterfarbe, Räume, die mehr wie eine Anstalt denn eine Schule wirken. Doch drinnen werden moderne Konzepte gelebt. Es gibt Lernräume statt Unterrichtsfächer: Jeder Schüler stellt sich seinen Stundenplan individuell zusammen, lernt mit anderen Jahrgängen zusammen.

„Wie sich Schüler aus Magdeburg Schule wünschen“ weiterlesen

Mobbing ist für viele Schüler Alltag

laut Bertelsmann-Studie sind vor allem Grundschulkinder betroffen
Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich in ihrer Schule nicht sicher, sagen sie selbst in einer bundesweiten Befragung. Weiteres ernüchterndes Ergebnis: Hänseleien und Gewalt kennen die meisten.

Die Mehrheit der Schüler in Deutschland hat einer Untersuchung zufolge Ausgrenzung, Hänseleien oder körperliche Gewalt bereits selbst erlebt. Und ein Viertel fühlt sich an der Schule nicht sicher. Zu diesen Ergebnissen kommt eine am Mittwoch veröffentlichte repräsentative Studie im Auftrag der Bertelsmann- Stiftung, für die bundesweit 3448 Schüler zwischen acht und 14 Jahren befragt worden waren. „Auffällig“ und „irritierend“ aus Sicht der Autoren: Besonders hoch ist der Anteil der Übergriffe in den Grundschulen. Dort gaben knapp 30 Prozent der befragten Jungen und Mädchen an, im Vormonat von anderen Schülern gehänselt, auch ausgegrenzt und zudem „absichtlich gehauen“ worden zu sein. An Haupt-, Real-, Gesamt- und Sekundarschulen sagte jeder Fünfte, alle diese drei Übergriffsformen im Monat zuvor erlebt zu haben. Im Gymnasium war es jeder Zehnte.

„Mobbing ist für viele Schüler Alltag“ weiterlesen