Besser mit dem Rad zur Schule

Stadt fragt Schulen zum Thema Radverkehr ab / Sicherheit auf den Wegen ist ein zentrales Thema
Wie kommen Grundschüler zum Unterricht? Diese Frage treibt Eltern, Lehrer, Anwohner und Sicherheitsexperten um. Starke Fürsprecher gibt es für die Idee, Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen. Inwiefern dazu die Infrastruktur in den Schulen stimmt, wird jetzt in den Einrichtungen abgefragt.

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Anlehn bügel gelten als die beste Möglichkeit, Fahrräder sicher im Freien abzustellen. Inzwischen baut die Stadt entsprechende Anlagen auch im Bereich von Schulen auf – hier ein Bild von der Grundschule Am Brückfeld, die ihren Sitz in der Friedrich-Ebert-Straße an der Grenze zwischen Brückfeld und Cracau hat. Foto: Martin Rieß
Anlehnbügel gelten als die beste Möglichkeit, Fahrräder sicher im Freien abzustellen. Inzwischen baut die Stadt entsprechende Anlagen auch im Bereich von Schulen auf – hier ein Bild von der Grundschule Am Brückfeld, die ihren Sitz in der Friedrich-Ebert-Straße an der Grenze zwischen Brückfeld und Cracau hat. Foto: Martin Rieß
Magdeburg l Dass die Emotionen hochschlagen, wenn es um das Wohl von Kindern geht, hatte um den Jahreswechsel ein Beispiel von der Grundschule Am Grenzweg gezeigt: Hier hatte die Schulleitung darauf gedrungen, dass Erstklässler aus Sicherheitsgründen nicht mehr mit dem Fahrrad zur Schule kommen. Teilweise gab es daraufhin Anfeindungen gegen die Schule.

Im Raum stand bei der Diskussion auch die Frage, ob die Infrastruktur an der Schule selbst – die Abstellanlagen für Fahrräder und der Weg dorthin – ausreichend sind. Und in der Diskussion war auch schnell klar, dass nicht nur diese Schule genau hinschauen muss, wenn es um einen sicheren Schulweg geht.

Folgerichtig ist vor diesem Hintergrund eine Aktion, mit der alle Schulen der Stadt – einschließlich der Berufsschulen – zum Thema befragt werden. Stadtrat Jürgen Canehl (Bündnis 90/Grüne) hat einen Fragebogen entwickelt, der dazu versandt worden ist. Bereits im November war beschlossen worden, die Schulen um entsprechende Zuarbeiten zu bitten. Diese wurden in dem Schreiben gebeten, den Fragebogen auszufüllen und bis zum 18. Februar zurückzusenden.

Fragen nach Schülerzahlen und Abstellanlagen
Gefragt wurde unter anderem, wie viele Schüler an der Schule lernen und wie viele Mitarbeiter jeweils in dieser tätig sind. Es wird abgefragt, wie viele Fahrraddiebstähle es in den vergangenen drei Jahren auf dem Gelände und außerhalb gegeben hat. Die bei der Umfrage gesammelten Daten sind Grundlage für die weiteren Diskussionen.

Gefragt wird nicht allein danach, wie viele Fahrräder Platz finden. Es geht auch darum, ob Felgenbügel genutzt werden – die eigentlich nicht mehr auf dem Stand der Zeit sind, da sie die Laufräder der Fahrräder beschädigen, oder ob Anlehnbügel vorhanden sind. Zudem geht es darum, ob die Fahrradständer sich in einem eingezäunten oder überdachten Raum befinden. Empfänger für die Informationen ist das Kommunale Gebäudemanagement der Stadt, das für den Bau und die Unterhaltung der Schulen in kommunaler Trägerschaft in Magdeburg zuständig ist. Aus den Daten soll abgeleitet werden, wo weitere Abstellanlagen für Fahrräder notwendig sind und wo gegebenenfalls die vorhandenen modifiziert werden müssen.

Grundsätzlich begrüßen es viele Fachleute, wenn Kinder und Jugendliche den Weg zur Schule selbstständig zurücklegen, sobald sie wissen, wie sie sich im Verkehr bewegen müssen. Im Gegensatz zum Transport im elterlichen Auto lernen sie so die Umgebung immer besser kennen und sich zu orientieren. Voraussetzung ist allerdings, dass sie den Verkehr einschätzen können – egal, ob sie zu Fuß unterwegs sind oder mit dem Fahrrad.

Im Zuge der Diskussion um die in der Neu-Olvenstedter Grundschule ausgesprochene Bitte, in der untersten Klasse auf den Weg zur Schule mit dem Fahrrad zu verzichten, hatte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Magdeburg (ADFC) deutlich widersprochen: Gerade mit Blick auf den Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen müsse das Radfahren gefördert werden. Sprich: Es muss dafür gesorgt werden, dass die Wege auch für Kinder und Jugendliche, die mit dem Rad zur Schule fahren möchten, sicher sind.

Sicherheit auf dem Schulweg steht obenan
Seitens des Bundesverbands des ADFC gibt es die Empfehlung, mit Kindern zunächst im geschützten Raum das Radfahren zu üben und sie dann zunächst mit dem Fahrrad zur Schule zu begleiten. Dafür böten sich gerade die unteren Klassen an.

Der Fall von der Grundschule Am Grenzweg, weswegen die Fahrten mit dem Rad öffentlich Thema wurden, hat sich übrigens auch noch weiterentwickelt: Nachdem er im Schulausschuss diskutiert wurde, gab es einen Vor-Ort-Termin. An diesem nahmen unter anderem neben Jürgen Canehl, der das Thema öffentlich gemacht hatte, auch SPD-Stadtrat Christian Hausmann als Vorsitzender des Schulausschusses und Tim Liebe als stellvertretender Vorsitzender des Stadtelternrats teil. Dass dennoch nicht eitel Sonnenschein vor dem Schulgelände herrscht, dürften zwei Punkte zeigen. Zum einen hatten weder die Schulleitung noch die Stadtverwaltung an dem Treffen teilgenommen. Zum anderen sei die Polizei aktiv geworden und habe Autofahrer verwarnt, die im Umfeld der Schule im Parkverbot standen und damit den Schulweg eingeengt haben, berichtete Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl. Er, der auch als stellvertretender Vorsitzender des Regionalverbands Magdeburg des ADFC aktiv ist, bekräftigte die Forderung nach einer besseren Erreichbarkeit der Schule mit dem Fahrrad vor dem Hintergrund, dass viele Kinder weite Schulwege zurücklegen müssen, im Falle der Grundschule Am Grenzweg zum Teil auch aus Stadtfeld-West.

Volksstimme Magdeburg

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