Eltern planen den Protest

Der Schulelternrat des neuen Edithagymnasiums am Lorenzweg fordert schnelles Handeln
Platznot plagt das neue Edithagymnasium am Lorenzweg. Eltern, Schüler und Lehrer fühlen sich von der Stadt verschaukelt. Die Verantwortung, die Gebäude herzurichten, würde auf Kosten der Schüler hin und her geschoben.

Unter der Elternschaft, bei Schülern und Lehrern des Magdeburger Edithagymnasiums kocht die Wut hoch. Schulelternratsvorsitzender Karsten Freitag sagt: „Wir haben die ganze Zeit über die Füße stillgehalten. Doch damit ist Schluss. Das geht so nicht weiter.“ Hintergrund der Verärgerung: Nachdem auf Initiative der CDU statt eines Neubaus für ein Gymnasium im Stadtzentrum der Schulkomplex am Lorenzweg saniert werden soll, hat sich dort außer dem Nötigsten nicht viel getan: Immer mehr Schüler müssen in einem unsanierten Schulgebäude unterkommen, während die anderen beiden Gebäude noch nicht nutzbar sind.

Die Folge: Der Platz reicht nicht mehr aus. Im nächsten Jahr sollen noch einmal mindestens drei Klassen dazukommen. Schulleiterin Katja von Hagen unterstützt die Forderung der Eltern und erläutert: „Ich brauche Räume, um ein vernünftiges Kurssystem aufbauen zu können.“ Denn Kern des Abiturs in Deutschland ist, dass Schüler mit einer Kombination von Kursen ab der elften Klasse Schwerpunkte in ihrer schulischen Bildung setzen können.

Während bei anderen noch unsanierten Schulen in Magdeburg der weitere Weg inzwischen geklärt ist, hängen die Edithianer in der Luft. Was die Ausstattung des Schule angeht – diese war bei einem Besuch von Oberbürgermeister Lutz Trümper neben den fehlenden Perspektiven für die Sanierung von Schülern und Lehrern kritisiert worden –, berichtet Schulleiterin Katja von Hagen, dass es allmählich vorwärtsgeht. Ein Teil der Ausstattungsgegenstände sei bereits in der Schule, weitere folgen in Kürze. Magdeburgs Stadtsprecher Michael Reif sagt: „Bei der Ausstattung hat das Gymnasium 2017 alle schriftlich eingereichten Wünsche erfüllt bekommen. Dies wird auch für 2018 gelten.“ Derzeit erfolge dafür das Ausschreibungsverfahren. Die beantragten Anschaffungen für 2017 und 2018 haben einen Gesamtwert von 117 000 Euro. Das ist eine Summe, die über der anderer Schulen liegt, die aber auch darin begründet ist, dass eine neue Schule nicht auf vorhandenes Material zurückgreifen kann.

Kein Plan B
Diese Verbesserungen bringen aber nichts in Sachen Raumausstattung. Und daher stößt auch bitter auf, dass die Vorschläge aus der Elternschaft, mit Containern eine Zwischenlösung zu schaffen, abgelehnt wurden, so Karsten Freitag. Im Gegenteil: In der Stadtverwaltung gebe es keinen Plan, wie es weitergehen soll. „Stattdessen schieben sich Stadt und Land die Verantwortung für die Verzögerung zu. Aus unserer Sicht muss aber jetzt gehandelt werden“, so der Vorsitzende des Schulelternrats.

Was das Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten angeht: Seitens des Landes wird kritisiert, dass die Anträge aus der Stadt unzureichend seien und mit großem Aufwand nachgearbeitet werden müssten. Solche Positionen hatten bereits vor Monaten Oberbürgermeister Lutz Trümper erzürnt: Die Stadt müsse die ohnehin komplizierten Planungen immer wieder neu beginnen, da ständig an den Rahmen, die von Förderrichtlinien und gesetzlichen Vorgaben zum Bau vorgegeben werden, herumgespielt werde.

Im Fall der Fälle müsse die Stadt fürs Land einspringen, so die Überzeugung in der Elternschaft. Birgit Suslik arbeitet ebenfalls im Schulelternrat des Edithagymnasiums mit und sagt: „Es ist doch erschreckend, wie in Magdeburg mal eben zehn Millionen Euro für das Stadion ausgegeben werden, aber kein Geld für Kinder ist.“ All jene, die seinerzeit die Einrichtung einer neuen Schule gefeiert haben, sollten sich jetzt auch um deren Aufbau kümmern und nicht schon über weitere kommunale Schulneubauten nachdenken.

Eltern planen Aktionen
Ebenfalls im Schulelternrat engagiert sich Michael Schultze. Er sagt: „Als Schulelternrat können wir jetzt sicher auf den Sitzungen des Stadtrats und in anderen Gremien Präsenz zeigen. Wenn das nichts hilft, müssen wir über weitere Formen des Protests nachdenken.“

Übrigens: Wie die Volksstimme erfuhr, dürfte sich die Situation an den Gymnasien weiter verschärfen: Es sind Gespräche angesetzt, um in den 5. Klassen dieses Jahrgangs weitere Schüler unterzubringen. Grund: Mehr Eltern als ursprünglich prognostiziert haben ihre Sprösslinge für diesen Bildungsweg angemeldet.

Was die Eltern des Edithagymnasiums angeht, möchten sie nicht mehr auf Entscheidungen im stillen Kämmerlein vertrauen. Unter anderem geht es jetzt darum, öffentlich Präsenz zum Beispiel bei Sitzungen des Magdeburger Stadtrats zu zeigen.

Volksstimme Magdeburg 29.03.2018

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