Gewalt an Schulen bleibt Thema

Die Stadt soll im dritten Quartal eine Fachtagung zu Gewalt und Mobbing an Schulen und Horten und Präventivmaßnahmen über die Bühne bringen. Diesen Antrag der Fraktion Die Linke/Future hat der Magdeburger Stadtrat bei seiner Januarsitzung beschlossen. Anders als ursprünglich geplant, soll diese ohne Öffentlichkeit stattfinden, der entsprechende Änderungswunsch der Ausschüsse für Bildung, Schule und Sport sowie für Jugendhilfe hatte ebenfalls eine Mehrheit gefunden. Geladen werden sollen alle am Thema wirkenden Akteure – sprich: Neben Pädagogen dürften beispielsweise auch Eltern und Schüler sowie Vertreter der Schulsozialarbeit sitzen.

Seit dem Sommer ist Gewalt an Schulen ein Thema für die Magdeburger Kommunalpolitik. Damals hatte die Fraktion Die Linke/Future nach einem offenen Brief aus einer Grundschule im Harz von der Verwaltung erstmals Zahlen zu Magdeburg eingefordert. Zwar war in den Ausschüssen das Thema bereits mehrfach diskutiert worden – doch Zahlen, die wirklich Licht ins Dunkel bringen, gab es auch dieses Mal nicht.

Oberbürgermeister Lutz Trümper erläuterte, dass der Betrieb der Schulen und damit auch die Gewalt an Schulen ein Thema für die Landesverwaltung sei. Daher sei man auch auf die Informationen vom Land angewiesen, die bis heute ausstehen. Die Zahlen, die vorlägen, sagten nur aus, dass die Polizei statt 50 Rohheitsdelikten im Jahr 2016 ein Jahr später 73 registriert hat. Einzig bei Grundschülern sei ein Aufwärtstrend zu erkennen. Der Magdeburger Oberbürgermeister verweist auf die Ankündigung von Schulminister Marco Tullner, sich mit dem Thema zu befassen. „Warum ziehen wir uns das auf den Tisch?,“ fragte er mit Blick auf den Aufwand.

Nicht auf das Ministerium warten
Antragsteller Oliver Müller war darauf nicht um eine Antwort verlegen: „Wir wollen nicht darauf warten, was das Ministerium macht. Wir wollen in der Landeshauptstadt wissen, was passiert.“ Es müsse eine Datengrundlage für die Zukunft erarbeitet werden. Bei Gesprächen mit Schülerinnen habe sich gezeigt, dass Mobbing mehr und mehr ein Problem an den Schulen sei. Und auch die Magdeburger Kinderbeauftragte habe ähnliches berichtet. Müllers Fraktionskollegin Jenny Schulz mochte das Argument des Oberbürgermeisters, dass die Stadt überhaupt nicht handlungsfähig sei, was das Geschehen an Schulen angeht, nicht im Raum stehen lassen: Die Stadt könne die Entwicklung begleiten. Und dazu gehöre Wissen und keine gefühlte Datenlage. Sie regte an, sich ausdrücklich in anderen Kommunen nach deren Erfahrungen und Strategien zu erkundigen.

Unterstützung gab es dafür von nahezu allen Seiten des Magdeburger Stadtrats. Auch die Genossin des Oberbürgermeisters, Birgit Steinmetz aus der SPD-Fraktion, sieht Handlungsbedarf: „Es ist nicht mehr lustig, was man inzwischen aus Schulen, zum Teil sogar aus Kindergärten hört.“

Früher gab’s auch mal was auf die Zwölf
Carola Schumann von der FDP, die als Grundschullehrein aus eigenem Erleben das Problem kennt, berichtet, dass es auch früher Gewalt gegeben habe, dass es auch während ihrer Kindheit auf dem Schulhof „einmal etwas auf die Zwölf“ gegeben habe. Das heutige Ausmaß, der Trend, dass sich die Aggressionen in einer Gewaltspirale immer weiter aufschaukeln, erfordere aber zu handeln. Während einer Sitzung des Schulausschusses hatte sie bereits im vergangenen Jahr eingeschätzt, dass nicht zuletzt zu wenig Platz die Gewalt an den Schulen begünstige.

Kein Verständnis dafür, dass die Gewalt an Schulen nur ein Thema fürs Land sein sollte, brachte auch der Bündnisgrüne Alfred Westphal auf: Es handele sich ja um die Kinder der Stadt, die in die Gewalt an Schulen verwickelt sind.

Klaus Kutschmann (BfM) forderte im Zuge der Diskussion auch, dass der Handel mit Drogen an Schulen ein wichtiges Problem sei: „Auch dieses Thema gehört auf die Tagesordnung“, so Klaus Kutschmann.

Volksstimme Magdeburg

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