Grundschule über der Gruft

Nach jahrelangem Hin und Her um einen passenden Standort steht nun fest: Statt einer völlig neuen Grundschule in Ottersleben soll die bestehende auf dem Nachbargelände mit dem alten Benneckenbecker Friedhof erweitert werden. Der Neubau soll im Sommer 2022 fertiggestellt werden.

Der Magdeburger Stadtrat hat die Vorplanung zur Erweiterung der Grundschule Ottersleben bestätigt. Für geschätzte 7,4 Millionen Euro soll eine Ergänzung zum bestehenden Schulkomplex an der Richard-Dembny-Straße gebaut werden. Bis in die ersten Tage der Sommerferien 2022 soll der Neubau fertig sein. Derzeit läuft die sogenannte Entwurfsplanung, bei der Details für das Bauvorhaben ausgearbeitet werden. Es folgt der Bauantrag und die Ausschreibung für die Arbeiten. Baustart ist für Juli 2021 geplant.

Die Schulerweiterung wird auf einem Gelände gebaut, wo sich bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Friedhof der Gemeinde Benneckenbeck befand. Unter anderem wurden hier ortsansässige Gutsbesitzer in Gruften bestattet. Der Zustand der Grabstellen sei unklar, heißt es seitens der Magdeburger Stadtverwaltung. Während der Untersuchungen des Baugrunds seien auf dem Grundstück keine größeren Hohlräume gefunden worden – jedoch eine Gruft. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat keine Einwände gegen den Neubau. Wohl aber müssen die Funde vom früheren Friedhof fachgerecht dokumentiert werden.

Drei Riegel mit drei Etagen
Bedeutsam wird die Geschichte des Geländes für die Schule außer für Schauergeschichten in der Lesenacht oder auf Klassenfahrt wohl eher nicht – wohl aber die Frage, wie das Gebäude gebaut wird. Mehrere Varianten sind untersucht worden. Durchgesetzt hat sich eine Variante mit drei Gebäuderiegeln, die das Magdeburger Büro arc architekturconzept für den Stadtrat visualisiert hat.

Die Räume für Hort und Schule werden in drei nebeneinanderstehenden Riegeln untergebracht. Von den Verglasungen an den Stirnseiten fällt Licht in die Flure. Ein zentrales Treppenhaus sowie der Personenaufzug sind direkt aus der erdgeschossigen Eingangshalle zu erreichen. Ein zweites Treppenhaus befindet sich im Inneren des Gebäudes. Die Unterrichtsräume und das Lehrerzimmer liegen im 2. Obergeschoss. Im 1. Obergeschoss haben sechs Horträume sowie die Personalräume für den Hortbetrieb Platz. Ein siebenter Hortraum sowie der Speiseraum mit Küche, der Gymnastikraum mit Umkleiden sowie eine Technikzentrale sind für das Erdgeschoss geplant.

Farbe für die Fassade
Das neue Gebäude wird zu Fuß über den bestehenden Schulhof der Grundschule erreichbar sein. An der Südseite wird zudem ein zusätzlicher Zugang zum Schulgelände von der Straße Alt Benneckenbeck geöffnet. Für die Fassade sind durch das Material und mit Farben Akzente geplant. Da auf dem alten Friedhof einige alte Bäume gefällt werden sollen, wird es auf dem Schulgelände, das unter anderem eine neue Spielfläche bekommt, Ersatzpflanzungen geben.

Erklärter Wunsch seitens der Schule war nicht zuletzt, die Räume öffnen und mit weiteren Bereichen nutzen zu können. Dies wäre bei einer weiteren näher untersuchten Variante nicht möglich gewesen. Dabei handelte es sich um einen winkelförmigen Bau. Wegen seiner sehr viel längeren Flure hätten hier die Räume aus Gründen des Brandschutzes nicht wie gewünscht genutzt werden können.

Auf Anregung der bündnisgrünen Ratsfraktion hat der Stadtrat bei seiner Entscheidung, dass die Planungen weitergehen können, übrigens auch beschlossen, dass die Stadt das Modell eines Generalunternehmers nutzen könne. Dabei würde dieser sich um die einzelnen Gewerke und die Organisation auf der Baustelle kümmern und ein schlüsselfertiges Gebäude übergeben.

Gute Erfahrungen hat die Magdeburger Stadtverwaltung diesbezüglich mit dem Neubau von Kindertagesstätten gesammelt. Dass der Vertrag mit einem Generalunternehmer nicht automatisch vor Schwierigkeiten schützt, zeigt das Beispiel der Tunnelbaustelle am Hauptbahnhof.

Volksstimme Magdeburg

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