Jedes dritte Kind kann nicht schwimmen

Schwimmunterricht an Grundschulen im Land verfehlt regelmäßig sein Ziel
Jährlich mehr als 600 von 1800 Magdeburger Schwimmschülern steigen nach Unterrichtsschluss als Nichtschwimmer aus dem Becken, Tendenz steigend. Der Landestrend zeigt in die gleiche Richtung.

Schwimmunterricht ist Pflicht in Sachsen-Anhalt. Er steht in Klassenstufe 3 für Grund- und Förderschüler auf dem Lehrplan. Bei einer wachsenden Zahl von Kindern verfehlt der Unterricht sein Ziel. Rund ein Drittel schließt als Nichtschwimmer ab oder kann sich nur gerade so ein paar Meter über Wasser halten.

Den Magdeburger Stadtrat schreckt eine Bilanz auf: In den Jahren 2014 bis 2018 stieg der Anteil der Nichtschwimmer-Kinder am Ende der 3. Klasse stetig – von 408 auf 634. Parallel wuchs zwar auch die Schwimmschülerzahl von 1466 auf 1860, doch der Nichtschwimmer-Anteil stieg überproportional. Kommunalpolitiker fordern eine verbesserte Unterrichtsorganisation. Die ist Landesangelegenheit.

Steffen Breuer vom Landesschulamt bestätigt den Trend: „Etwa zwei Drittel der Grundschüler sind nach dem Schwimm- unterricht sichere Schwimmer.“ Zwar wolle das Land sich darauf nicht ausruhen, „aber ich sehe das erst mal als positive Botschaft“. Tatsächlich beklage die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im Bundesschnitt ein unsicheres Schwimmvermögen bei der Hälfte der Grundschüler. „Da stehen wir in Sachsen-Anhalt noch gut da.“ Allerdings weise die aktuelle Tendenz in die falsche Richtung. Ob dem eine mangelhafte Unterrichtsorganisation zugrunde liege, mochte das Landesschulamt gestern nicht bewerten, versprach aber, der Kritik auf den Grund zu gehen. Viele Schulen bündeln die Schwimmstunden auf ein halbes Jahr oder auf noch kürzere Frist, statt, wie vorgesehen, ein ganzes Schuljahr zum Schwimmunterricht zu fahren. „Eigentlich war diese Möglichkeit für Schulen auf dem Land gedacht, die lange Anfahrtswege zur Schwimmhalle bewältigen müssen“, sagt Breuer. Dass zunehmend auch Stadtschulen davon Gebrauch machten, überrasche ihn.

Die Kulturministerkonferenz verhandele aktuell neue Anforderungen ans Lehrplanziel sicheres Schwimmen. „Sie sollen steigen“, so Breuer, der auch die Eltern in der Verantwortung sieht. „Viele Kinder haben schon vor der Schule Kurse absolviert, für andere ist das Schwimmen neu.“ Letztere führt der Schwimmunterricht oft nicht ans Ziel.

Volksstimme Magdeburg

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