Job-Offensive für pädagogische Helfer

Das Land startet am Montag die größte Stellen-Neubesetzung für pädagogische Mitarbeiter in seiner Geschichte: 310 Stellen schreibt das Bildungsministerium aus. Nach Jahren des Rückgangs der Zahl der Fachkräfte soll der Schritt die Trendwende einleiten. Schüler sollen besser gefördert, Lehrer entlastet werden.

Die Zahl der Stellen für pädagogische Mitarbeiter an Sachsen-Anhalts Schulen soll dank der Groß-Ausschreibung von aktuell knapp 1400 auf mehr als 1700 steigen. Mit einer weiteren Ausschreibung im laufenden Schuljahr will Bildungsminister Marco Tullner (CDU) noch 2019 das Ziel der Kenia-Koalition von 1800 besetzten Vollzeitstellen erreichen. Das Geld kommt aus dem Haushalt 2019. „Die Ausschreibung ist ein enorm wichtiger Schritt“, sagte Tullner. „Nachdem über viele Jahre die pädagogischen Mitarbeiter als Auslaufmodell galten, schaffen wir nun eine dauerhafte Perspektive.“

Zum Einsatz kommen sollen die Fachkräfte vor allem an Grund- und Förderschulen, aber auch an Ganztagsschulen mit hohem Bedarf – etwa in sozialen Brennpunkten. An Grundschulen soll die Zahl der Stellen dabei nach Größe gestaffelt ansteigen, teilte das Ministerium mit. Kleine Standorte mit bis zu 100 Schülern sollen je einen pädagogischen Mitarbeiter erhalten, Grundschulen ab 200 zwei und Einrichtungen ab 400 drei.

Lob von der SPD
Je nach Bedarf sollen Grundschulen noch zusätzliche Wochenstunden bekommen. Am Ende soll jeder der 450 Grundschulen wenigstens ein pädagogischer Mitarbeiter zur Verfügung stehen. An Förderschulen sollen die Fachkräfte nach Schwerpunkten eingesetzt werden. Förderschulen etwa, in denen wegen körperlicher Behinderung eine intensive Betreuung nötig ist, sollen mehr pädogische Helfer bekommen als solche mit dem Schwerpunkt Lern-Förderung.

Von der Ausschreibung angesprochen sind Erzieher, Sozial- oder auch Heilpädagogen. Den Beruf des pädagogischen Mitarbeiters gibt es so nicht. Anders als bei der Besetzung von Lehrerstellen rechne man derzeit eher nicht mit Engpässen bei der Stellenbesetzung, hieß es aus dem Ministerium.

Pädagogische Mitarbeiter unterstützen Lehrer im Unterricht und fördern Schüler, sie sollen etwa Schulabbrüche verhindern helfen. Noch unter dem Spar-Primat der Vorgänger-Regierung galt das Konzept als Auslaufmodell. Über Jahre wurden daher kaum Fachkräfte eingestellt, viele Kollegen haben ihren Abschluss schon zu DDR-Zeiten erworben. Zunehmender Lehrermangel und das gemeinsame Lernen von Schülern mit unterschiedlichen Voraussetzungen (Inklusion) bewogen die Politik aber zum Umdenken. Im Sommer schrieb das Land erstmals wieder 70 Stellen neu aus.

Der Koalitionspartner SPD lobt die jetzige Großausschreibung: „Gerade in Zeiten akuten Lehrermangels stellen die Fachkräfte eine wichtige Bereicherung dar“, sagte Bildungsexpertin Angela Kolb-Janssen. Eine moderne Schule komme ohne sie nicht aus. Zustimmung kommt auch von der Lehrergewerkschaft GEW: „Die Ausschreibung ist ein guter Schritt“, sagte Chefin Eva Gerth. Weitere müssten aber folgen. Zudem brauche es ein Konzept, das die Zusammenarbeit von pädagogischen Mitarbeitern, Lehrern und Schulsozialarbeitern in multiprofessionellen Teams regelt. Über ein solches Papier berät derzeit der Bildungsausschuss.

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