Kind verschwindet unbemerkt

In der Grundschule an der Klosterwuhne wird das Netz, mit dem die Kinder beaufsichtigt werden, künftig noch engmaschiger gestrickt. Das berichtet die Pressesprecherin des Landesschulamtes, Silke Stadör, auf Volksstimme Nachfrage. Hintergrund ist das unbemerkte Verschwinden einer Erstklässlerin vom Pausenhof zu Beginn des Schuljahres.

Wie die Mutter des Kindes, Manuela Finzelberg, berichtet, sei ihre Tochter nach einer Hofpause nicht mehr ins Schulgebäude gelangt, weil die Türen bereits verschlossen worden waren, so dass Kinder und Lehrer im Haus das Gebäude zwar verlassen können, es für Fremde aber von außen nicht zugänglich ist. Die Sechsjährige verließ daraufhin das Schulgelände und war zunächst im Wohngebiet unterwegs und wollte schließlich in ihre frühere Kita gehen. Auf dem Weg dorthin wurde sie von ihrer früheren Erzieherin bemerkt, die das Mädchen mit in die Kita nahm. In der Schule war das Verschwinden zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt worden. Die Erzieherin informierte auch die Mutter, die später die noch ausgepackten Sachen aus der Schule abholte und sich darüber wundert, wieso das Verschwinden ihres Kindes nicht bemerkt worden sei. Das Mädchen selbst kann die Uhr noch nicht lesen und könne auch nicht mehr einschätzen, nach welcher Stunde sie gegangen ist.

Silke Stadör informiert nach Rücksprache mit dem Schulleiter, dass der Unterricht für das Mädchen bereits vorbei gewesen sei und das Kind nach besagter Hofpause, die um 11.45 Uhr begann, an den Hort übergeben worden wäre. Dort sei aber nicht sofort eine Anwesenheitskontrolle durchgeführt worden, so dass das Fehlen des Mädchens zunächst nicht bemerkt worden sei.

Damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt, wurden jetzt umfangreiche Maßnahmen eingeleitet. „Ein Schulsozialarbeiter wird nach dem Klingeln zum Ende der Hofpause das Gelände noch einmal absuchen, um sicherzustellen, dass sich kein Kind mehr auf dem Schulhof befindet und alle ins Schulhaus gegangen sind“, berichtet Stadör. In den Hofpausen halten zwei Lehrer Aufsicht auf dem Schulhof. Außerdem wird es künftig Pendelhefte geben, ähnlich einem Klassenbuch. Darin werden die Lehrer vermerken, welche Kinder anwesend sind und nach dem Unterricht in den Hort gehen und welche Kinder fehlen, kündigt Stadör weiter an. Abgesehen davon werden die Hortkinder künftig von den Horterziehern abgeholt.

Silke Stadör: Ähnliche Fälle sind sehr selten
Mit der betroffenen Mutter, dem Schulleiter und Vertretern des Landesschulamtes habe es zudem ein Gespräch gegeben. Die Mutter soll in den nächsten Wochen beobachten, ob sich bei ihrem Kind eine Schulunlust entwickelt habe. Auch bei Elternversammlungen wird das Verschwinden des Kindes noch einmal Thema sein.

Silke Stadör berichtet, dass solche Fälle höchst selten seien. Die Feststellung der Anwesenheit von Schülern erfolgt grundsätzlich in der ersten Stunde und dann wieder bei der Hortübergabe.

Spätestens nach der zweiten Stunde müsse ein Lehrer handeln, wenn ein Kind unentschuldigt fehlt, gegebenenfalls auch mit der Polizei. Deshalb sind Eltern angehalten, so früh wie möglich Bescheid zu geben, wenn ihr Kind nicht zum Unterricht kommen kann.

Jede Einrichtung regelt mit einer Schulordnung die Verhaltensregeln. Dazu gehört, dass der Unterricht verpflichtend und das Verlassen des Geländes verboten ist.

Tim Liebe als Vorsitzender des Stadtelternrates bestätigt, dass dem Gremium in den vergangenen Jahren vielleicht ein oder zwei Fälle bekannt geworden seien. „Meist reagieren die Schulleitungen selbst und bemühen sich um Regulierungen in der Schule, um solche Vorkommnisse zu vermeiden“, so Tim Liebe. „Sollte ein solcher Fall eintreten, kann man von der Schule erwarten, unverzüglich die Eltern zu informieren. Im Ernstfall sollten auch Behörden wie z. B. die Polizei informiert werden. Er gibt zudem zu bedenken: „Jedoch bewegen sich Kinder in Hofpausen oder im Hort nicht in Reih und Glied. Möglicherweise können Kinder beim Spielen auf dem Schulhof vom Aufsichtspersonal unbemerkt das Schulgelände verlassen.“ Das sei nicht schön, aber in Zeiten der dünnen Personalabdeckung und geringen finanziellen Wertschätzung des Personals an den Schulen sicherlich vorstellbar.

Schüler und Lehrer sollten aufmerksam sein und derartige Fälle melden, rät Liebe. „Im vorliegenden Fall kommt sicher erschwerend hinzu, dass das neue Schuljahr erst begonnen hat und sich die Kinder und Lehrer noch nicht so gut kennen.“

Die Mutter ist vor allem froh, dass ihrer Tochter nichts passiert ist.

Volksstimme Magdeburg 03.09.2018

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