Land lässt Erstklässler zum Schulstart hängen

Betreuung am Donnerstag und Freitag nach den Sommerferien vormittags ungeklärt

Die Eltern der rund 18 500 künftigen Erstklässler in Sachsen-Anhalt müssen sich darauf einstellen, dass die Betreuung für ihre Kinder an den ersten beiden Schultage nach den Ferien nicht gesichert ist.

Hintergrund: Das Sozialministerium ist der Auffassung, dass für Erstklässler an diesen Tagen (ein Donnerstag und ein Freitag) nur ein sechsstündiger Betreuungsanspruch besteht.

Da die 448 Grundschulen an den ersten beiden Schultagen aber bereits höhere Klassen unterrichten, fängt die Hortbetreuung erst am Mittag an. Die Erstklässler hängen damit am Vormittag in der Luft. Zusätzlich pikant wird die Betreuungsfrage dadurch, dass Einschüler schon ab 1. August als Schulkinder gelten. Sie haben damit drei Wochen lang Anspruch auf bis zu acht Stunden Hort-Betreuung. Dann folgen die beiden Tage ohne Anspruch am Vormittag. Erst am Montag danach greifen Unterrichtsangebot und Hortbetreuung wie für ältere Schüler.

Das Problem ist nicht neu. Der Bildungsausschuss hat in der Frage den Gesetzgebungs- und Beratungsdienst des Landtags um Stellungnahme gebeten. Der wiederum kam zu einem eindeutigen Resultat: Erstklässler seien in den ersten beiden Tagen ohne Unterricht wie Schulkinder in den Ferien zu behandeln, schreibt der Dienst in einer aktuellen Stellungnahme – hieße Anspruch auf Ganztagsbetreuung.

Nachbesserungsbedarf sieht das Sozialministerium trotzdem nicht. Begründung: Ein Erlass des Bildungsministeriums sehe ab 2020 ein Kennenlernangebot an den ersten beiden Schultagen vor. Den Erlass wiederum hat das Ministerium nur erarbeitet, weil das Sozialministerium den Ganztagsanspruch nicht anerkennt. Für zusätzliches Wirrwarr sorgt, dass das Bildungsministerium es den Schulträgern überlässt, wann die feierliche Einschulung stattfindet. Findet sie am Sonnabend vor dem Kennenlernangebot statt, ist dieses verpflichtend und die Betreuung am Vormittag gesichert. Findet die Einschulung danach statt, ist das Angebot nur freiwillig. Linke-Abgeordnete Monika Hohmann sprach von einem Chaos. Das Sozialministerium forderte sie auf nachzubessern. Am Freitag will sich der Bildungsausschuss mit dem Thema befassen.

Volksstimme Magdeburg

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