Mehr Handyverbote an Schulen

Der Schulleiter von Sachsen-Anhalts größtem Gymnasium in Köthen spricht bereits von ersten Erfolgen. Bodo Kreutzmann: „Die Schüler sprechen endlich in den Pausen wieder miteinander.“

Vor einigen Tagen hat die Gesamtkonferenz seiner Schule eine Änderung der Schulordnung beschlossen. Danach muss das Handy ausgeschaltet in der Schultasche verschwinden, wenn die Schüler das Gebäude betreten. Genutzt werden darf es privat nur in der ersten und zweiten Hofpause. Oder eben im Unterricht, aber nur wenn die Schüler dazu durch den Lehrer zum Beispiel für Recherchen aufgefordert werden. „Wir wollen darauf Einfluss haben, wann das Handy genutzt wird“, sagt Kreutzmann. Bei Verstößen, auch das steht in der neuen Hausordnung, droht der Einzug des Handys durch den Schulleiter. Es darf nach dem Unterricht dann abgeholt werden, im Wiederholungsfall wird es nur an die Eltern herausgegeben. Für diese Regelung hätten alle unterschrieben.

„Das ist ohnehin ein Beschluss, der nicht über die Köpfe der Eltern und Schüler getroffen wird“, meint Ministeriumssprecher Stefan Thurmann. Die Schulen haben im Land die Freiheit, das selbst zu regeln. Sein Chef, Bildungsminister Marco Tullner (CDU), will kein generelles Handyverbot im Land.

Das Ökumenische Domgymnasium in Magdeburg plant zum Beispiel in seiner nächsten Gesamtkonferenz, das Thema Einschränkung der Handynutzung zu diskutieren. Lehrer, Eltern und Schüler sollen dann darüber entscheiden, ob und wie das private „Daddeln“ besser eingeschränkt wird. Schulleiter Dietrich Lührs: „Zurzeit muss das Gerät bei uns nur ausgeschaltet werden, wenn der Unterricht beginnt. In der Pause sollte die Handynutzung möglichst beschränkt werden.“

Zeitweiliger Handy-Einzug durch Schulleiter möglich
Ähnlich liberal handhabt es das Martineum in Halberstadt, allerdings ohne Pläne, an der aktuellen Regelung etwas zu ändern. Handys müssen dort grundsätzlich nur im Unterricht – außer bei Erlaubnis des Lehrers – ausgeschaltet sein. In den fünften Klassen gelte das auch für die Pausen. Schulleiter Stefan Pasderski: „Für uns ist das Handy ein ganz normaler Alltagsgegenstand, mit dem die Schüler umgehen müssen.“

Strenger ist die Hausordnung am Roland-Gymnasium in Burg im Jerichower Land. Schulleiter Thomas Dreher: „Wenn bei uns die Schüler das Gebäude betreten, muss das Handy ausgeschaltet sein.“ Das gelte seit einigen Jahren laut Hausordnung übrigens für alle elektronischen Geräte. Eine Ausnahme sei der Unterricht, wenn es der Fachlehrer zur Recherche erlaubt. Probleme mit der Einhaltung der Regelung gebe es kaum. „Nur die 5. Klassen müssen sich oft noch daran gewöhnen“, sagt Dreher. Sollte es Verstöße geben, führt dies zur zeitweisen Wegnahme des Handys. Das werde an Erziehungsberechtigte wieder herausgegeben. Nur noch selten, etwa einmal die Woche, ziehen Lehrer ein Handy ein. Dreher: „Die Eltern gehen da mit. Im Notfall können sie ja jederzeit im Sekretariat anrufen.“

Auch Anke Bollmann, Schulleiterin des Winckelmann-Gymnasiums in Stendal, sieht es so: „Das Handy muss im Schulgebäude laut unserer Hausordnung in der Tasche aus- oder stummgeschaltet sein.“ Nur nach Aufforderungen durch den Lehrer dürfe es herausgenommen werden. Beim ersten Verstoß werde das Handy nach der letzten Stunde und einer Belehrung zurückgegeben, im Wiederholungsfall müssen es die Eltern abholen. Das sei aber selten.

Landesschülersprecher Michael Benecke (18): „Ob man mit generellen Verboten das Ziel erreicht, weiß ich nicht. Man sollte lieber mit den Schülern reden.“ Meinung

Volksstimme Magdeburg 21.11.2018

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