„Mobbing macht krank“: Neues Präventionsprojekt an Schulen

Mobbing gibt es an jeder Schule, davon ist der 16 Jahre alte Timothy überzeugt. Er selbst habe damit zu kämpfen gehabt, als er in die fünfte Klasse kam, erzählt er. Um andere zu schikanieren und auszugrenzen, werden Lügen erzählt, wird gelästert oder Geheimnisse ausgeplaudert, ergänzt die 13-jährige Samantha. Beide Jugendlichen haben zuvor verfolgt, wie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) am Donnerstag in ihrer Gemeinschaftsschule in Magdeburg ein neues Anti-Mobbing-Programm vorgestellt hat.

Nach den Sommerferien sollen sich interessierte Schulen anmelden können, um online auf die Informationen, Materialien und Videos für das Projekt „Gemeinsam Klasse sein“ zugreifen zu können. Es soll helfen, ein gutes Klassenklima zu schaffen und damit Mobbing gar nicht erst aufkommen zu lassen, aber auch erklären, wie Lehrkräfte und Eltern Mobbing erkennen – und was sie dagegen tun können.

Gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke habe das Problem eine neue Qualität erreicht, so der Bildungsminister. „Sachsen-Anhalt widmet sich dem Thema und lässt die Betroffenen nicht allein.“ Es ist das erste Bundesland im Osten, welches das Programm übernimmt. Weitere sind Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg, wo die einzelnen Bausteine des Pakets nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) an Schulen in einem Pilotbetrieb auf Praxistauglichkeit getestet wurden.

Die Kasse hat gemeinsam mit dem Land seit 2011 bereits 500 Anti-Mobbing-Koffer mit Material an den Schulen verteilt. Das neue digitale Angebot wurde ausgeweitet und auch um eine Elternperspektive ergänzt.

Sie sähen ihr Engagement als wichtige Aufgabe der Gesundheitsprävention, sagte die Leiterin der TK-Landesvertretung Steffi Suchant. „Denn Mobbing macht krank.“ Genaue Zahlen gebe es nicht, weil es keine abgegrenzte Diagnose sei. Aber bei den Heranwachsenden steige die Zahl der psychischen Erkrankungen – und es sei zumindest zu vermuten, dass hinter Schulangst oder körperlichem Unwohlsein an Schultagen Mobbing stecke.

Treffen kann es TK-Experten zufolge jeden und überall. Besonders perfide sei Cyber-Mobbing: Denn während die Schule irgendwann zu Ende sei und Betroffene ihren Mobbern aus dem Weg gehen könnten, sei das Internet rund um die Uhr an – und Abschalten nahezu unmöglich. Doch auch das Drangsalieren in der Schule ist nicht angenehm, wie sich der 16-Jährige Timothy erinnert: „Ich war ein sehr guter Schüler und auch ein bisschen abgehoben, da habe ich es mir mit einigen Mitschülern auch verscherzt.“ Dann gingen schnell die Beleidigungen los, die Handgreiflichkeiten, das Bespucken.

Seine Mutter habe seinen Klassenlehrer informiert und der habe die betreffenden Kinder im Einzelgespräch darauf angesprochen. Das habe geholfen.

Volksstimme Magdeburg

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