Nachsitzen beim Schulbau

Sanierung der Klassenräume verzögert sich in mehreren Einrichtungen teils erheblich
Kräftig investiert wird in eine Reihe Magdeburger Schulen. Doch aus unterschiedlichen Gründen verzögern sich die Termine der Fertigstellung teils um Monate. Ein Überblick:

Rückschlag für den Schulbetrieb in Magdeburg: An zahlreichen Schulen wird gebaut. Und die Inbetriebnahme in einer Reihe von ihnen wird sich verzögern. Zum Teil um Monate, wie das Kommunale Gebäudemanagement Magdeburg informiert. Betroffen sind nach jetzigem Stand Grundschulen, Gemeinschaftsschulen, die Berufsbildenden Schulen „Hermann Beims“ und das Edithagymnasium.

Die Ursachen für die Entwicklung sind unterschiedlich gelagert. Sie reichen von Verzögerungen bei Bau und Ausstattung über archäologische Grabungen und Planungsfehler bis hin zu einer Ausschreibung, für die sich kein Interessent gemeldet hatte.

Dagegen, dass trotz Fehlern von Misswirtschaft die Rede ist, verwahrt sich Kerstin Richter, Leiterin des Fachbereichs Schule und Sport: „Auch im Bau spielen Lieferungen und damit Corona eine Rolle. Das können wir nicht einfach wegdrücken.“ Bei technischen Ausstattungen waren unter anderem Firmen nicht bereit, Garantien zu Terminen abzugeben, wie dies bislang üblich war.

▶ Grundschule Brückfeld

Hier liegt ein Verzug von sechs bis acht Wochen vor. Immerhin sieht das Kommunale Gebäudemanagement noch eine Chance, eine Inbetriebnahme bis in den Sommer 2021 abzusichern.

▶ Grundschule Diesdorf

Das Projekt, die Grundschule Diesdorf zu modernisieren und von Zwei- auf Vierzügigkeit zu erweitern, hängt etwa vier Wochen hinterher. Grund: Zwei unterlegene Bieter haben nach einer Ausschreibung Widerspruch eingelegt. Die Folge ist zunächst ein Nachprüfungsverfahren, das seine Zeit in Anspruch nimmt. Schlimmstenfalls wird eine komplette Neuausschreibung – unter anderem geht es um Türen – erforderlich.

Derzeit ist die Rede davon, dass der Umzug der Grundschule Diesdorf, die momentan am Ausweichstandort in der ehemaligen Lea-Grundig-POS in Neu-Olvenstedt untergebracht ist, im Februar 2021 stattfinden kann.

▶ Grundschule Ottersleben

Seit Monaten laufen hier die Planungen. Aber auf dem Gelände neben der bereits bestehenden Grundschule Ottersleben, auf der sich einmal ein Friedhof befand, sind archäologische Untersuchungen angesetzt. Und diese werden mit mindestens drei Monaten länger dauern als ursprünglich geplant. Von einer Inbetriebnahme des Neubaus ist daher erst in den Winterferien 2024 die Rede.

Die Stadtverwaltung bereitet daher eine Drucksache vor, mit der der Stadtrat den Weg für eine Verlängerung eines Mietvertrags für den Werner-von-Siemens-Ring freimachen soll. Hier sind in einem eigentlich als Bürogebäude gebauten Komplex einige Klassen in einem Ausweichstandort untergebracht. Immerhin: Nachdem die Stadt die Anpassung der Räume mit einer recht hohen Miete finanziert hat, dürfte jetzt nur noch eine niedrigere Grundmiete fällig werden.

Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl erinnert derweil an die langen Diskussionen um den Schulstandort in Ottersleben: Es sei nicht klug gewesen, sich für einen Anbau auf einem Gelände zu entscheiden, wo alte Bäume stehen und Grabstätten sind.

▶ Gemeinschaftsschule „Ernst Wille“

Der Bau ist Ende August fertig. Das Problem: Die Ausstattung mit IT-Technik wird erst bis Oktober geliefert. Um den umfangreichen Umzug einer Schule geordnet über die Bühne zu bringen und die Schüler und Mitarbeiter nicht auf einer Baustelle ankommen zu lassen, wurde der Umzug entsprechend verlegt.

Betroffen ist davon nicht allein die Gemeinschaftsschule. Auch die neu aufwachsende Grundschule in der Bertolt-Brecht-Straße ist betroffen, da in dem Schulgebäude die Gemeinschaftsschule derzeit mit untergebracht ist. Mit den Schulleitungen sei aber inzwischen eine Einigung erzielt worden, dass eine Verschiebung des Umzugs um ein Vierteljahr mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Räume machbar ist.

▶ Gemeinschaftsschule „Gottfried Wilhelm Leibniz“

Aus der Hegelstraße in das zu sanierende Schulgebäude der früheren POS „Pablo Neruda“ in der Pablo-Neruda-Straße 12 soll die Gemeinschaftsschule „Gottfried Wilhelm Leibniz“ umziehen, um Platz für eine Erweiterung der Grundschule Hegelstraße zu schaffen. Da die finale Baugenehmigung aber noch nicht vorliegt, kann ein Umzug erst im Februar 2022 und nicht schon Ende 2021 stattfinden.

▶ Gemeinschaftsschule „Johann Wolfgang Goethe“

Verhandlungen mit der Denkmalbehörde haben ergeben, dass der Aufzug nicht einfach außen an die Fassade gebaut werden darf, sondern ins Gebäude integriert werden muss. Eine Inbetriebnahme ist dort frühestens zu Pfingsten 2021 möglich.

▶ Edithagymnasium

Ein Konglomerat aus Planungsfehlern und Fehlern bei der Vergabe führt zu Verzögerungen beim Bau im Edithagymnasium. Es geht um drei Monate. Eine Fertigstellung war für April kommenden Jahres geplant. Jetzt ist vom Sommer die Rede. Schulleiterin Katja von Hagen, die als sachkundige Einwohnerin für die SPD im Bildungsausschuss mitwirkt, sagt: „Ich bin schockiert. Wir platzen aus allen Nähten. Wie haben bereits außerhalb Räume angemietet und wissen nicht, wie wir so das Schuljahr beenden sollen.“ Im Edithagymnasium wird von drei Gebäuden derzeit eines genutzt, zwei werden saniert und mit einem Anbau für Foyer und Aula versehen.

▶ Berufsbildende Schulen „Hermann Beims“

Das Schulgebäude in der Bodestraße in Lemsdorf, das über Jahre leer stand, wird derzeit zu einem weiteren Sitz für die Berufsbildenden Schulen „Hermann Beims“, deren Stammsitz in der Salzmannstraße ist, umgebaut. Aus baulicher Sicht ist ein Einzug im Sommer denkbar, auch wenn Sporthalle und Außenanlagen erst später fertig werden. Allerdings gibt es zu diesem Zeitpunkt noch keine Stühle und Tische. Eine Ausschreibung war ohne Ergebnis geblieben. Unternehmen hatten signalisiert, dass sie ausgelastet sind, da in Deutschland derzeit vielerorts Schulen ausgestattet würden. Ein Umzug im Oktober erscheint jetzt realistisch.

Volksstimme Magdeburg

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