Neue Oberstufe, Praxistage, mehr Seiteneinsteiger

Für 197 000 Kinder und Jugendliche in Sachsen-Anhalt beginnt heute das neue Schuljahr. Mit dem Ende der Sommerferien greifen zugleich mehrere Neuerungen. Hier das Wichtigste im Überblick:

● Oberstufenreform

Nach 17 Jahren kehrt Sachsen-Anhalt zur klassischen Zweiteilung von Grund- und Leistungskurssystem zurück. Statt sechs Kursen auf erhöhtem Niveau gibt es für Elftklässler ab sofort wieder drei Leistungskurse, von denen zwei prüfungspflichtig sind. Daneben müssen angehende Abiturienten drei Grundkurse sowie Wahlpflichtkurse belegen. Hintergrund ist ein Beschluss der Kultusministerkonferenz. Sie will das Abitur bundesweit vergleichbarer machen.

Bislang galt das Abitur im Land bundesweit als eines der schwersten. Mit dem neuen Abitur dürften die Chancen für Sachsen-Anhalts Schüler auf gute Noten und damit auf begehrte Studienplätze steigen. Im Vorfeld gab es allerdings auch Kritik. So monierte der Verband der Gymnasiallehrer einen Trend „zu abnehmender Leistungsbereitschaft in der gesamten Bildung“. Insbesondere, dass Abiturienten seit 2016 bis zu 8 ihrer 44 Kursergebnisse aus den Endnoten streichen würden, sei das falsche Signal.

● Praxislerntage

Acht- und Neuntklässler von Sekundar- und Gemeinschaftssschulen sowie einer Förderschule belegen ab dem neuen Schuljahr 14-täglich sogenannte Praxislerntage. Die Schüler sollen in Unternehmen vor Ort in das Berufsleben hineinschnuppern. Beteiligt sind nach Angaben des Bildungsministeriums unter anderem die Filialen der Deutschen Bank im Land. Aber viele auch kleine und mittelständische Firmen am jeweiligen Schulstandort, darunter Handwerksbetriebe oder Automobilzulieferer, bieten Plätze an. Die Praxislerntage werden bisher vorgesehene Praktika nicht ersetzen, sondern sind ein zusätzliches Angebot, teilte das Bildungsministerium mit. Jeweils nach einem halben Jahr sollen die Schüler das Unternehmen wechseln.

● Verwaltungsassistenten

In einem Modellprojekt erhalten die 15 größten Gymnasien, Sekundar-, Gemeinschafts-Förderschulstandorte im Land vorerst für zwei Jahre sogenannte Schulverwaltungsassistenten. Die neuen Kollegen sollen die Schulen bei der Organisation des Unterrichts, bei schulischen Veranstaltungen, Anmeldeverfahren und Elternsprechtagen entlasten. Insgesamt sind 4,4 Millionen Euro aus dem Haushalt vorgesehen. Hintergrund: Lehrergewerkschaften fordern seit längerem die Entlastung der Schulen von verwalterischen Zusatzaufgaben. Bewährt sich das Projekt, soll es nach der Testphase verlängert und auf weitere Schulen ausgedehnt werden.

● Seiten- und Quereinsteiger

Im neuen Schuljahr werden an den 764 öffentlichen Schulen im Land so viele Seiteneinsteiger unterrichten wie noch nie. Dabei handelt es sich um Hochschulabsolventen ohne echten Lehramtsabschluss – etwa Biologen oder Musiker mit Diplom oder Masterabschluss. Neuerdings sind auch Bachelor zugelassen. Genaue Zahlen stehen wegen der Abarbeitung aktueller Stellen–Ausschreibungen noch nicht fest. Experten rechnen aber damit, dass die Zahl der Seiteneinsteiger ausgehend von 270 vor den Ferien auf bis zu 550 ansteigen dürfte.

Seiteneinsteiger mit nur einem Fach – das ist die breite Mehrheit – können ab sofort zudem ein zweites Fach nachstudieren und haben so die Chance auf einen echten Lehramtsabschluss. In Kooperation mit der Uni Potsdam stehen vorerst 20 Plätze zur Verfügung. Später soll das berufsbegleitende Studium an der Uni Halle stattfinden. Ebenfalls neu ist, dass Quereinsteiger mit zwei Fächern direkt ins Referendariat einsteigen können.

Volksstimme Magdeburg

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