Radikal gegen Corona: Schulen bleiben zu

Neuinfektionen geben Rätsel auf / Infektionskette unklar
Das Coronavirus ist zurück. Nach 21 Neu-infektionen binnen vier Tagen greift die Stadt zu drastischen Maßnahmen. Ab Montag sind fünf weitere Schulen sowie zwei Freizeiteinrichtungen geschlossen. Der Grund: Die Infektionskette kann nicht nachvollzogen werden.

Eine Hiobsbotschaft – insbesondere für Eltern mit Grundschulkindern. Das Gesundheitsamt veranlasste am gestrigen Freitag die Schließung von fünf weiteren Schulen sowie zwei Jugendeinrichtungen und drei Spielplätzen. Der Grund ist eine Häufung von Covid-19-Erkrankungen in rumänischen Familien. Die Schließung betrifft vor allem Schulen mit einem hohen Anteil rumänischer Kinder. Es wurden dort positiv getestete Kinder betreut beziehungsweise es arbeiten dort positiv getestete Erwachsene.

Sieben rumänische Familien betroffen
Bereits gestern wurde die Grundschule am Umfassungsweg samt Hort geschlossen. Ein Kind war positiv getestet worden. Dessen Mutter hatte am Montag eine Elternversammlung besucht, auf der 15 andere Eltern und eine Reihe von Pädagogen und sogar der Schulleiter anwesend gewesen seien. Allesamt befinden sich nun in Quarantäne.

Der Schulbetrieb setzt ab Montag aus in der Grundschule „Salbke“, den Gemeinschaftsschulen „Heinrich Heine“ (Buckau), „Thomas Müntzer“ (Neue Neustadt) und „Wilhelm Weitling“ (Neu-Olvenstedt) sowie an der Berufsbildenden Schule „Otto Schlein“ in Westerhüsen. Sie bleiben zunächst für 14 Tage geschlossen. Zudem stellen der Jugendclub „Knast“ am Moritzplatz und das Kinder- und Jugendhaus „Bauarbeiter“ im Neustädter Feld ihre Betreuungsangebote ein. Auch die drei Spielplätze am Moritzplatz, hinter dem Gesundheitsamt („Polarspielplatz“) und in Alt Fermersleben/Ecke Friedrich-List-Straße werden geschlossen.

Die Stadt greift zu den drastischen Maßnahmen, da die Infektionsketten derzeit nur schwerlich nachzuvollziehen sind und in allen Einrichtungen mindestens eine positiv getestete Person registriert wurde. 21 Infizierte hatte das Gesundheitsamt bis gestern Nachmittag erfasst. Sieben Familien sind betroffen – allesamt rumänischer Herkunft. Das Rätselhafte: Sie geben an, keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Zudem wohnen sie in unterschiedlichen Stadtteilen – in Alt Salbke, Neue Neustadt und Sudenburg. Ein großes Problem beim Ermitteln der Infektionskette stellt jedoch die Sprachbarriere dar. Oberbürgermeister Lutz Trümper kann nicht so recht glauben, dass es keinerlei Berührungspunkte unter den Familien gab. „Es ist kein Zufall, wenn es so viele Menschen in so kurzer Zeit betrifft. Es muss einen Zusammenhang geben.“

Klar ist jedenfalls, dass es einen Personenkreis betrifft, der sehr eng zusammenlebt und dessen Familiengrößen oft über denen der Deutschen liegen. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt jedenfalls bei 40 Jahren. Dennoch seien auch Kinder infiziert. Der Kontakt zu Mitschülern, Lehrern oder das Hinterlassen der Viren an Türen, Tischen etc. führte zu den Vorsichtsmaßnahmen. Denn wie schnell sich das Virus ausbreitet, zeigen die aktuellen Fälle. Nachdem Magdeburg in den vergangenen Wochen coronafrei schien, wurden von Montag bis Donnerstag 21 positiv Getestete registriert. Eine Frau ist am Donnerstag verstorben, eine weitere Person ist auf der Intensivstation. Aus diesem Grund wird es auch keine Notbetreuung in den betroffenen Schulen geben. In den kommenden zwei Wochen müsse erst einmal geschaut werden, ob an diesen Schulen weitere Fälle auftreten.

Stadt will konsequent die Verfügung kontrollieren
OB Lutz Trümper und Amtsarzt Eike Hennig bitten Eltern daher, ihre Kinder aufmerksam zu beobachten und sich gegebenenfalls freiwillig ins Fieberzentrum zu begeben, um sich testen zu lassen. „Wir können die Kinder leider nicht auf andere Schulen aufteilen oder eine Notbetreuung anbieten, da wir noch nicht wissen, ob eines der Kinder vielleicht das Virus in sich trägt“, sagt OB Trümper und weiß um die Sorgen der Eltern.

Amtsarzt Eike Hennig erklärt: „Derzeit wissen wir noch nicht, warum es die neuen Erkrankungen in so vielen verschiedenen Familien gibt. Solange wir die Infektionsketten nicht vollständig nachweisen können, müssen wir den Kreis derjenigen, die in Quarantäne und häusliche Absonderung geschickt werden, so umfangreich gestalten. Das tut uns leid für das gerade wieder anlaufende Unterrichtsgeschehen, ist aber derzeit die einzige Möglichkeit, eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.“

Derweil unternimmt die Stadt große Anstrengungen, die Infektionskette zu ermitteln und die Weiterverbreitung zu stoppen. So sind derzeit zwei Fiebermobile unterwegs, die Abstriche von den in Quarantäne befindlichen Personen nehmen. Zudem plant die Stadt Nachbarn und Hauseingänge auf das Virus zu testen. Und sie kündigt an, konsequent das Einhalten der Quarantäneverfügung zu überprüfen – mehrmals am Tag. 70 Quarantäneanordnungen hat das Gesundheitsamt im Zusammenhang mit den neuen Corona-Fällen verhängt.

Volksstimme Magdeburg

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