Schneller zum Schwimmen

Bildungsausschuss diskutiert, wie Unterricht besser organisiert werden kann
Rund 500 Kinder können trotz des Schwimmunterrichts an den Schulen in Magdeburg nach der dritten Klasse nicht schwimmen. Das Land sucht nach Gründen und möchte Maßnahmen fürs nächste Schuljahr vorschlagen. In der Kommunalpolitik wird derweil diskutiert, wie die Stadt helfen kann.

Die Fraktion „Links für Magdeburg/Tierschutzpartei“ des alten Stadtrats hatte das Thema Schwimmunterricht noch aufs Tapet gebracht – und der neue Stadtrat bleibt am Ball. Während einer Sitzung des Ausschusses Bildung, Schule und Sport wurde der entsprechende Antrag einstimmig dem Stadtrat zur Annahme empfohlen.

Im Kern geht es darum, dass die Stadt auf eine Verbesserung der Situation dringen möge. Hintergrund: Zwar gehört in Sachsen-Anhalt der Schwimmunterricht in den Grundschulen zum Pflichtprogramm.

Stadtrat rennt offene Türen ein
Doch immer mehr Kinder erreichen nach der 3. Klasse nicht das Ziel, sich sicher im Wasser aufhalten zu können. In einer Stellungnahme hatte die Magdeburger Stadtverwaltung bereits deutlich gemacht, dass die Kommunalpolitiker in ihrem Ansinnen offene Türen einrennen. So hat es zwischen Stadt und Landesschulamt in Sachen Schulschwimmen in den Grund- und Förderschulen bereits im Juli ein erstes Gespräch gegeben. Anhand einer Statistik zum vergangenen Schuljahr soll dort analysiert werden, inwiefern die Organisation des Schwimmunterrichts mit der hohen Anzahl an Nichtschwimmern zusammenhängt. Geplant ist, dass ab dem Schuljahr 2020/21 der Schwimmunterricht verändert wird.

Verantwortung bereits vor Beginn der Schulzeit
Eine starke Vermutung ist, dass die Verteilung der Schwimmstunden über das Jahr methodisch die bessere Variante gegenüber einem Halbjahr mit Doppelstunden oder gar einem zweiwöchigen Blockunterricht ist. Der Grund: Gerade für Kinder, die noch kaum oder keine Erfahrungen mit dem Element Wasser haben, ist nach 45 Minuten die Grenze der Aufnahmefähigkeit erreicht – und eben nicht nach einer Doppelstunde. Seitens der Stadtverwaltung wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass das „schwimmerische Anfangsniveau“ der Schüler immer schlechter wird: Teilweise haben die Kinder in den 3. Klassen noch grundsätzliche Berührungsprobleme mit dem Wasser. Hier seien Eltern und Kitas gefragt.

Mit Blick auf die Kitas regt Ex-Stadträtin Helga Boeck als Einbringerin des Antrags an, dass diese an einen runden Tisch eingeladen werden sollten, an dem ein Austausch aller Beteiligten stattfindet. Im Bildungsausschuss verwies Matthias Stübig, der als sachkundiger Einwohner von der CDU in das Gremium entsandt wurde, auf die Verantwortung der Eltern, die Kinder schon beim Babyschwimmen und im Kindergartenalter ans Wasser zu gewöhnen. Die bündnisgrüne Stadträtin Julia Bohlander berichtet, dass sich viele Eltern auch in falscher Sicherheit wiegen, wenn der Nachwuchs das Seepferdchen abgelegt hat: „Das gibt absolut keine Sicherheit. Das Jugendschwimmabzeichen in Bronze ist mindestens für ein sicheres Schwimmen erforderlich“, so die Stadträtin.

Derweil kritisierte AfD-Stadtrat Ronny Kumpf, dass es nur wenige und nur zu teure Angebote für entsprechende Kurse gebe. Dem hielt Kerstin Richter, Fachgebietsleiterin Schule und Sport aus der Stadtverwaltung, entgegen, dass in den städtischen Hallen zehn Schwimmstunden 35 Euro kosten, die gegebenenfalls auch über das Bildungs- und Teilhabepaket abgerechnet werden können.

Auf das eigentlich angestoßene Problem – dass nämlich der Schwimmunterricht zu oft keine Früchte trägt – hat die Stadt derweil nur mittelbar Einfluss. Denn die Unterrichtsgestaltung ist Landessache. Allerdings kann die Stadt am Rahmen mitwirken. Die-Linke-Stadtrat Dennis Jannack hat so ermittelt, dass zwei Schulen in Magdeburg über ihre Fördervereine Schwimmbusse organisiert haben. Denn dass die Schulen gern auf Doppelstunden setzen, hat einen guten Grund: Schulorganisatorisch ist es schwierig, die teils weiten Wege zu den Schwimmhallen zeitlich und personell effektiv einzutakten, wenn es sich um einzelne Stunden handelt. Hier hätte die Stadt die Möglichkeit, unterstützend einzugreifen. Bei einem anderen Thema, so Kerstin Richter, ist dies längst der Fall: In den Schwimmhallen Magdeburgs herrscht Konkurrenz zwischen dem Schwimmen, dem Leistungssport und dem öffentlichen Schulschwimmen: „Bei der Vergabe von Zeiten hat das Schulschwimmen absolute Priorität“, so die Fachgebietsleiterin.

Mehr als 500 Badetote in Deutschland
Mangelnde Fähigkeiten beim Schwimmen sind übrigens nicht nur ein Problem in Magdeburg. So kamen im Jahr 2018 mehr als 500 Menschen deutschlandweit bei Badeunfällen ums Leben – und in vielen Fällen hätte es bei besseren Schwimmkenntnissen keinen solchen Ausgang gegeben. In diesem Jahr hatte es bis Ende Juli schon 250 Badetote gegeben.

Volksstimme Magdeburg

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