Schulessen billig, aber nicht immer gesund

Studie: Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse / Bessere Verpflegung wäre deutlich teurer

Eine aktuelle Studie kritisiert das Schulessen in Sachsen-Anhalt: Warmgehalten, statt frisch gekocht, zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse. Für eine ausgewogenere Verpflegung müssten die Preise deutlich steigen – das aber können oder wollen viele Eltern nicht zahlen. Von Alexander Walter

Magdeburg l Nirgendwo in Deutschland können Schulkinder so günstig Mittag essen wie in Sachsen-Anhalt. Mit 2,52 Euro (Kita 2,22 Euro) für eine Mahlzeit sind die Kosten seit 2008 (1,86 Euro) zwar um 35 Prozent gestiegen. Sie liegen aber immer noch zehn Prozent unter dem Bundesschnitt und weit unterhalb dessen, was Wissenschaftler für eine ausgewogene Ernährung als notwendig erachten (3,14 bis 4,25 Euro an Schulen). Das geht aus einer Befragung der Landesvereinigung für Gesundheit (LVG) von 351 Schulen und 444 Kitas hervor, deren Ergebnisse am Montag im Sozialministerium vorgestellt wurden.

Die niedrigen Preise gehen einher mit Zugeständnissen an die Qualität. So wird in nur 6,3 Prozent der Schulen (bundesweit 20 Prozent) und 2,5 Prozent der Kitas das Essen frisch vor Ort gekocht. Fast 90 Prozent der Einrichtungen lassen Mahlzeiten vom Caterer anliefern und warm halten. „Gemüse wie Brokkoli wird so oft matschig, Vitamine gehen schneller verloren“, sagte LVG-Projektleiterin Melanie Kahl. Noch zu oft landet zudem Fleisch auf den Tellern. Bei Vollkornprodukten, Rohkost, Obst, Seefisch und Gemüse dagegen gibt es teils erheblichen Steigerungsbedarf.

„Bei den Qualitätsstandards bewegen wir uns nach oben, sind aber durch die Preise eingeschränkt“, sagte Martina Kolbe, Geschäftsführerin der LVG. „Manche Eltern können höhere Preise nicht bezahlen, manche setzen die Prioritäten aber auch anders“, ergänzte Melanie Kahl. Mitunter werde beim Schulessen gespart, für den Burger oder ein teures Handy reiche es aber.

Bei gesunden Produkten gebe es außerdem Akzeptanz-Probleme. Vollkornnudeln etwa würden wegen ihrer Farbe und rauen Konsistenz bisweilen für alt gehalten und von den Kindern abgelehnt, sagte Kahl. Engere Absprachen zwischen Caterern, Eltern und Einrichtungen könnten Missverständnisse verhindern. Als problematisch erachtet die LVG zudem zu kurze Pausen. In zwei Dritteln der Schulen hätten Schüler maximal eine halbe Stunde fürs Mittagessen, empfohlen wird eine Stunde. Die AfD bekräftigte angesichts der Ergebnisse ihre Forderung nach kostenlosem Essen in Kitas und Schulen.

Trotz der Defizite nimmt der Anteil der Schüler, die in der Schule essen, wieder zu. In der Grundschule stieg er zwischen 2008 und 2016 von 64 auf fast 69 Prozent.

Volksstimme Magdeburg 16.01.2017

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