Streit um Gratistickets für Schüler

Schulausschuss diskutiert Vorschlag zur freien Fahrt in Bus und Bahn für Kinder und Jugendliche

Der Schulausschuss unterstützt mehrheitlich den SPD-Antrag, dass Magdeburger Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, die noch kein eigenes Einkommen haben, kostenlos mit Bus und Bahn fahren sollen. Gegenwind gab es u. a. vom Stadtelternrat und vom Stadtschülerrat.Von Martin Rieß

Bereits im Stadtrat hatte das Thema kostenloser Tickets für Kinder und Jugendliche eine Rolle gespielt. Die Sozialdemokraten wollen, dass Magdeburger unter 18 Jahren, die noch kein eigenes Einkommen haben, grundsätzlich nichts mehr für die Fahrten in Bus und Bahn bezahlen müssen. Diesem Vorschlag hat auf seiner Mai-Sitzung jetzt auch der Schulausschuss mehrheitlich zugestimmt, bevor der Stadtrat das letzte Wort hat. Vorangegangen war jedoch eine intensive Diskussion, bei der sich neben den Christdemokraten auch Stadtelternrat und Stadtschülerrat gegen das Vorhaben positionierten.

SPD-Stadtrat Christian Hausmann warb bei der Einbringung des Antrags darum, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine solche Neuerung sei. „Die Stadt Rostock ist mit Magdeburg sehr gut vergleichbar. Und dort wurde erst vor kurzem ein kostenloser Schülerverkehr zum Jahr 2020 beschlossen.“ Es gehe um eine Gleichbehandlung aller Schüler. So könnten die Angebote nach der Schule intensiver genutzt werden. Außerdem hoffen die Initiatoren darauf, dass die Zahl der „Elterntaxis“ mit einem entsprechenden Angebot zurückgehen würde.

Neben den Vertretern der Linken wurde das Vorhaben auch von Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl unterstützt. Ebenfalls im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes könnten dann alle Schüler problemlos zu Aktivitäten an Sonnabenden einbezogen werden. „Mit Blick auf die Klimakatastrophe sollten wir den Kindern und Jugendlichen auch zeigen, dass der öffentliche Personennahverkehr eine gute Alternative zum Auto ist“, so die Einschätzung des Grünen-Stadtrats.

Auf der anderen Seite die Kosten. CDU-Stadtrat Gunter Schindehütte beispielsweise lehnte den Antrag ab, da sich Magdeburger Extrawünsche kaum mit den Regelungen des Tarifverbunds Marego vereinbaren ließen.

Stadtelternratsvorsitzender Tim Liebe sieht ebenfalls die Kosten kritisch: „Die Mittel sollten lieber in eine ordentliche Sanierung der Schulen und Ausstattung investiert werden. Das Geld sei da besser angelegt.“

Ähnlich sieht es Dustin Müller vom Stadtschülerrat. Nicht allein, dass kurze Strecken von Schülern ohnehin meist mit dem Fahrrad zurückgelegt würden: „Kostenfreier öffentlicher Personennahverkehr ist grundsätzlich ein lobenswertes Anliegen, allerdings muss die Finanzierung gesichert sein und es darf nicht der Verdacht des Wahlgeschenkes aufkommen“, so der Vorwurf des Schülersprechers, der sich auch in der Jungen Union engagiert.

Debattiert werden kostenlose Angebote für den öffentlichen Personennahverkehr auch in anderen Regionen. Neben Rostock möchte so Berlin kostenlose Schülertickets einführen. Auf europäischer Ebene gilt Tallin als ein Erfolgsmodell. Und in Luxemburg ist es sogar Ziel der Regierung, Fahrscheine komplett abzuschaffen. Auf der anderen Seite hatte es auch Städte gegeben, in denen Kostenlos-Angebote aufgrund explodierender Kosten wieder eingestellt wurden. In Belgien hatte sich Hasselt an einer solchen Idee versucht, in Brandenburg Templin.

Volksstimme Magdeburg

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