Traumberuf Altenpflegerin

Mit Applaus und Blumen ist Lisa Hilbenz gestern Vormittag in den Berufsbildenden Schulen „Dr. Otto Schlein“ begrüßt worden: Die Auszubildende zur Altenpflegerin ist die Zweitbeste ihres Fachs in Deutschland. Am Freitag nahm sie am Bundeswettbewerb teil, hatte sich zuvor schon zur besten Auszubildenden Sachsen-Anhalts qualifiziert. Belohnt wird sie mit einer Reise nach London, die sie sich redlich verdient hat.

Ein Beruf, der besser ist als sein Ruf
„Ich bin eine gute Schülerin und sehr ehrgeizig“, erzählt die 29-Jährige. Als sie von dem Wettbewerb erfahren hat, „habe ich gedacht, ich zeige mal, was ich kann“. Dass sie es bis auf Bundesebene schaffen würde, hätte sie nicht erwartet. Umso größer war die Freude, dass sie mit einem zweiten Platz nach Magdeburg zurückkehrte. Für die beiden Wettbewerbstage sei neben den Prüfungen in Theorie und Praxis einiges geboten worden. Allein dabei gewesen zu sein, sei schon ein Gewinn gewesen. Der Träger des Bundeswettbewerbs „Bester Schüler in der Altenpflege“ ist der „Deutsche Verein zur Förderung pflegerischer Qualität“.

Vor ihren Mitschülern warb sie gestern noch einmal für den Beruf, der durch schwierige Arbeitsbedingungen oft mit einem schlechten Image behaftet ist. „Aber wir sind jetzt in der Position, dass wir wählen können“, sagte sie. Wenn es jemandem in seiner Einrichtung nicht gefiele, solle er den Mut haben, sich anderswo zu bewerben.

Lisa Hilbenz hatte ursprünglich den Beruf der Hotelfachfrau erlernt und auch in diesem Beruf gearbeitet. Doch diesen habe sie als sehr unbefriedigend empfunden und sich deshalb vor drei Jahren entschieden, noch einmal etwas Neues anzufangen. „Mir ist es lieber, noch einmal auf Geld zu verzichten und dafür am Ende aber einen Beruf zu haben, bei dem ich mich nicht jeden Tag zur Arbeit quälen muss“, sagt sie über die neuerliche Lehrzeit. Die Dresdnerin absolvierte ein Praktikum bei den Pfeifferschen Stiftungen, um herauszufinden, ob ihr dieser Beruf wirklich Spaß machen würde. Die Arbeit mit den Menschen, den älteren Leuten etwas zurückgeben zu können, wo sie so viel für unsere Gesellschaft aufgebaut haben, aber auch die pflegerischen Aufgaben würden ihr Freude bereiten, war sie sich sicher. Und als die Frage kam, ob sie nicht die Ausbildung machen wolle, lautete die Antwort Ja. Daraufhin zog die 29-Jährige nach Magdeburg und absolviert seither ihre Ausbildung in den Berufsbildenden Schulen in Westerhüsen, schwärmt von einem tollen Arbeitgeber, der sie auch übernehmen wolle, und einem tollen Arbeitsumfeld.

Als strebsame, ehrgeizige Persönlichkeit kann sie sich vorstellen, in Zukunft noch ein Studium in ihrem Fach anzuhängen, um irgendwann vielleicht auch in den Managementbereich einer Pflegeeinrichtung zu wechseln. Vorerst möchte sie jedoch erst einmal in die direkte Pflege einsteigen.

Aushängeschild für die Schlein-Schulen
Ein Dankeschön sagte sie gestern allen, die zu ihrem Erfolg beigetragen haben. Dazu gehörten nicht nur ihr Lehrbetrieb, sondern auch die Lehrer der Berufsbildenden Schulen und der Förderverein der Bildungseinrichtung. „Ohne deren Hilfe wäre es nicht möglich gewesen“, sagt sie. Für Schulleiterin Heidrun Russek, die der Schülerin mit Blumen gratulierte, ist die junge Frau ein Aushängeschild für die Schule. „Wir sind alle sehr stolz auf das, was sie erreicht hat“, sagte sie. Die Lehrer, die das Wissen vermitteln, seien wichtig. Aber die Schüler müssten es auch annehmen. Für die Schüler sei die Wahl-Magdeburgerin eine Motivation – „sie hat gezeigt, wozu man es mit Fleiß und Engagement bringen kann“, sagt Russek. Nicht zuletzt habe sie die Berufsschule mit ihrem Erfolg bundesweit bekannter gemacht und sei die „perfekte Werbefigur für nichtärztliche Heilberufe“.

Ihre Freizeit verbringt Lisa Hilbenz mit Sport und mit ihrem Freund. „Er ist auch in der Altenpflege tätig, und mit ihm habe ich auch viel über den Beruf gesprochen“, erzählt sie. Sie würde sich freuen, wenn sie weitere Menschen motivieren könnte, diesen Beruf zu ergreifen, der natürlich auch schwer sei. „Aber das gehört eben dazu.“

Volksstimme Magdeburg 12.06.2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.