Tullner will Lehrer mit „Buschzulage“ in die Provinz locken

Am Gymnasium Gardelegen fehlten zuletzt Lehrer für Musik, Kunst und Religion. Bei den Sprachen war die Situation gar so angespannt, dass die Wahlmöglichkeit bei der zweiten Fremdsprache auf der Kippe stand. Die Situation hat sich inzwischen entspannt, sagte Schulleiter Dietmar Collatz gestern. In naher Zukunft aber würden erneut Lehrer altersbedingt ausscheiden.

Die Stadt in der Altmark steht mit solchen Problem nicht allein. Sachsen-Anhalt gelingt es immer schlechter, junge Pädagogen für Stellen auf dem Land zu begeistern. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) will das nun ändern. Er könne sich Zulagen für Lehrer vorstellen, die ihren Job etwa in der Altmark oder dem Wittenberger Raum antreten, sagte Tullner der Deutschen Presse-Agentur. Haushaltsmittel dafür könnten bereits 2019 eingestellt werden.

In Zusammenarbeit mit Gardelegen will der Minister zudem ausloten, wie sich Pakete schnüren lassen, um Lehrer gezielt in ländliche Regionen zu locken. Für denkbar hält Tullner ein Bündel an Maßnahmen, darunter die Vermittlung von Bauland, Kita-Plätzen oder Jobs für den Partner – je nach Möglichkeiten der Kommunen. Ein erstes Gespräch mit den Gardelegern fand im Dezember statt.

Klingt gut. Doch wie erfolgversprechend sind die Pläne? Tullner selbst räumte ein, Zulagen für Landlehrer sind rechtlich nicht unproblematisch. Geprüft werden müsste etwa ein möglicher Verstoß gegen den Gleichstellungsgrundsatz im Beamtenrecht. Das Land Brandenburg hat derweil bereits Erfahrungen mit einer – allerdings befristeten – „Buschzulage“ gemacht. Seit drei Jahren wird die Prämie über 300 Euro monatlich ab dem vierten Anlauf für eine Stellenausschreibung angeboten, wenn sich Lehrer bereiterklären auf dem Land zu arbeiten, sagte Ministeriumssprecherin Antje Grabley. Der Erfolg ist überschaubar. Bislang wurde die Zulage kein einziges Mal genutzt. „Das ist alles gut gedacht, funktioniert aber nicht“, so Grabley. Auch der Erfolg von Paketen für Landlehrer steht in den Sternen. Die Stadt Osterburg hat im Mai ein ganz ähnliches Programm für Ärzte aufgelegt. Sie gewährt Fördermittel für Praxissanierungen oder ist bei der Suche nach Grundstücken behilflich, sagt Bürgermeister Nico Schulz (CDU). Angebissen hat bislang kein Mediziner.

Mehr Erfolg hatte die Stadt mit einem Landarzt-Stipendium. Eine junge Frau erhält für die Dauer ihres Studiums 700 Euro monatlich von Stadt und Kassenärztlicher Vereinigung. Im Gegenzug hat sie sich verpflichtet, eine Praxis in der Stadt zu eröffnen. Das Pendant, ein Landlehrer-Stipendium, gibt es in Sachsen bereits. 300 Euro erhalten Anwärter während des Studiums. Anschließend werden sie mit einer höheren Erfahrungsstufe eingestellt, ein Unterschied von bis zu 700 Euro brutto. „Das Interesse ist regelmäßig höher als die Zahl der Plätze“, sagte ein Sprecher. Solche Instrumente sind durchaus sinnvoll, sagt Thomas Lippmann, Fraktionschef der Linken in Sachsen-Anhalt. Tullner gehe aber den dritten Schritt vor dem ersten. Er müsse zunächst deutlich mehr Stellen ausschreiben.

Volksstimme Magdeburg 09.01.2018

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