Was in Sachsen-Anhalts Schulen gut läuft – und was nicht

Bildungsmonitor 2019 – Land erneut nur auf Rang 12 von 16 / Schwächen bei Integration und Personal, Stärken bei Lesekompetenz und Ganztag

Hohe Kompetenzen beim Lesen, dafür kaum Ausländer mit Abitur – Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) stellen Sachsen-Anhalts Bildungssystem ein eher schlechtes Zeugnis aus. Das geht aus dem gestern veröffentlichten „Bildungsmonitor 2019“ der arbeitgebernahen „Initiative Soziale Marktwirtschaft“ hervor.

Im bundesweiten Punkte-Ranking der leistungsfähigsten Bildungssysteme landet das Land auf Platz 12 von 16. Das beste System hat Sachsen, mit deutlichem Abstand vor Bayern. Seit 2013 hat sich Sachsen-Anhalt zudem stark verschlechtert, noch stärker zeigte die Tendenz nur in Thüringen nach unten. In ihrer Studie untersuchten die Experten zwölf Bildungsbereiche anhand von 93 Indikatoren. Die Ergebnisse sind nur auf den ersten Blick eindeutig. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich, dass jedes Bundesland Stärken und Schwächen hat. Probleme bescheinigen die Forscher Sachsen-Anhalt vor allem auf diesen Feldern:

● Integration/Schulabbruch

Nur 1,8 Prozent der ausländischen Jugendlichen erreichten 2017 das Abitur, bundesweit ist das der schlechteste Wert (Durchschnitt: 9,2 Prozent). Im selben Jahr schafften 40 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund nicht einmal den Hauptschulabschluss. Auch der Anteil der Schulabbrecher insgesamt fiel mit 10 Prozent im Bundesvergleich am schlechtesten aus (Durchschnitt: 6,3 Prozent). Das Land verwies zuletzt darauf, dass viele Abbrecher ihren Abschluss im berufsvorbereitenden Jahr nachholen – 2017 allein 560. Bei der Erfolgsquote schneidet das Land laut Studie aber auch hier vergleichsweise schlecht ab.

● Personal

Die Altersstruktur der Lehrer ist unausgewogen. Fast 70 Prozent sind 50 Jahre alt oder älter. Ihnen steht durch Großeinstellungen eine zunehmende Zahl junger Lehrer gegenüber. Die mittleren Jahrgänge sind unterrepräsentiert. Das hat Folgen: So steigt etwa das Ausfallrisiko durch Langzeiterkrankte (Ältere) und Lehrer in Elternzeit (Jüngere).

● Berufsbildung

Mit 85,9 Prozent erreichten nur unterdurchschnittlich viele Lehrlinge den Ausbildungsabschluss. Der Bundesschnitt liegt bei 90,3 Prozent. Auch bei den beruflichen Fortbildungen ist das Land hinten dran: Nur 3,3 von 1000 25- bis 40-Jährigen absolvierten 2017 eine Prüfung. Im Bundesschnitt waren es 6,7. Nachholbedarf sieht die Studie auch bei der Digitalisierung. Das Land müsse mehr in die IT-Ausbildung investieren, so die Autoren. Sachsen-Anhalt hat aber auch Stärken – etwa bei der Schulqualität. Schüler haben hohe Kompetenzen im Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Lob erhält das Land auch für den Ausbau der Ganztagsschulen: 63,9 Prozent der Grundschüler nutzten 2017 Ganztagsangebote. Im Bundesschnitt waren es nur 41,6 Prozent.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte: „Der Bildungsmonitor verweist auf die Stärken, die wir kennen und zeigt die Defizite auf, an denen wir arbeiten.“ An den Themen Digitalisierung, Altersstrukur der Lehrer und der beruflichen Bildung werde gearbeitet. Die Zahl der ausländischen Schüler mit einem Abitur habe sich verbessert. Die Daten des Monitors basierten auf dem Jahr 2017. Schon 2018 hätten acht Prozent der Zuwanderer die Hochschulreife erworben.

Volksstimme Magdeburg

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