Wenn Herbst und Winter sich streiten

Die Schriftsteller Cornelia Marks und Danilo Pockrandt, beide aus Halle (Saale), halfen den Kindern, ihre Fantasien und Gedanken in Worte zu fassen. So entstanden Gespräche zwischen den einzelnen Jahreszeiten, die sich stritten, wer besser sei: der Herbst mit seinen bunten Blättern oder der Winter mit seiner weißen Schneepracht oder gar der Sommer mit seiner Hitze? Es ging um Tiere, die Verrücktes erleben, Einhörner oder eine spannende Reise nach Kenia oder auch in den Harz. Ein Schüler stellte sein Gedicht sogar zweisprachig – einmal in seiner Muttersprache Russisch und einmal auf Deutsch – vor.

So hörte das Publikum dann neben Reiseberichten versteckte Wünsche, wie den nach einem Pferd, oder Gedanken über den Mond, der in einem Gedicht wie unzählige Lichter leuchtet.

„Es ist auch sehr beeindruckend zu sehen, wie sich manche von den Kindern entwickelt haben. Ein paar waren letztes Jahr schon dabei und haben damals mühsam eine kleine Geschichte geschrieben. Dieses Jahr haben sie uns stattdessen mit kleinen Texten und Gedichten und Bildchen dazu geradzu überhäuft“, schwärmt Pockrandt.

Als die Kinder der Klassen 2 bis 4 am gestrigen Vormittag ihre Ergebnisse vorstellten, waren zu den Lehrern und Autoren auch ein paar Eltern anwesend, teils sogar mit Großmutter oder kleinem Geschwisterchen. Sichtlich aufgeregt saßen die Schüler dann nacheinander in kleinen Gruppen vorne und mussten sich präsentieren, manche davon zum ersten Mal vor fremdem Publikum. Allen gemein war aber, dass sich die Zuhörer stets über die lustigen Geschichten amüsierten und über manche skurrilen Begegnungen wunderten. Jedes Kind hat sich seinen eigenen Applaus aber immer verdient, denn der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Schreiben soll Schüler zusammenbringen
Marks und Pockrandt stellten während der Projektzeit selbst fest: „Der Wunsch, Projekte in Gruppen anzufertigen und gemeinsam vorzustellen, war oft da. Die Kinder haben selbst nach dem Miteinander gefragt. Das ist an dieser Schule ganz erstaunlich.“

Der Friedrich-Bödecker-Kreis sieht in dem Projekt auch eine Chance, in Zusammenarbeit mit den Schulen die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund und eine wachsende Toleranz zu fördern. Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig, jedoch schlagen die Lehrer einzelnen Schülern das Projekt als Förderung ihrer Talente vor. Die Schüler selbst sind begeistert. Nach der Abschlussrunde gab es Umarmungen für die Schriftsteller, die Kinder fragten nach Telefonnummern, damit sie anrufen können, „wenn ich wieder etwas schreiben will und Hilfe brauche“.

Am Ende hat jedes Kind ein eigenes Buch bekommen, in dem alle Texte gesammelt wurden. Der Titel des Buches lautet „Träume ganz in Himmelblau“ in Anlehnung an ein Gedicht von Mascha Kaléko. Die Bücher haben die Kinder ebenfalls eigenhändig gebunden und Pockrandt, auch Künstler, illustrierte den Einband.

Magdeburger Volksstimme 09.03.2018

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