Ab sofort Maskenpflicht in Schulen

Neue Hygiene-Regeln / Lehrer fordern mehr Schutz für Risikogruppen
Wegen steigender Corona-Zahlen gelten für Sachsen-Anhalts Schulen ab sofort strengere Hygiene-Auflagen. Schulen sollen schneller zu Wechselmodellen aus Heim- und Präsenzunterricht übergehen. Lehrern geht das nicht weit genug.

Lehrer kritisieren die vom Bildungsministerium veranlasste Verschärfung der Hygiene-Regeln für die rund 900 Schulen im Land: „Die Regelungen gehen nicht weit genug“, sagte etwa Heike Herrmann, Leiterin der 340 Schüler zählenden Lessing-Ganztagsschule Salzwedel, gestern auf Anfrage.

Hauptkritikpunkt: Neue Vorgaben dazu, ab wann Schulen in den eingeschränkten Betrieb wechseln müssen. Ab sofort passiert das, sobald ein Viertel der Schüler oder Lehrer unter Quarantäne steht. Im eingeschränkten Betrieb ist Unterricht nur noch bei einem Mindestabstand von 1,5 Metern erlaubt. Als Folge müssen Klassen oft geteilt werden. Der Unterricht findet im Wechsel in Präsenz und zu Hause statt. Bislang galt eingeschränkter Betrieb nur für Schulen, in denen es einen Corona-Fall gab oder wo Corona-Neuerkrankungen in der Region einen kritischen Wert erreichten.

Schulleiterin Herrmann forderte einen rascheren Wechsel zum Hybrid-Modell: „Nötig wäre eine Grenze bei einem Inzidenzwert von 50 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, sagte sie. Landesweit wurde der Wert gestern in 9 von 14 Kreisen überschritten. „Wir haben jeden Tag Kontakt zu 340 Haushalten, ich weiß nicht, warum man uns diesem Risiko aussetzt“, sagte Herrmann. Das gehe auch zu Lasten der Schüler. Die Gewerkschaft GEW sieht das ähnlich: „Wir hätten uns eine klare Inzidenzwert-Grenze gewünscht“, sagte Landeschefin Eva Gerth. Neben dem richtigen Ziel, die Schulen offen zu halten, gehe es darum, ältere Kollegen zu schützen.

Das Ministerium verteidigte das Vorgehen: Bisher sein kein gesteigertes Infektionsgeschehen an den Schulen selbst erkennbar, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU). „Der Inzidenzwert ist als Kriterium nur bedingt geeignet“, ergänzte ein Sprecher. Regionale Fallzahl-Anstiege hätten mit Schulen oft nichts zu tun, bekannt etwa vom Fall des Schlachthofes Tönnies. „Dennoch müssen wir feststellen, dass immer häufiger Schulen von Quarantäneverfügungen betroffen sind.“ Laut Ministerium standen gestern 2795 Schüler an 120 Schulen unter Quarantäne, eine Woche zuvor waren es noch 900 Schüler an 63 Schulen.

Zur Quarantäne-Grenze treten weitere Verschärfungen:

Maskenpflicht: Sie gilt nun in allen Schulgebäuden außerhalb des Unterrichts dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Im Unterricht ist sie weiter nicht vorgesehen.

Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts, wie Feste, Aufführungen oder Konzerte, finden nicht mehr als Präsenzveranstaltungen statt.

Das Papier wurde vom Lehrerhauptpersonalrat mitgetragen. Zustimmung erhielt Tullner vom grünen Koalitionspartner. Mit dem Vorwurf mangelnder Vorbereitung des Schuljahres hatten die Grünen Tullner zuletzt scharf kritisiert: „Die Maßnahmen sind eine richtige Reaktion“, sagte Bildungspolitiker Wolfgang Aldag nun. Viel zu wenig sei aber mit Blick auf den Ausbau des Digitalunterrichts geschehen.

Volksstimme Magdeburg

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