Abschlussklassen zuerst öffnen

Alle warten auf Lockerungen der Corona-Regelungen und eine langsame Rückkehr zur Normalität. Ein besonderer Fokus liegt auf den Schulen.

Noch ist völlig offen, wann und wie Schulen, Horte und Kitas wieder öffnen, doch Vorschläge und Forderungen gibt es viele. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner ist dafür, bei einer Lockerung der Corona-Regeln zuerst die Abschlussjahrgänge wieder in den Schulen zu unterrichten. Nur so könne es in ungewöhnlichen Zeiten ein normales Abitur geben, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. An den Abschlussprüfungen will er in Übereinstimmung mit seinen Amtskollegen festhalten.

Eine Öffnung der Einrichtungen für alle Kinder und Jugendlichen hält er für unwahrscheinlich. Ihm fehle die Fantasie bei der Frage, wie mit Kleinkindern im Kindergarten die Abstandsregeln von 1,5 Metern eingehalten werden sollten. Schulen und Kitas im Land sind seit 16. März geschlossen. Die derzeitige Regelung läuft am 19. April aus.

Ob direkt im Anschluss der Schulbetrieb in Sachsen-Anhalt zumindest teilweise wieder hochgefahren wird, ließ Tullner offen. Das werde erst nach den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Mittwoch klar sein. „Diese Situation hat ein bisschen was von einem Champions-League-Finale, auf das alle hinfiebern“, sagte Tullner. Sein Ministerium sei vorbereitet und arbeite seit längerem an Szenarien, um den Schulbetrieb hochzufahren.

Wie diese Konzepte konkret aussehen, ließ er offen. Bundesweit werden derzeit verschiedene Ideen diskutiert, um beispielsweise Mindestabstände zu garantieren. So könnten entweder zunächst nur die älteren Jahrgänge unterrichtet werden. Auch ein Aufteilen der Klassen in zwei Gruppen, die nacheinander vormittags und nachmittags beschult werden, ist in der Diskussion.

In jedem Fall könnten die Schulen in Sachsen-Anhalt auch sehr kurzfristig auf die Entscheidung der Ministerpräsidenten am nächsten Mittwoch reagieren. „Wir sind in engem Austausch mit den Schulleitungen“, sagte er. Die Lehrkräfte seien weiterhin im Dienst und unterrichteten von Zuhause. Fraglich sei allerdings, wie viele Kolleginnen und Kollegen aus Risikogruppen direkt nach dem Wiederhochfahren des Schulbetriebs zur Verfügung stünden.

Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, bevorzugt eine gestaffelte Rückkehr der Schüler in die Klassenzimmer – beginnend mit den Abschlussklassen für Abitur, Mittlere Reife und Hauptschulabschluss. Die sachsen-anhaltische Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Eva Gerth, regte hingegen an, über Alternativen zu einem regulären Ende des Schuljahres nachzudenken.

Schon jetzt könnten sich die Schülerinnen und Schüler nicht unter den gleichen Voraussetzungen auf die Abschlussprüfungen vorbereiten, da sie unterschiedliche Bedingungen zum Lernen Zuhause hätten. Die Schere zwischen Jugendlichen mit guter digitaler Ausstattung und viel familiärer Unterstützung beim Lernen und jenen mit schlechter Ausstattung sowie wenig häuslicher Hilfe gehe weit auseinander, teilte die Gewerkschaft kürzlich mit. „Für den Fall weiterer und länger währender Kontaktsperren regt die GEW an, die bisher erbrachten Leistungen anzuerkennen und auf dieser Grundlage Zeugnisse und Abschlüsse zu erteilen.“

Davon hält Bildungsminister Tullner überhaupt nichts. Wenn die Krise vorbei sei, werde auf diese Zeit und die zugehörigen Abschlussjahrgänge zurückgeblickt. „Und dann sollte es möglichst nicht heißen: Das war der Corona-Jahrgang“, gab Tullner zu bedenken. „Wir sollten dem jetzigen Jahrgang die Chancen nicht leichtfertig verbauen, wenn es darum geht, sich mit anderen Jahrgängen um Studienplätze oder Stipendien zu bewerben.“

Tullner verteidigte dabei sowohl die Möglichkeit, dass Lehrkräfte auch in der derzeitigen Homeschooling-Phase weiterhin Noten vergeben können als auch das Festhalten der Kultusminister aller Länder an den Abschlussprüfungen für Realschule und Abitur. Der Unterricht mit digitalen Lernangeboten laufe nach technischen Startschwierigkeiten besser als er gedacht habe. Zudem merkt er an: „Wir reden nicht über einen Zeitraum von einem Vierteljahr oder länger. Ein Schuljahr hat in der Regel 40 Wochen, davon haben wir nach jetzigem Stand vier Wochen, an denen kein regulärer Unterricht stattfindet.“

Volksstimme Magdeburg

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