Ansturm auf die Gymnasien

Bevorstehender Wechselrekord nach der vierten Klasse bringt Gemeinschaftsschulen in Gefahr

Der Anteil der Kinder, die nach der Grundschule in Magdeburg nach der vierten Klasse ins Gymnasium wechseln, steigt. Das könnte zu einer Herausforderung für die Stadt werden. Und zwar in doppelter Hinsicht.

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Kinder gestiegen, die an Gymnasien wechseln. Das bekommen auch die sechs kommunalen Gymnasien Magdeburgs – das Edithagymnasium, das Einsteingymnasium, das Geschwister-Scholl-Gymnasium, das Hegelgymnasium, das Siemensgymnasium und das Sportgymnasium – zu spüren. Wie Jessica Althaus vom Fachbereich Schule und Sport der Stadtverwaltung jetzt berichtete, lag derAnteil derer, die in den vergangenen zehn Jahren an eine dieser Schulen wechseln wollten, bei 26,6 Prozent. Im vergangenen jahr war der Anteil auf 28,5 Prozent gestiegen. Für dieses Jahr geht die Verwaltung von 32,4 Prozent aus.

Das mag auf der einen Seite die Freude darüber mehren, Der Anteil der Kinder, die nach der Grundschule in Magdeburg nach der vierten Klasse ins Gymnasium wechseln, steigt. Das könnte zu einer Herausforderung für die Stadt werden. Und zwarin doppelter Hinsicht. wie attraktiv diese Schulen sind. Auf der anderen Seite weist Jessica Althaus auch auf ein Problem hin, was der Stadt damit blühen könnte: Da jedes Gymnasium über zwei Klassenstufen mehr verfügt als eine Gemeinschafts- oder Sekundarschule, werden mehr Unterrichtsräume, aber auch die entsprechenden Flächen in Nebenräumen, Sanitärbereichen und auf den Schulhöfen benötigt. Angesichts der ohnehin insgesamt fehlenden Kapazitäten in der Landeshauptstadt sagte sie: „Wenn dieser Trend anhält, müssen wir unsere gesamte Schulentwicklungsplanung überdenken.“

Zu wenig Bewerber für Gemeinschaftsschulen Auf der anderen Seite machte sie auf ein anders Problem mit dem Trend zum Gymnasium und zur Integrierten Gesamtschule aufmerksam. Zwar sind die vorliegenden Zahlen zum Übergang an die weiterführenden Schulen nur ein Zwischenstand. Und wirklich abgerechnet wird erst, wenn es zur Pause klingelt – sprich: Wenn spätestens in den Sommerferien feststeht, welche Kinder an welche Schulen wechseln. Doch mit Stand zum Anfang des Monats gab esfür vier Magdeburger Gemeinschaftsschulen weniger als 50 Anmeldungen. Und dies ist jene Grenze, die die Landespolitik als Mindestmaß für die Genehmigungsfähigkeit dieser weiterführenden Schulen gesetzt hat. Im Einzelnen hatten bis Monatsbeginn 37 Familien angegeben, dass ihre Kinder auf die Leibnizschule wechseln möchten, bei der Heineschule waren es 33, bei der Müntzerschule 23 und bei der Goetheschule 17.

Weitergedacht könnte es damit zu der paradoxen Situation kommen, dass Schulen geschlossen werden oder in eine völlig neue Schulform umgewandelt werden müssen, während sich an Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen die Schüler drängeln. Die Schulentwicklung ist in Magdeburg seit Jahren ein Dauerbrenner. In der Nachwendezeit wurden aufgrund eines deutlichen Rückgangs der Geburtenzahlen zahlreiche Schulen geschlossen. Das führte auch dazu, dass von den Schließungen betroffene Stadtteile für Familien an Attraktivität verloren und dass die Kinder immer längere Schulwege zurücklegen mussten. Auf und Ab in der Schulentwicklung Mit einem damals nicht prognostizierten Zuzug von Menschen hat sich das Bild jetzt gewandelt. Erst wurden die Plätze in den Kindertagesstätten knapp, dann an den Grundschulen – jetzt also auch an den weiterführenden Schulen. Dementsprechend geht es vermehrt um den Neubau von Schulen und die Wiederbelebung stillgelegter Gebäude. Unter anderem stand auf der Sitzung des gestrigen Stadtrats eine Information zu einem möglichen Schulstandort in Uninähe und die Frage, wie es mit dem Standort Winterhafen weitergeht, zur Diskussion.

Volksstimme Magdeburg

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