Countdown in Sachen Ostschule

Am Donnerstag soll der Magdeburger Stadtrat über einen Standort für Grundschule entscheiden
Fünf Standortvorschläge und keine Einigung in Sicht. Das ist die Situation in Sachen einer neuen Grundschule für Ostelbien zwei Tage vor der Beratung im Stadtrat.

Im Falle der Grundschule Ottersleben hat der Magdeburger Stadtrat bereits bewiesen, wie man jahrelang über einen Grundschulstandort diskutieren kann. Droht das auch im Falle einer neuen Grundschule für Ost? Stadtelternratsvorsitzende Annette Kirstein jedenfalls hatte im Schulausschuss in der vergangenen Woche einen deutlichen Appell an die Stadträte gerichtet, schnellstmöglich eine Entscheidung zu treffen. Grund: Nach den aktuellen Prognosen fehlen in den kommenden Jahren Räume für ein bis zwei Grundschulklassen pro Schuljahrgang.

Diskutiert worden war das Thema zuletzt im Schulausschuss und im Bauausschuss. Im Schulausschuss ohne eine Abstimmung, im Bauausschuss ohne Beschluss, aber mit einem „Meinungsbild“. Grund: Nicht allein liegen inzwischen fünf Standortvorschläge zur Abstimmung auf dem Tisch. Vielmehr hatten sich Bauausschuss und Finanzausschuss bereits für den nach wie vor gültigen Vorschlag der Fraktion CDU/FDP ausgesprochen, eine Grundschule Am Brellin zu bauen. Und ein nochmaliges Abstimmen, nachdem ein Entscheid gefällt wurde, wäre durchaus fragwürdig.

Und doch waren die Voten seinerzeit nicht eindeutig: Denn der zuständige Fachausschuss – der für Bildung, Schule und Sport – hatte den Vorschlag Am Brellin eben nicht unterstützt.

Der Vorschlag zum Brellin ist inzwischen so alt, dass die CDU/FDP-Fraktion dessen Geburtstag feiern könnte. Das Argument der Befürworter: Wenn auch knapp, so reiche der Platz für eine Grundschule hier aus. Das Gelände ist mit der Straßenbahn zu erreichen, ein Sportplatz liegt in der Nähe, es könnte vergleichsweise schnell gebaut werden. Doch ob die seit langem von der Gartenpartei unterstützte Idee eine Mehrheit findet, ist offener denn je. Grund: Hinter drei der vier anderen aktuellen Standortvorschläge stehen ebenfalls starke Kräfte im Stadtrat. Allen Gegnern gemein sind zwei Punkte. Zum einen gibt es auch eine widersprüchliche Aussage aus der Verwaltung, dass der Platz doch nicht reicht. Zum anderen halten sie die Lage nicht für ideal.

Alte Variante neu im Rennen
Zunächst ist da die Idee, den Beschluss vom Vorjahr, zugunsten der dortigen Gartensparte nicht direkt am Heumarkt zu bauen, zu kippen. Dahinter stehen die Fraktionen SPD und Die Linke. Deren Argumente: Man solle dort eine Grundschule bauen, wo jetzt Eigenheime und neue Wohnungen entstünden. Und auch wenn es schmerzt: Manchmal müssten dann die Interessen abgewogen werden. Und dabei stehe das Wohl der Kinder im Sinne kurzer Schulwege vor dem von Kleingärtnern. Die Rede ist auch von möglichen Synergien mit der Thomas-Mann-Gemeinschaftsschule auf der anderen Straßenseite.

Für einen Standort am Winterhafen auf dem bisherigen Gelände des Bauhofs gibt es zwei Anträge. In einem fordert die AfD den Bau einer Grundschule auf dem Gelände des bisherigen Bauhofs am Winterhafen nahe dem Eingang zum Stadtpark. Abseits der AfD allerdings kann dieser Vorschlag nur wenig Freunde finden. Grund: Für eine Grundschule wäre die Lokalität ein wenig ab vom Schuss. Mit den Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen möchten, würde unnötig Verkehr auf die grüne Insel der Stadt gezogen. AfD-Stadtrat Christian Mertens jedenfalls wollte sich nicht unbedingt auf eine Grundschule festlegen und signalisierte damit Kompromissbereitschaft für eine weitere Idee.

Idee ohne neue Grundschule
Von den Stadträten Mirko Stage (Future), Jürgen Canehl (Bündnis 90/Die Grünen) und Burkhard Moll (Tierschutzpartei) eingebracht wurde ein weiterer Vorschlag zum bisherigen Bauhof. Sie wollen allerdings anstelle einer Grundschule hier einen neuen Standort für die Gemeinschaftsschule „Thomas Mann“ bauen lassen. An dessen bisherigem Standort an der Cracauer Straße könnte dann die Grundschule Am Elbdamm erweitert werden. Auch wenn der Umbau des bisherigen Schulstandorts eine Herausforderung sei – dies sei die beste Variante. Die Initiatoren hoffen nämlich mit ihrer Idee, die nächste Schulnot in Magdeburg – die der in wenigen Jahren fehlenden 300 Plätze pro Jahr an weiterführenden Schulen – hier gleich mitzulösen.

Für die Kritiker wiederum keine Lösung für den Osten. SPD-Rat Christian Hausmann verweist auch auf hohe Kosten im Vergleich zur Wiederbelebung ungenutzter Schulhäuser und dass die Verwaltung eh an einem Konzept für die weiterführenden Schulen arbeite. Und CDU-Rat Frank Schuster zweifelte an, dass auf dem Bauhofgelände ausreichend schnell gebaut werden könne. Auch Fragen des Hochwasserschutzes führen die Kritiker des Standorts hier ins Feld.

In den Ausschüssen keine Befürworter gab es für den Vorschlag vom Linke-Stadtrat Karsten Köpp, neben der Grundschule Am Brückfeld auf dem Gelände einer früheren Traglufthalle eine Grundschule zu bauen. Zu wenig Platz, eine schlechte Verkehrsanbindung und gemeinsam mit der bestehenden Grundschule eine Sechszügigkeit in enger Nachbarschaft wurden hier ins Feld geführt.

Volksstimme Magdeburg

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