Fünf Tipps bis zum erfolgreichen Schüler

Letzter Schultag! heißt es für Konrad Woitag in der kommenden Woche. Der Lehrer führte das Hegelgymmnasium seit der Gründung 1991. Rainer Schweingel führt mit ihm das Abschiedsinterview.

Volksstimme: Jahrzehntelang waren Sie als Schulleiter an Gymnasien. Was war Ihr schönster Moment?

Ja, 27 Jahre hier am Hegel waren wirklich eine lange Zeit und es gab viele schöne Momente. Besonders gern erinnere ich mich an den Einzug in unser neues Schulgebäude im Jahre 1996 – in die ehemalige Bismarck- und Viktoriaschule, nach deren Wiederaufbau und Rekonstruktion. Da war ich richtig stolz.

Und woran erinnern Sie sich nicht so gerne?

Wir hatten vor Jahren eine amokähnliche Situation, die sich im Nachhinein aber als Fehlalarm erwies. Durch die Evakuierung und den Einsatz des SEK war es eine sehr belastende Situation für alle. Darüber hinaus erinnere ich mich nur an viele schöne Dinge.

Als Schulleiter steckt man in vielen Rollen: Chef, Kollege, Vertrauter, Vermittler … In welcher Rolle haben Sie sich gesehen?

Ich hoffe, meine Kollegen haben von jedem etwas in mir gesehen. Eine Schule mit 1000 Schülern braucht wohl aber vor allem einen Chef. Ich habe mich aber immer bemüht, auf persönliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.

Lehrer vergeben Noten. Welche Note würden Sie sich selbst geben für die letzten 20 Jahre und warum?

Notengebung sollte immer eine objektive Entscheidung sein. Zumindest habe ich es bei meinen Schülern so gehalten. Deshalb kann ich Ihnen keine Antwort auf die Frage geben.

Das müssen andere beurteilen.

Schulleiter müssen einiges aushalten: Von oben kommen selten ausreichend Lehrer. Von unten drängeln Eltern und Schüler und fordern guten Unterricht ohne Ausfall. Wie sind Sie damit umgegangen?

Wir hatten 25 gute Jahre mit einer Unterrichtsversorgung jenseits der 100 Prozent, so dass uns das Problem nicht so stark tangierte. Zuletzt konnten wir aber Unterrichtsausfälle über lange Zeiträume nicht mehr vollständig kompensieren. Die Mehrarbeit der Lehrkräfte ließ sich auch nicht unendlich ausreizen, so dass wir teilweise Unterricht kürzen mussten.

Sie haben jahrzehntelang ein Gymnasium geleitet. Viele Eltern glauben, nur ein Gymnasium sei die richtige Schulform nach der Grundschule – egal welchen Leistungsstand das Kind hat. Was sagen Sie?

Eltern tragen hier eine große Verantwortung. Neben den Noten können sie selbst auch gut beurteilen, was ihr Kind zu leisten imstande ist. Hat es Freude am Lernen, ist selbstständig und kann sich konzentrieren? Kann es flüssig lesen, Textinformationen entnehmen, normgerecht schreiben und besitzt es Rechenfertigkeiten? Allerdings sind die Noten ein guter Gradmesser. Schüler mit weniger guten Zensuren schaffen es zumeist nicht bis zum Abitur.

Sie sind ein Mann der Praxis. Im Moment gibt es keine verpflichtenden Schullaufbahnempfehlungen für die Kinder für die Zeit nach der Grundschule. Sollte die Praxis wieder geändert werden und warum?

Ich habe in meiner Zeit beide Verfahren erlebt. Ob mit oder ohne Empfehlung, die Übertrittsquote auf das Gymnasium war ähnlich. Deshalb sollte man die Entscheidung doch bei den Eltern belassen. Wichtig ist aber eine sehr gute Beratung und der Hinweis auf die Konsequenzen. Sicher könnte man sagen, der Wechsel der Schulform ist möglich. Beachtenswert ist aber, dass die Anzahl überforderter und in der Folge psychisch kranker Schüler in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat.

Wenn Sie auf die letzten 30 Jahre blicken: Wie hat sich der Schüler in dieser Zeit verändert?

Es entsteht heute oft der Eindruck, dass zuerst die sozialen Medien und dann die Schule kommt. Ansonsten habe ich unsere Schüler immer aufgeschlossen, freundlich, respektvoll und im Regelfall leistungsbewusst kennengelernt.

Und wie die Lehrer?

Da möchte ich nur für meine Schule sprechen. Die Lehrer hatten schon immer große Herausforderungen zu meistern. Heute müssen sie aber noch flexibler und vor allem technik- affin sein.

Was macht ein pensionierter Lehrer/Schulleiter wie Sie nach dem letzten Schultag – etwa irgendwo Privatunterricht?

Unterricht erteilen werde ich bestimmt nicht mehr, auch keine Nachhilfe. Ansonsten Urlaub, soziales Engagement, 1200 Quadratmeter Garten, Hobbys wie Bonsai und Aquaristik sowie alle Spiele des SCM und 1. FCM sehen.

Letzte Frage mit ein wenig Augenzwinkern. Nennen Sie mal fünf Punkte, mit denen jeder Schüler erfolgreich sein würde – wenn er sie beachtet?

Als eingefleischter Fan empfehle ich Schülern nach den Regeln des Fußballs zu handeln. Sie sollten deshalb: immer trainingsfleißig sein, nicht zu oft ins Abseits laufen, auch an den Nebenmann denken, möglichst wenig zurückspielen und fair zu ihren Mitspielern sein.

Volksstimme Magdeburg

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