Heim-Unterricht: Schule mit Abstrichen

Wie eine Familie mit vier Kindern das Homeschooling meistert, berichtet Familie Vogt aus Buckau. Vor allem im ersten Lockdown, als Online-Angebote noch spärlich waren, setzte sie auf Prioritäten, um den Hausfrieden zu bewahren.
Wie eine Familie mit vier Kindern den Schulalltag im Heim-Unterricht meistert, erzählten Jana und Jörg Vogt mit ihren Kindern Godefred (v. l.), Hilleda, Wulfila und Selene.

Buckau l Familie Vogt aus Buckau hat sich in Sachen Homeschooling relativ schnell nach dem ersten Lockdown eine entspannte Haltung zum Homeschooling angewöhnt. Die Eltern haben vier Kinder. Zwei besuchen die Mechthild-Grundschule, zwei das Norbertusgymnasium. „In den ersten vier Wochen haben wir versucht, die Lernpläne akribisch abzuarbeiten“, erinnert sich Mutter Jana Vogt. Doch relativ schnell habe sich gezeigt, dass dadurch Konflikte im Familienleben entstehen. Und so entschied sich die Familie schließlich für Prioritäten. An beiden Schulen hat sich seit dem ersten Lockdown vieles geändert. Beide Schulen hätten nachgerüstet. Der Unterricht wird über Microsoft Teams organisiert, die Unterrichtstage der Kinder seien ein Wechsel aus selbstständigem Arbeiten und Videokonferenzen. Vor allem in jenen Fächern, in denen es Videoangebote gebe, laufe es inzwischen gut.

Auch die Familie hat investiert. Das zusätzliche Kindergeld, das die Bundesregierung Familien mit Kindern zukommen lassen hat, haben die Eltern verwendet, um alle Kinder mit einem Laptop und einer Kamera auszustatten. Denn bei vier Kindern reiche ein Computer bei weitem nicht aus. „Aber die beste Technik nützt nichts, wenn man sie nicht nutzt“, sagt Vater Jörg Vogt, der sich über Lehrer ärgert, die sich den technischen Möglichkeiten verschließen. Auch sie müssten sich emotional darauf einstellen, dass die Situation anders ist und vielleicht auch noch eine Weile so bleibt – und sich anpassen. Denn Schwierigkeiten bereiten vor allem jene Fächer, in denen die Kinder selbst einen Aufgabenplan erschließen und abarbeiten müssen und keine Videokonferenzen stattfinden, in denen neues Wissen vermittelt und Aufgaben besprochen werden.

Bei ihren Kindern beobachtet Jana Vogt inzwischen aber, dass sie freiwillig teils mehr lernen würden als in der Schule. Sohn Wulfila, der in die siebente Klasse geht, würde sogar gern für immer zu Hause lernen. Auch Tochter Selene, die die achte Klasse besucht, kann dem Homeschooling etwas abgewinnen. Im Unterricht sei sie eher zurückhaltend. Aufforderungen des Lehrers, vor der Klasse zu sprechen, fallen mit dem Homeschooling weg. „Und man spart sich den Schulweg – eine Stunde hin zur Schule und eine Stunde zurück“, erzählt sie. Viele Aufgaben erledigt sie gemeinsam im Telefonkontakt mit einer Freundin. Es sei gut, wenn Lehrer konkret erläutern, wenn sie Aufgaben an einem bestimmten Tag zurückhaben möchten, sagt sie. Doch eine Uhrzeit festzulegen, sei schwierig. „Oft stürzt die Technik ab, so dass man die Aufgaben nicht einstellen kann, oder wir hatten zur Abgabezeit eine Videokonferenz“, erzählt sie. Genaue Uhrzeiten seien daher manchmal schwierig einzuhalten.

Godefred, der in die erste Klasse geht, und Hilleda, die die dritte Klasse besucht, würden lieber wieder in die Schule gehen. Für sie ist der Kontakt zu den Klassenkameraden wichtig, das Spielen und Herumalbern mit anderen Kindern. „Aber zu Hause gibt es nicht so viel Ablenkung, da ist niemand laut“, sagt Hilleda.

Der Tag beginnt für die Kinder mit dem Wecken gegen 7.30 Uhr. „Wir versuchen, dass die Kinder bis zum Mittag alle Aufgaben erledigt haben“, sagen die Eltern. Gegen acht Uhr sitzen die Kinder an ihren Aufgaben. Und dank der Online-Unterrichtsangebote sei es viel einfacher, eine Tagesstruktur zu finden.

Die Eltern sagen, dass sie ihren Kindern vertrauen und inzwischen lediglich bei Fragen Hilfestellung geben. „Die Kinder lernen auch, dem Lehrer zu sagen, was sie nicht geschafft haben“, erzählt Jana Vogt. Vor allem im ersten Lockdown sei bei den Aufgaben abgewogen worden, was wirklich notwendig sei. Das Bild, das zu einer bestimmten Aufgabe gefordert war, sei da durchaus auch mal weggelassen worden – natürlich mit Rückkopplung an den Lehrer.

„Wichtig ist, dass man keine Angst hat“, sind sich die Eltern einig, die versuchen, ihren eigenen Tagesablauf so einzurichten, dass sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag jemand zu Hause ist. Jana Vogt ist Dyskalkulie-Therapeutin, ihre Patienten betreut sie am Nachmittag. Jörg Vogt arbeitet als Gemeindepädagoge und hat bei aller Kritik an Lehrern, die keinen Online-Unterricht anbieten, durchaus auch Verständnis. „Ich merke selbst, wie es ist, über Stunden in Videokonferenzen zu hängen“, sagt er. Pausen seien da auf jeden Fall notwendig. Und es brauche Personal und Technik, damit sich auch die Lehrer weiterbilden und mit der Technik vertraut machen können. Teilweise hätten sie selbst auch Familien und müssten gucken, dass ihre eigenen Kinder das Pensum schaffen.

Jörg Vogt würde sich wünschen, dass auch Sportlehrer bessere Angebote schaffen würden. Statt Aufgaben nur schriftlich zu erteilen, sollten sie auch über Video-Angebote nachdenken, bei denen Schüler aktiv mitmachen können.

Damit alle auch mal abschalten können, ist die Familie viel an der frischen Luft, sei es beim Fußballspielen oder bei einem Spaziergang an der Elbe. Das helfe allen, um sich von einem Homeschooling-Tag zu erholen und für den neuen zu rüsten.

Volksstimme Magdeburg

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