„Ich habe Angst, dass meine Freunde mich vergessen“

„Jetzt reden wir!“ Die Volksstimme lässt Schüler zur Debatte um den Distanzunterricht zu Wort kommen
Noch bis mindestens Mitte Februar sind die Schulen geschlossen. Längst ist eine hitzige Debatte darüber entbrannt, ob das Homeschooling nicht mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Doch was sagen diejenigen, die es betrifft? Unter dem Motto „Jetzt reden wir!“ lässt die Volksstimme Schüler zu Wort kommen.
Protokolliert von Maria Kurth

Connor Jelitto besucht das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Magdeburg und hat kein Probleme mit dem Homeschooling.Der 13-jährige Fynn Böttcher findet es richtig, dass die Schulen aufgrund der hohen Fallzahlen geschlossen sind.
Connor Jelitto besucht das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Magdeburg und hat kein Probleme mit dem Homeschooling.

Die Familie Heinrichs beim Homeschooling. „Diese Pandemie ist unglaublich kräftezehrend“, sagt Mama Heinrichs. Vermisst vor allem ihre Freundinnen sehr: die zehnjährige Stella-Cecilia Kursch.
Die Familie Heinrichs beim Homeschooling. „Diese Pandemie ist unglaublich kräftezehrend“, sagt Mama Heinrichs.
Ich würde so gerne wieder zur Schule gehen. Ich vermisse meine Freunde und Lehrer sehr. Aber ich kann verstehen, dass die Schulen geschlossen bleiben müssen. Auch ich möchte meine Großeltern nicht anstecken. Das Erledigen der täglichen Aufgaben klappt gut und ist von der Schule gut organisiert. Hoffentlich ist das alles bald vorbei.

Lucy Heinrichs (9 Jahre alt) Grundschule Freiherr Spiegel in Halberstadt

Am Anfang habe ich mich gefreut, dass wir zu Hause bleiben können. Aber jetzt wird‘s langsam echt langweilig. Ich will endlich wieder meine Freunde treffen. Das Lernen macht mir zu Hause keinen Spaß.

Emily Heinrichs (7) Grundschule Freiherr Spiegel in halberstadt

Ich freue mich, dass wir zu Hause bleiben können. Das Lernen macht mir zu Hause viel mehr Spaß. Die Aufgaben kommen täglich per Mail und wenn ich fleißig bin, habe ich pünktlich Feierabend.

Tim Heinrichs (10) Grundschule Freiherr Spiegel in Halberstadt

Ich verstehe zwar, dass die Infektionszahlen zurückgehen müssen, aber ich möchte endlich wieder zur Schule gehen. Das Abrufen der täglichen Aufgaben auf der Homepage ist sehr umständlich und unübersichtlich. Außerdem mache ich mir Sorgen, ob ich das alles wirklich wieder aufholen kann. Ich möchte endlich meine Freunde wieder treffen können.

Eric Heinrichs (12) Gymnasium Martineum Halberstadt

Ich finde es nicht schön, dass die Schule so lange zu ist, weil zu Hause kann ich die Aufgaben nicht so machen wie in der Schule. Ich kann mich nicht zu 100 Prozent konzentrieren und meine Eltern sind auch keine Lehrer. Sie geben sich Mühe, es so zu erklären, dass ich es verstehe, aber einfach ist es nicht. Schule ist Schule und zu Hause ist zu Hause, daher möchte ich schnell wieder in die Schule gehen, um auch meine Freundinnen wiederzusehen.

Stella-Cecilia (10) Grundschule Am Kannenstieg in Magdeburg

Ich finde es zwar schade, meine Freunde in der Schule nicht sehen zu können, finde es aber richtig, dass diese aufgrund der hohen Fallzahlen geschlossen ist. Ich kann zuHause sehr gut arbeiten. Die Möglichkeiten der Videokonferenzen mit unseren Lehrern finde ich toll, und auch das Bearbeiten der Aufgaben fällt mir nicht schwer. Durch den Lockdown habe ich mich mit den technischen Voraussetzungen mehr beschäftigt und mache nun auch meine Aufzeichnungen sehr gern auf dem Tablet. Hier habe ich viel dazugelernt, und es macht mir mittlerweile sehr viel Spaß, meine Aufzeichnungen aus dem Unterricht digital zu übertragen und zu speichern. Ich versuche auch neue Dinge jetzt sehr gern am Tablet, was ich vorher nie getan habe. Von den Lehrern bekommen wir viel Unterstützung.

Fynn Böttcher (13) Geschwister-Scholl-Gymnasium Magdeburg

Ich bin der Meinung, dass der Distanzunterricht an meiner Schule nicht als Unterricht bezeichnet werden sollte. Es findet nicht einmal Unterricht durch Videokonferenzen statt. Wir werden lediglich jeden Tag mit einer Menge an Aufgaben überschüttet, deren Bearbeitung auch oft die Dauer einer normalen Schulstunde überschreitet, und ich bin der Meinung, das eingescannte PDF-Dateien keine Alternative zum normalen Unterricht sind. Wenn wirklich kein normaler Unterricht stattfinden kann, sollte wenigstens der Onlineunterricht an unserer Schule ermöglicht werden.

Mia Reinhold (15) Dr.-Frank-Gymnasium Staßfurt

Ich habe kein Problem mit dem Homeschooling. Meine Lehrer machen alles über Moodle oder über ein digitales Klassenzimmer. Zu Hause habe ich meine Ruhe und kann mir meine Aufgaben einteilen. Es lernt sich für mich besser zu Hause, als in der lauten Klasse. Ich habe im Unterricht oft Kopfschmerzen, der Lärmpegel ist manchmal nicht auszuhalten. Ich bekomme immer für maximal drei Unterrichtsblöcke die Aufgaben hochgeladen. Die muss ich dann abarbeiten und meistens bis zum Abend hochgeladen und abgegeben haben.

Videochat und Sprechstunde finde ich ganz cool. Manchmal wünsche ich mir schon, dass ein Lehrer vor mir steht, um etwas zu erklären. Aber meine Eltern helfen mir und wenn wir doch mal gar keinen Plan haben, dann können wir den Lehrern jederzeit schreiben.

Connor Jelitto (12) Geschwister-Scholl-Gymnasium Magdeburg

Ich würde so gerne wieder in die Schule gehen, ich vermisse meine Klassenkameraden und meine Lehrer. Zusammen lernen macht mehr Spaß als zu Hause und das Spielen fehlt mir auch. Ich habe Angst, dass meine Freunde mich vergessen.“

Linn Charlott Mertineit (7) Grundschule Am Westring Magdeburg

Ich persönlich finde das Homeschooling in der Pandemie eine wunderschöne Sache, weil ich dadurch mich und meine Familie mehr behüten kann vor dem Virus. Es sollte länger Homeschooling betrieben werden und es sollte auch nicht gesagt werden, Abschlussklassen sind ausgenommen, da ich jeden Dienstag zur Schule muss und ich damit überhaupt nicht zufrieden bin.

Isabell Walz (17) Berufsschule in Wernigerode

Ich finde unseren Distanzunterricht recht gut organisiert. Wir bekommen regelmäßig Aufgaben, unsere Lehrer stehen zur Verfügung, wenn wir Hilfe brauchen und es wird sich bemüht, den Schülern trotz erschwerter Bedingungen etwas beizubringen. Das ist natürlich in Fächern wie Mathe nicht ganz einfach, aber auch dort gibt es dann die Möglichkeit, sich beim Lehrer zu melden.

Die Situation ist für niemanden einfach, Eltern müssen ja auch arbeiten. Jeder vermisst seine Freunde und klar, in der Schule zu lernen, ist für alle besser und einfacher. Aber wenn man jetzt noch mal die Möglichkeit hat, dass es durch solche Maßnahmen besser werden kann, sollte man das auch nutzen. Ich kann nur für meine Fächer, Lehrer und Erfahrungen sprechen, aber ich finde unseren Distanzunterricht nicht so schlecht wie er von vielen dargestellt wird.

Marie Herbst (17) Gymnasium Gardelegen

Ich langweile mich total. Außerdem lerne ich weniger als sonst. Ich bin schnell mit den Aufgaben fertig und dann weiß ich nicht, was ich machen soll. Zum Glück kann ich in die Notbetreuung. Außerdem finde ich das mit der Videokonferenz nicht so toll, aber leider müssen wir fast alle Aufgaben per Handy oder PC machen.

Kairen Robrahn (10) Evangelische Sekundarschule Magdeburg

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein 16-jähriges Mädchen mit Vorstellungen und Wünschen für das neue Jahr. Stattdessen sitzen Sie in Ihrem Zimmer und schreien den Computer an (immerhin habe ich einen), er solle laden, damit Sie die Aufgaben von den Lehrern bekommen. Geschieht dies nicht, ist es auch kein Wunder bei zwei Erwachsenen und zwei Schülern, die alle versuchen in demselben WLAN-Netzwerk zu arbeiten. Das ist nur ein kleiner Einblick in mein Leben und doch werden Sie merken, dass das mit Schule nicht mehr viel zu tun hat. Seit nun zwei Monaten habe ich niemanden mehr persönlich gesehen, als diese drei Personen und meine Großeltern. Doch genau um eben diese zu schützen, mache ich das hier, halte mich an die Regeln und werde es auch noch länger tun, denn ich vertraue darauf, dass die Regierung ihr Bestmögliches tut und dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden.

Ruth Aurora Hollstein (16) Norbertusgymnasium

Wir bekommen regelmäßig Aufgaben, die wir meistens am Ende der Woche abgeben müssen. Bisher hatte ich keine Probleme, die Aufgaben zu lösen oder den Eindruck, überfordert zu werden. In manchen Fächern finden zudem noch Konferenzen statt, die zwar nicht immer ohne Probleme ablaufen, aber letztendlich immer funktionieren.

Meiner Meinung nach sollten Schulen weiterhin geschlossen bleiben. Ich sehe keine Probleme dabei, anders als bei einer baldigen Schulöffnung. Ich müsste bei einer Schulöffnung nach der Schule bei meinem Vater bleiben, der aufgrund eines Lungentumors, den er vor vier Jahren besiegte und dabei seinen Lungenflügel verlor, ein Teil der Risikogruppe ist. Abgesehen von meinen Problemen sind andere Schüler in Schulen einem sehr hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, was durch den Distanzunterricht vermeidbar wäre.

Johann Becker (15) Bismarck-Gymnasium Genthin

Ich muss in die Notbetreuung, da meine Eltern beide arbeiten. Bei uns ist die Notbetreuung gut geregelt. Es ist immer ein Ansprechpartner da für Fragen und wer Hilfestellung braucht, bekommt sie auch. Deswegen möchte ich ein großes Lob an die Lehrer aussprechen. Sie geben sich echt Mühe. Mir fehlen meine Mitschüler und meine Freunde. Es ist nicht mehr so, wie es mal war. Schlimm finde ich auch, dass wir die Masken tragen müssen, man bekommt so schlecht Luft darunter. Ich hoffe sehr, dass der Lockdown nicht mehr lange bleibt. Auch möchte ich wieder zum Cheerleading gehen. Das regelmäßige Training fehlt. Meine Freunde fehlen mir.

Eva-Joline Schneider (11) Gymnasium Martineum Halberstadt

Ich bin dafür, dass die Schulen wieder aufmachen. Jetzt im Homeschooling lernen wir vor dem Computer und irgendwann tun einem die Augen weh und man bekommt Kopfschmerzen. Im Präsenzunterricht sieht man seine Freunde und kann im Unterricht auch mal aufstehen. Wir haben jetzt zwar einen richtigen Stundenplan, aber den ganzen Tag allein vor dem Computer sein ist auch keine Lösung.

Anneliese Binias (11) Internationales Stiftungsgymnasium Magdeburg

Ich finde es sehr blöd, dass die Schulen geschlossen sind, weil man seine Freunde nicht sieht und die Lehrer die Aufgaben nicht erklären können und man manche Sachen nicht versteht. zu Hause lernt man nicht so wie in der Schule.

Taylor Herrmann (10) Grundschule Flessau

Manchmal funktioniert die Technik nicht, ich verstehe neue Themen nicht wirklich. Ich halte mich nicht wirklich an die Stundenplanzeiten und erledige die Aufgaben flexibel am Tag. In nur wenigen Fächern bekommen wir Feedback und oft wird Moodle kaum benutzt. Leider haben wir in einigen Fächern keine Aufgaben bekommen. Außerdem vermisse ich meine Freunde und fühle mich allein.

Vielleicht könnte man den Wechselunterricht wieder einführen, so dass man alle zwei Wochen zur Schule geht oder die Lehrer uns selber erstellte Lernvideos schicken. Die Menge der Aufgaben finde ich in Ordnung, jedoch nur, wenn ich keinen Zeitdruck habe.

Weitere Meinungen zum Homeschooling finden Sie online unter www.volksstimme.de/homeschooling

Volksstimme Magdeburg

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