Kein Platz für Genderstern in Schulen

Sachsen untersagt Doppelpunkt und Binnen-I, Sachsen-Anhalt macht ganz ähnliche Vorgaben

Schluss für Genderformen wie „Schüler*innen“ in Sachsen: Der Freistaat verpflichtet seine Schulen auf die Rechtschreibregeln des Dudens. Sachsen-Anhalt verweist auf ähnliche Regelungen. Ein Blick in die Schulen aber zeigt, das Thema wird unterschiedlich gehandhabt und die Debatte hat erst begonnen.

Auf ihrer Internetseite begrüßt die Lessing-Ganztagsschule in Salzwedel die
neuen Fünftklässler in diesen Tagen ganz selbstverständlich als neue „Schüler*innen“. Anders das Hegel-Gymnasium in Magdeburg. Hier werden Kinder und Jugendliche als „Schülerinnen und Schüler“ angesprochen. Nach geltenden Vorgaben des Landes ist die zweite Version korrekt – die erste hingegen nicht. Woher aber sollen die Schulen das wissen? Auf Volksstimme-Anfrage stellte das Bildungsministerium gestern klar: Für Schulen gilt das „Gesetz zur Förderung der Gleichstellung der Frau in der Rechts und Verwaltungssprache“ aus dem Jahr 1992. Und das sieht für geschlechtergerechte Sprache nun mal nur die Kopplung von weiblicher und männlicher Form sowie neutrale Begriffe wie „Lehrkräfte“ oder „Studierende“ vor. Genderformen mit Sternchen, Doppelpunkt oder Binnen-I sind dagegen nicht gestattet.

Wie auch immer, die Beispiele deuten auch auf Verunsicherung in den Schulen.
Nicht nur in Sachsen-Anhalt ist das so. Nachdem einige Schulen in Dresden das Gendersternchen bereits in ihrem Alltag aufgenommen hatten, sah sich das
Kultusministerium dort veranlasst, Sonderzeichen für gendergerechte Sprache per Schreiben an die Schulen ausdrücklich zu untersagen. Im Übrigen gelten
ganz ähnliche Regelungen wie in Sachsen-Anhalt. Der Blick in die Schulen hierzulande zeigt unterdessen: Es ist ein Wandel im Gange – wenn auch aus unterschiedlichen Motiven: „Ich habe mir angewöhnt, das Gendersternchen zu setzen – aber eher aus Pflichtgefühl als aus Überzeugung“, sagt etwa Heike Herrmann, Leiterin der Salzwedeler Lessing-Ganztagsschule. Herrmann ist Autorin der Begrüßungsformel, die sich an die neuen „Schüler*innen“
ihrer Schule wendet. Im Schulalltag spiele das Thema so gut wie keine Rolle, sagt sie. Die Gemeinschaftsschule hat andere Sorgen. Mit 360 Schülern in einem Plattenbauviertel am Rand der altmärkischen Kreisstadt gelegen, geht es um Praxisnähe, Berufsorientierung oft auch um Grundsätzliches wie die Einhaltung von Tagesstrukturen. „Noch kein einziges Mal sind wir von Schülern darauf angesprochen worden, dass diese eine geschlechtergerechte Ansprache erwarten“, sagt Herrmann. Gleichberechtigung bringe man viel eher durch gelebte Wertschätzung zum Ausdruck.

Auch viele Kollegen seien vom Gendern „eher genervt“, sagt die Leiterin. Weil es die Sprache verunstalte, ohne die Wirklichkeit tatsächlich zu ändern. Mit ihrer Ansicht liegt die Schulleiterin auf Linie der Bevölkerungsmehrheit: 65 Prozent gaben in einer Umfrage von Infratest Dimap an, gegen gendergerechte Sprache zu sein – 2020 waren es noch 56 Prozent. Aber: Eben nicht jeder sieht das so: „Gendergerechte Formulierungen sind definitiv ein gutes Mittel, um Sprache gerechter zu gestalten“, sagte Landesschülerratssprecher Felix Schopf gestern. Schüler, die sich keinem biologischen Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen, würden andernfalls nicht mitgenommen. Zentrale Vorgaben hält auch Schopf derzeit aber nicht für geeignet. Vielmehr sollten Schüler und Lehrer in den Klassen „breit diskutieren“, wie sie mit dem Thema umgehen wollen. Da sei aktuell noch vieles in der Entwicklung.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hatte erst im März entschieden, Gendersonderformen mit Sternchen oder Doppelpunkt vorerst weiterhin nicht in den Duden aufzunehmen. Allerdings beobachtet das Gremium die Sprachentwicklung. Und es hat Hinweise für geschlechtergerechten Sprachgebrauch herausgegeben. Bei Prüfungen und Klausuren in Sachsen-Anhalt gelten laut Bildungsministerium übrigens die Regeln des Dudens: Ein
Genderstern wäre demnach als Fehler zu werten. An der Uni Kassel war das zuletzt bereits anders. Im April kündigte die Uni an, dass Noten abgezogen werden können, wenn nicht gegendert werde.

Volksstimme Magdeburg

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