Land bildet zu wenig Lehrer aus

Linke warnt vor Kollaps / GEW fordert mehr Fächer an Uni Magdeburg

Als das Bildungsministerium im Herbst neue Zahlen zur Unterrichtsversorgung an den Schulen bekanntgab, sorgte das für Aufsehen. Erstmals wurden an keiner Schulform im Land mehr 100 Prozent erreicht. Dabei strebt die Koalition aus CDU, SPD und FDP nach wie vor 103 Prozent an, um Unterricht auch bei Ausfall von Lehrern absichern zu können. Besonders betroffen: die Sekundarschulen. Hier lag der Wert nur noch bei 88,9 Prozent.

Linke-Vize-Fraktionschef Thomas Lippmann warnt: Die Zahlen könnten nur der Auftakt für eine noch dramatischere Entwicklung sein. Anlass ist die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage Lippmanns. Im Lehramt an Sekundarschulen wird an der Hauptlehrerschmiede, der Uni Halle, demnach in den meisten Fächern weiter nur rund ein Drittel des Bedarfs ausgebildet, den Experten 2018 im Auftrag des Landtags für die Zeit bis 2031 berechnet hatten. Im Fach Deutsch sollten demnach 148 Plätze zur Verfügung stehen. Tatsächlich sind es 75. 52 Einschreibungen gab es zum Herbst tatsächlich, 35 % des Bedarfs (vorläufige Zahlen). In Mathe wurden knapp 21 % erreicht, in Englisch knapp 34 %. Auch im Lehramt für Gymnasien werden oft nur Quoten von zwei Drittel bis drei Viertel erreicht (Deutsch 64 %, Mathe 59 %).

Ein Grund ist zwar der Bewerbermangel, sagt Lippmann. Nach wie vor gelte in mehreren Fächern aber auch ein Numerus clausus – eine Uni-interne Zulassungsbeschränkung also. Im NC-Fach Geografie etwa seien 22 Bewerber nicht angenommen worden. Studierende schreckten solche Hürden ab, warnt Lippmann. „Soll die Lehrkräfteversorgung in den kommenden Jahren nicht völlig zusammenbrechen, muss schnell gehandelt werden“. Der NC müsse fallen, das gefragtere Lehramt für Gymnasien und das für Sekundarschulen zusammengefasst werden. GEW-Landeschefin Eva Gerth forderte, mehr Fächer auch in Magdeburg zuzulassen. „Das würde neue Adressaten ansprechen.“

Das Wissenschaftsministerium von Armin Willingmann (SPD) sieht das Problem nicht im Angebot, sondern in mangelnder Nachfrage. Die Kapazitäten seien seit 2016 von 670 auf 1000 Erstsemesterplätze erhöht worden, sagte ein Sprecher (800 in Halle, 200 in Magdeburg). Zum Herbst hätten bereinigt indes nur 684 Erstsemester begonnen (mit Wechslern: 974). Der NC sei zudem nicht mit Ausschluss nach Notenschnitt gleichzusetzen.

Weitere Kriterien würden berücksichtigt und es gebe Nachrückverfahren. Und: Die notwendige Studienplatzzahl sei in Zielvereinbarungen mit den Unis erst 2020 neu festgelegt worden. Eine Annahme dabei ist allerdings, dass langfristig mehr statt weniger Studenten ihr Studium auch durchziehen. Das Gegenteil ist bislang der Fall: Lag die „Absolventenquote“ 2018 im Mittel noch bei 61 Prozent, sank sie seither deutlich.

Volksstimme Magdeburg

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