„Lehrer pfeifen auf dem letzten Loch“

Eltern der Grundschule „Schmeilstraße“ senden Hilferuf ans Landesschulamt
Elternzeit, Langzeitkranke, bevorstehender Ruhestand – in der Grundschule Schmeilstraße herrscht akuter Lehrermangel. Der Schulelternrat funkt SOS. Es gebe Probleme, selbst die Grundfächer abzudecken. Kurzfristige Abordnungen von Lehrern anderer Schulen seien keine Lösung.

Lehrer werden abgeordnet, um Löcher an anderen Schulen zu füllen. Ist ein Loch gestopft, klafft bereits an anderer Stelle ein neues. Quereinsteiger müssen mitunter ab der ersten Minute ihrer Praxis die Arbeit jener, die schon lange im Lehrberuf tätig sind, vollumfänglich übernehmen. Die Prognose für die Zukunft ist düster. Allein für die Grundschulen in Sachsen-Anhalt werden laut Bertelsmann-Stiftung bis zum Jahr 2025 mindestens 26 300 Lehrer an Grundschulen fehlen. Die Auswirkungen sind schon jetzt deutlich zu spüren. Ein Beispiel gibt die Grundschule in der Schmeilstraße.

Sieben Lehrkräfte inklusive Schulleitung unterrichten 105 Kinder in fünf Klassen. Theoretisch. Praktisch befindet sich eine Lehrerin in Elternzeit. Eine andere ist langzeiterkrankt, zudem steht der Ruhestand bevor. Aktuell ist auch die Schulleitung erkrankt. Somit stehen den Schülern noch vier Lehrkräfte gegenüber, zwei davon sind Quereinsteiger, von denen einer erstmals vor einer Klasse unterrichtet. Eine Lehrkraft, die von einer anderen Grundschule abgeordnet wurde, ist an diese zurückgekehrt. Letztlich eine Situation, die für Lehrer und Kinder gleichermaßen katastrophal ist. Der Elternrat hat an das Landesschulamt längst SOS gefunkt. „Unsere Lehrer pfeifen auf dem letzten Loch“, sagt Anne Diesing, Schulelternratsvorsitzende. „Es muss doch möglich sein, die Grundversorgung der Klassen mit Lehrkräften abzusichern, ohne eine Überlastung zu erzeugen.“ Derzeit könnten nicht einmal die Grundfächer abgedeckt werden. Mangels Alternativen soll nun eine Förderlehrkraft in Abordnung auf Stunden sowie eine Klassenleitung in Doppel-/Dreifachbelastung als Lehrkraft bzw. Klassenleitung für eine der betroffenen Klassen eingesetzt werden, schildert Anne Diesing die Lage. Dies sehe der Gesamtelternrat sowie die Schulleitung kritisch, da die zur Verfügung stehenden Lehrkräfte schon jetzt kaum die Grundversorgung an Bildung leisten könnten. „Und was noch schlimmer ist, dass ein weiterer Ausfall von Lehrkräften damit vorprogrammiert wäre.“

Das Landesschulamt, das im engen Austausch mit Eltern und Schule ist, weiß um die prekäre Lage an der Schule. „Die aktuelle Situation an der Grundschule Schmeilstraße ist zweifellos schwierig“, bestätigt Landesschulamtssprecher Tobias Kühne. „Die Schule wird aber schulfachlich eng begleitet und beraten. Es wird auch weiter nach Möglichkeiten gesucht, um die Schule personell zu unterstützen. Der bekannte Mangel an Lehrkräften macht diese Versuche jedoch nicht einfacher.“

Kühne verdeutlicht, dass auch die Quereinsteiger als vollwertige Lehrkräfte anzusehen seien. Leider befinde sich in der Schule Schmeilstraße eine Lehrkraft in der Elternzeit und eine weitere sei auf längere Zeit erkrankt, bestätigt er. Hinzu komme nun der aktuelle Krankenstand der Schulleitung. Mit ihrer Rückkehr könne aber in absehbarer Zeit gerechnet werden, heißt es weiter. „Bis dahin konnte zur Kompensation bereits der Arbeitsumfang einer an die Schule bisher nur stundenweise abgeordneten Förderschullehrkraft erhöht werden, die zeitweise dadurch eine Klasse übernehmen kann“, erläutert Tobias Kühne. Die Schulleitung werde in absehbarer Zeit ihren Dienst wieder aufnehmen und auch die Lehrkraft in Elternzeit werde nach deren Ende zurückkehren, versucht er zu beruhigen.

Zudem weist der Sprecher darauf hin, dass für die aktuell langzeiterkrankte Lehrkraft, die im Frühjahr kommenden Jahres in den Ruhestand geht, rechtzeitig eine unbefristete Stelle ausgeschrieben werde, um diese Lehrkraft zu ersetzen.

Volksstimme Magdeburg

Eine Antwort auf „„Lehrer pfeifen auf dem letzten Loch““

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.