Lehrermangel viel schlimmer als gedacht

Opposition warnt vor „Katastrophe“ an Sachsen-Anhalts Schulen
Laut Studien wird der Lehrermangel bundesweit viel heftiger ausfallen als von den Kultusministern erwartet. Die Linke rechnet mit Hunderten zusätzlich fehlenden Lehrern allein an den Sekundarschulen.

Ökonomen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) erwarten bundesweit einen viel größeren Lehrermangel als von der Kultusministerkonferenz (KMK) angenommen: „In vier bis fünf Jahren werden wir das große Drama erleben“, sagte Experte Wido Geis-Thöne der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Vor allem bei den Zahlen der nachrückenden Lehrkräfte hat man sehr stark das Gefühl, dass sie zu optimistisch sind.“

Engpässe erwartet er vor allem in den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Mit der Ansiedlung von Intel in Magdeburg rücken die Fächer aktuell in Sachsen-Anhalt stark in den Fokus. Bereits im Januar hatte der Bildungsforscher Klaus Klemm in einer Studie für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) der KMK zu positive Zahlen attestiert. Bis 2025 fehlen demnach bundesweit 45000 Lehrer – mehr als doppelt so viele wie von der KMK erwartet (rund 20000). Thomas Lippmann, Vizefraktionschef der Linken im Landtag, sagte: Der Anstieg der Schülerzahlen und das hohe Ausscheiden von Lehrern werde systematisch unterschätzt.

„Das ist eine auseinandergehende Schere, die uns in eine Katastrophe führt.“ Die Unterrichtsversorgung von 2013/14 zugrunde gelegt, rechnet der Politiker allein für die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen im Land schon jetzt mit 1000fehlendenLehrern.„Bis2025 dürfte die Zahl auf 1500 steigen“, so Lippmann. 2013/14 lag die Unterrichtsversorgung an der Schulform zuletzt bei 103 Prozent, dem Zielwert der Koalition. Das Bildungsministeriumteilte mit: „Die genannten Deckungslücken sind bekannt.“ Deshalb bemühe man sich, diese zu schließen, so mit der intensiven Anwerbung von Seiten- und Quereinsteigern. Zuletzt lag deren Anteil– bei rund 1000Neueinstellungen jährlich – bei rund einem Drittel. Allein 2020/21 gaben allerdings auch fast 300 der Seiteneinsteiger wieder auf.

Basis für die Berechnung des Lehrerbedarfs im Land ist der Bericht einer Expertengruppe von 2018. Ihm zufolge muss das Land bis 2031 733 Lehrer im Jahr einstellen, um vor allem Altersabgänge abzufangen. Dafür müssen laut Bericht jedes Jahr 1000 bis 1200 Lehramtswärter ein Studium beginnen. Zum Herbst bildete die Uni Halle als Hauptlehrerschmiede für die Sekundar- und Hauptschulen teils aber nur ein Drittel des Erstsemester-Bedarfs aus: so in Mathe (21 %), in Chemie (30 %) oder in Deutsch (35%).

Das für die Lehrerbildung zuständige Wissenschaftsministerium verwies darauf, dass Studienplätze teils leer blieben. Erster Ansatzpunkt sei daher, den Beruf attraktiver zu gestalten. Thomas Lippmann fordert derweil, mehr Fächer an der Uni Magdeburg anzubieten. Torsten Wahl, Landes-Chef des VBE, sagte, die Politik müsse „unverzüglich offenlegen“, wie groß die Lücke zwischen Lehrerbedarf und -angebot wirklich sei. Das Bildungsressort erklärte dazu, der Bericht der Experten von 2018 bilde den erwarteten Bedarf nach wie vor zutreffend ab, er werde kontinuierlich fortgeschrieben.

Volksstimme Magdeburg

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