Magdeburgs Förderschulen kommen an ihre Grenzen

Pro Jahr mussten in Förderschulen drei Klassen zusätzlich untergebracht werden / Stadt sieht Gesprächsbedarf mit Land

Die Zahlen sind beunruhigend und werfen Fragen auf, deren Betrachtung und Beachtung drängt. Immer mehr Kinder werden einer Förderschule zugewiesen. Dies liege zum einen an vermehrt auftretenden Entwicklungsstörungen, die infolge des medizinischen Fortschrittes bei der Rettung von Frühgeburten auftreten.

Zum anderen werden zunehmend Flüchtlingskinder mit Kriegstraumata den Förderschulen zugewiesen.

Konkret steigerte sich die Zahl in Magdeburg in den vergangenen fünf Jahren um 22,3 Prozent. Die Gesamtschülerzahlen der allgemeinbildenden kommunalen Schulen sind im gleichen Zeitraum hingegen „nur“ um 10,5 Prozent angewachsen.

Wie die Auswertung der vorgezogenen Schulentwicklungsplanung, die Ausschüssen und Stadtrat als Drucksache vorgelegt wird, zeigt, zeichne die Entwicklung auf Landesebene dasselbe Bild.

Unterbringung von zehn zusätzlichen Klassen
Während die Gesamtschülerzahlen der allgemeinbildenden kommunalen Schulen „nur“ um 3,6 Prozent angewachsen ist, steigerte sich die Zahl der Förderschüler um 20,4 Prozent.

Für Magdeburg hatte dieser „nicht planbare Aufwuchs“ Folgen. Da die Klassenstärke in Förderschulen sehr klein gehalten wird, mussten insgesamt zehn Klassen zusätzlich untergebracht werden. Dies gelang kurzerhand nur durch Umverteilung, das Einrichten von „Schulcontainern“ und die Gründung einer vierten Förderschule, die nun zum Schuljahr 2020/21 an den Standort Fermersleber Weg zieht, nachdem die Förderschule für Körperbehinderte Anfang des Jahres aus dem Fermersleber Weg in einen Neubau am Roggengrund in Neu-Olvenstedt gezogen ist.

Trotzdem funkt die Landeshauptstadt SOS. Würde die Entwicklung weiterhin so rasant fortschreiten und pro Jahr drei zusätzliche Klassen untergebracht werden müssen, liege man deutlich über den Kapazitätsgrenzen. Selbst die Plätze in der neuen Förderschule würden bereits im kommenden Schuljahr nicht mehr ausreichen. Vorgesehen sind bis zu 60 Schüler, die den Standort besuchen können.

Zuweisungspraxis muss hinterfragt werden
Es sei dringend erforderlich, Gespräche mit dem Land zu suchen, heißt es in den Ausführungen der Drucksache. Die Landeshauptstadt sieht auch die Landesregierung in der Pflicht.

Konkret fordert sie: „Das Land muss die Schulträger durch Landes-Schulbauprogramme unterstützen, die diese rasante Entwicklung im Bereich der Förderschulen auffangen helfen.“

Auch sei die Zuweisungspraxis des Landes zu hinterfragen, ebenso wie über die Ursachen der steigenden Schülerzahlen an Förderschulen gesprochen werden müsse.

Dies nicht zuletzt auch in Hinblick auf die begrenzten Kapazitäten an Förderschullehrern und Plätzen. Es könne nicht alle drei Jahre eine neue Förderschule ans Netz genommen werden, heißt es. Stattdessen sei zu prüfen, ob eine Angliederung an andere Förderschulen oder eine Angliederung an Grundschulen möglich ist.

Ebenso muss mit dem Land darüber gesprochen werden, inwieweit bei derartigen Kapazitätsengpässen noch auswärtige Schüler aufgenommen werden können.

Volksstimme Magdeburg

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