Mit Video-Unterricht durch den Lockdown

Freie Grundschule in Stendal bietet dank vorhandener Technik regulären Stundenplan an – ein Vorbild für andere Einrichtungen?

Die Bilinguale Grundschule in Stendal mit knapp 210 Schülern hat ein Konzept für den Distanzunterricht entwickelt, der dem normalen Schulbetrieb relativ nahe kommt.

Die Abläufe sind ähnlich strukturiert. Es gibt einen regulären Stundenplan mit Fächern wie Deutsch, Englisch, Mathe, Sachunterricht, Musik und sogar Sport. Jeden Tag kommen die Schüler zur vorgegebenen Uhrzeit im jeweiligen Fach im virtuellen Klassenraum zusammen – heißt: in einer Videokonferenz des Anbieters Microsoft Teams. Unterrichtet wird in Stunden von 8 bis 13 Uhr, sagt die stellvertretende Leiterin Birgit Richter.

„Die Rückmeldungen der Eltern sind überaus positiv“, sagt Richter zur Zwischenbilanz. Die Kinder könnten sich in den Videostunden in Echtzeit mit dem Lehrer austauschen und sehen einander täglich. „Das ist gerade im Grundschulalter unwahrscheinlich wichtig.“ Kinder, die im Notbetrieb in der Schule anwesend sind, nehmen von dort aus an den Videostunden teil.

Zugleich seien die Eltern von Homeschooling-Aufgaben neben ihrer Arbeit entlastet. Und: „Nach dem Videounterricht am Mittag ist dann auch tatsächlich Schluss“, sagt Richter.

Das Konzept ist eine Schlussfolgerung aus den Erfahrungen vom Frühling. Damals, während des ersten Lockdowns, unterrichtete die private Grundschule noch teils mit Aufgaben, die die Schüler allein oder mit den Eltern zu Hause bearbeiten mussten.

Eine Auswertung des Distanzunterrichts ergab, dass viele Eltern mit der Hilfe beim Homeschooling überfordert waren, sagt Richter. Die Schule um Leiterin Antje Kopp entwickelte daraufhin ab Mai das neue Konzept. Ganz ohne Aufwand war das nicht: Die Kollegen wurden geschult, Endgeräte angeschafft. „Unsere Geschäftsführung hat gut investiert“, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Heute erreiche die Schule mit ihrem Angebot alle ihre Schüler. Abgesehen von der schnellen Ausstattung mit der notwendigen Technik sei das Konzept auch in anderen Schulen umsetzbar, so Richter. Datenschutzrechtliche Probleme gebe es nicht.

Experten aus Sachsen-Anhalt indes sehen den Einsatz der Software von Microsoft kritisch. Die Anwendung Teams gilt als nicht unproblematisch. Schülerdaten könnten auf Server auch außerhalb Europas übertragen und zweckentfremdet werden.

Auch auf vom Landesbildungsserver angebotenen Plattformen sind Videokonferenzen möglich, so über die Software Big Blue Button. Nicht jede Familie verfügt aber über ein Endgerät, manche nicht mal über einen Internetzugang. Über ein Sofortprogramm des Bundes hatte das Land seit Herbst zumindest mehr als 15 000 Schüler-Laptops und -Tablets an Schulen ausliefern können. Weitere rund 30 000 haben die Kommunen bestellt.

Volksstimme Magdeburg

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