Normaler Unterricht nicht in Sicht

Schule vor Ort wird wohl Ausnahme bleiben / Heute beraten Kanzlerin und Länderchefs. Vor der Bund-Länder-Beratungen heute herrscht offenbar Einigkeit darüber, den Lockdown zu verlängern. Was aber heißt das für Schulen und Kitas?

In Sachsen-Anhalt wird es ab Montag vorerst keinen normalen Schulunterricht geben: „Klar ist, ein uneingeschränkter Regelbetrieb wird derzeit nicht möglich sein“, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) gestern der Volksstimme.

Hauptgrund: Die nach wie vor hohe Zahl an Neuinfektionen im Land. Die Inzidenz – also die Zahl der Erkrankungen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen – lag gestern erneut bei 196,3. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle im März betrug der Wert nur 17.

Stufenmodell für Rückkehr zu Regelbetrieb
In Vorbereitung der entscheidenden Bund-Länder-Runde heute mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten die Kultusminister (KMK) gestern über das Vorgehen in den Schulen beraten: „Aufgrund des Infektionsgeschehens müssten unter Umständen die im Dezember beschlossenen Maßnahmen in Deutschland oder in einzelnen Ländern fortgeführt werden“, hieß es in einem Arbeitspapier.

Im Fall von Lockerungen empfiehlt die KMK einen Stufenplan: Die Jahrgänge 1 bis 6 sollen bei sinkenden Fallzahlen demnach zuerst in den Präsenzunterricht zurückkehren. Erst danach würden Schüler höherer Jahrgänge zunächst in Wechselunterricht und halbierten Klassen folgen.

● Sachsen-Anhalts Landesregierung bevorzugt nach Volksstimme-Informationen derweil zwei Szenarien: 1. Nur die Abschlussklassen in Präsenz zu unterrichten. Oder 2.: Alle weiterführenden Jahrgänge ab Klasse 5 in Kleingruppen abwechselnd in Präsenz und zu Hause zu beschulen. Grundschüler würden dabei von Präsenzpflicht befreit, würden aber zu Hause oder in der Schule Lernangebote erhalten.

Für die im Notbetrieb laufenden Kitas will sich das Sozialministerium an der Bund-Länder-Runde orientieren.

● Andere Bundesländer hatten sich bereits im Vorfeld der Beratungen heute festgelegt. Susanne Eisenmann (CDU), Bildungsministerin von Baden-Württemberg (Inzidenz gestern: 129) kündigte etwa an, sich für die Öffnung von Grundschulen und Kitas einsetzen zu wollen.

In Thüringen (Inzidenz: 252) dagegen sollen Kitas und Grundschulen nach dem Willen von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bis Ende Januar weitgehend geschlossen bleiben.

● Die SPD im Landtag schlug bereits am Sonntag vor, Präsenzunterricht auf Jahrgänge zu beschränken, für die er unverzichtbar sei, konkret: auf Grundschüler, für die Digitalunterricht noch nicht zielführend sei, sowie Abschlussklassen. Fraktionschefin Katja Pähle sprach sich angesichts der Lerneinbußen durch den Lockdown zudem für einen erleichterten Zugang zu Abschlussprüfungen und einen reduzierten Umfang von Prüfungsleistungen aus.

● Die Lehrergewerkschaft GEW forderte Priorität für den Gesundheitsschutz: Aktuelle Studien zeigten, dass das Coronavirus sehr wohl in Schulen übertragen werden könne. Infrage komme daher derzeit nur ein Wechsel-modell aus Distanz- und Präsenzunterricht in Kleingruppen, bei dem maximal die Hälfte der Schüler in den Schulen sei.

● Grünen-Bildungspolitiker Wolfgang Aldag forderte einen besseren Distanzunterricht: „Lernplattformen und Server müssen zuverlässig funktionieren“, sagte er. Tullner erklärte: Die Server würden derzeit verstärkt und sollten nach den Ferien deutlich stabiler laufen als zuletzt. Am ersten Tag Distanzunterricht war es vor Weihnachten zu einem Server-Zusammenbruch für die Lernplattform Moodle gekommen.

Mit Blick auf Prüfungserleichterungen warnte Tullner vor einer Entwertung von Abschlüssen: Die Schüler hätten lange auf ihren Abschluss hingearbeitet. Nun sollten sie auch einen vollwertigen Abschluss erhalten. Anpassungen müsse es aber geben – vorstellbar sei ein höherer Anteil an Wahlaufgaben.

Vorschläge, Prüfungen oder gar die Sommerferien wegen der Folgen der Pandemie zu verschieben, bezeichnete Tullner dagegen als aktuell nicht hilfreich.

Volksstimme Magdeburg

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