Präsenzpflicht in Sachsen-Anhalt aufgehoben

Sachsen-Anhalt hebt die Präsenzpflicht an weiterführenden Schulen auf. Diese Regelungen sollten „unmittelbar“ angewendet werden, sagte gestern Bildungsminister Marco Tullner (CDU). „Wir wollen damit den vielfältigen und berechtigten Interessen der Elternschaft gerecht werden.“ Laut Ministerium
sind von dem Stopp der Präsenzpflicht 270 weiterführende Schulen mit 113 200 Schülern betroffen. In Sachsen-Anhalts Grundschulen ist die Präsenzpflicht bereits aufgehoben. Hohe Inzidenzzahlen bei Grundschülern Vor allem in den Grundschulen schießt die Sieben-Tage-Inzidenz in die Höhe. Bei den Sieben- bis Zehnjährigen liegt der Wert bei 158 je 100 000. Diese Zahlen nannte Grünen-Landeschef Sebastian Striegel unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. „Schulen und Kitas zu öffnen, ohne die Voraussetzungen für einen pandemiefesten Betrieb geschaffen zu haben und so die Gesundheit aller zu gefährden, war ein Fehler“, sagte GrüneFraktionschefin Cornelia Lüddemann. „Pandemiefester Unterricht ohne vorherige Testungen für alle ist nur im Distanzmodus sicher zu gewährleisten.“

Die Corona- Lage ist in den Kreisen extrem unterschiedlich. Im Altmarkkreis Salzwedel liegt die Inzidenz deutlich unter der Alarmschwelle von 50, im Burgenlandkreis schießt sie wieder über 200.
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat daher eine regional differenzierte Öffnungsstrategie ins Spiel gebracht und von einem „Land mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“ gesprochen. Dürfen im Norden Außengastronomie und Läden bald öffnen und im Süden nicht? In den Kreisen findet das Befürworter. „In Salzwedel wächst der Druck. Und wir sollten die Leute in Gebieten mit niedrigen Infektionszahlen auch mal belohnen“, sagt HeinzLothar Theel, Geschäftsführer
des Landkreistages. Den Süden des Landes trifft es am heftigsten Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ist vorsichtiger. Er hält Öffnungen
nur für vertretbar, wenn eine Teststrategie steht. „Doch da ist gar nichts klar“, sagt er in Richtung Landesregierung. „Da wird nur ständig etwas Neues herausgeblasen. Öffnen ohne Teststrategie wäre unverantwortlich.“ Trümper:
„Die große Gefahr ist, dass bei weiter wachsendem Infektionsgeschehen weitere Mutationen entstehen, die noch gefährlicher sein können.“

Sobald flächendeckend Testsstarten, werden die Positivzahlen allein deswegen zunächst steigen. Kommen Infizierte in Quarantäne, werden in der Folge jedoch weitere Ansteckungen verhindert. Allerdings dauert es eine Zeit, ehe sich eine dämpfende Wirkung entfalten kann. „Daher muss man zwei, drei Wochen warten“, sagt Trümper. „Keinesfalls darf man hektisch mit neuen Schließungen reagieren – sonst gehen die Leute nicht mehr zum Test, wenn sie merken, dass sie dafür auch noch bestraft werden.“ Am heftigsten erwischt hat es den Süden. Im Burgenlandkreis gibt es seit Monaten heftige Ausschläge nach oben. Die
Lage in einer Großfleischerei und den meisten Pflegeheimen hat sich entspannt–nun aber bekommt man die Nachbarschaft zu Thüringen zu spüren.

Der Landkreis Greiz ist mit einer Inzidenz von 445 Deutschlands Hotspot Nummer eins. „Wir haben hier viele Pendler“, sagt SPD-Innenpolitiker Rüdiger Erben aus dem Pandemiestab des Kreises. Trotz der hohen Inzidenz sei die Kontaktverfolgung sichergestellt, versichert das Landratsamt. Im benachbarten Saalekreis ist eine Klärung der Infektionsketten bis zur Inzidenz von 200 möglich,
sagt Annegret Mucho, Chefin des Gesundheitsamts. Das Infektionsgeschehen verlagere sich von den Heimen hin zu Schulen und Kitas.

Regierung nimmt Lockerungen nicht zurück
Trotz steigender Corona-Zahlen wird die Landesregierung
zunächst die bisherigen Lockerungen beibehalten. Gartenund Baumärkte bleiben also offen, Kosmetik- und Nagelstudios auch, das Terminshopping in Läden ist nach wie vor möglich. „Wir wollen keinen Jo-Jo-Effekt“, sagte Reiner Haseloff der Volksstimme. „Wir bleiben konstant und berechenbar.“

Volksstimme Magdeburg

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