Preisschock im Edithagymnasium

Fertigstellung des 21-Millionen-Euro-Vorhabens am Lorenzweg verzögert sich um Monate

1,3 Millionen Euro teurer als zuletzt geplant wird das Magdeburger Edithagymnasium. Der Stadtrat muss dafür den Weg freimachen. Ansonsten droht das Geld auszugehen in einer Situation, in der an weiterführenden Schulen
die Plätze knapp werden. Was sind die Gründe für die Preissteigerung?

Wenn der Magdeburger Stadtrat heute im Ratssaal des Alten Rathauses tagt,
dann steht das nächste Bauvorhaben auf der Tagesordnung, das teurer wird als ursprünglich geplant. Es geht um das Edithagymnasium am Lorenzweg. 1,3 Millionen Euro soll die Sanierung und Erweiterung des Schulkomplexes jetzt
mehr kosten als bislang geplant. Unter dem Strich werden Stadt und Land dann voraussichtlich rund 21 Millionen Euro für das jüngste Gymnasium in Trägerschaft der Stadt zahlen.

Auf dem Stundenplan steht Wochenendarbeit Und nicht nur teurer wird das
Vorhaben. Die Fertigstellung wird sich auch um Monate verzögern. Eigentlich sollten die Arbeiten im Mai abgeschlossen sein. Die Fertigstellung ist
nach derzeitigem Baustand im August vorgesehen. „Zur Absicherung des neuen Schuljahres werden alle Anstrengungen unternommen“, sicherte jetzt Hagen Reum, Leiter des Eigenbetriebs Kommunales Gebäudemanagement zu. Das
ist auch bitter nötig, platzt das Edithagymnasium doch mit steigenden Schülerzahlen inzwischen aus allen Nähten. In der Not wurden ihm sogar Räume im benachbarten Berufsbildungszentrum der Bauwirtschaft zur Verfügung gestellt. Um die Bauzeit einzuhalten, sind einige der Gewerke jetzt auch an den Wochenenden auf dem Schulgelände im Einsatz. Das betrifft beispielsweise die Handwerker, die mit Putz- und Estricharbeiten befasst sind. Laut Hagen Reum
haben einige angesichts langer Strecken nach Hause das Angebot zur Wochenendarbeit sehr gern angenommen.

Doch wie konnte es zu den Kostensteigerungen kommen?
Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Zum einen haben die Jahre in den Preisplanungen ihre Spuren hinterlassen. Kurz gesagt befasst sich die Stadt schon seit sechs Jahren mit dem Projekt, und bundesweit hat es inzwischen eine Steigerung der Baukosten um 15 Prozent gegeben. Und in diesem Fall dürfte
Magdeburg ausnahmsweise auch kein günstiges Pflaster sein: Wie Hagen Reum berichtet, sind die Preise in der Landeshauptstadt im Jahr der Hochwassersanierung allein um 23 Prozent in die Höhe geklettert. Zudem habe das Land bei einer baufachlichen Prüfung 700000 Euro aus den Planungen herausgekürzt – Geld, das jetzt fehlt. Hinzu kommen gesetzlich vorgeschriebene aufwendige Ausschreibungsverfahren, bei denen viele Mittelständler angesichts vieler Projekte auch im privaten Bereich gar nicht mehr teilnehmen.

Und auch das: Im Zuge der Sanierung zeigte sich, wie marode die Gebäude des Schulkomplexes am Lorenzweg wirklich sind. Beispiel Fenster: In früheren Zeiten wären die Elemente in diesem Bereich mit Dübeln in der Wand befestigt worden. Doch neue statische Erkenntnisse und daraus folgende neue Vorschriften haben dazu geführt, dass der komplette Fensterbereich ausgetauscht werden musste.
„Und auch die Abdichtung der Gebäudehülle hat unwahrscheinlich viel gekostet“, berichtete Hagen Reum während der Sitzung des Finanzausschusses, der vor der heute stattfindenden Sitzung des Stadtrats sein Votum abzugeben hatte.
Und auch wenn der Ausschuss einstimmig die Freigabe der Mittel befürwortete,
zeigte sich CDU-Stadtrat und Ausschussvorsitzender Reinhard Stern wenig begeistert von der Entwicklung: „Liegen hier nicht erhebliche Planungsmängel vor? Wir kennen den Schultyp doch.“ Zudem habe man für die Planungen
eigens ein Leipziger Büro beauftragt, das besonders gut sein sollte, das „nun aber in Größenordnungen Bearbeiterwechsel hatte und durch Abwesenheit glänzt“

Gutes Gewissen, aber keine Garantie. Konkret Sterns Frage an den Betriebsleiter des Kommunalen Gebäudemanagements: „Bleibt es dann bei der Preissteigerung von 1,3 Millionen Euro oder kommt da noch mehr?“ Hagen Reum: „Wir haben keine hundertprozentige Sicherheit.“ So können Auflagen aus der Pandemie sich noch auf den Preis auswirken.
„Wenn ich die 1,3 Millionen Euro jetzt nenne, habe ich ein gutes Gewissen, kann sie aber nicht garantieren“, so der Betriebsleiter.

Volksstimme Magdeburg

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