Schulausschuss streitet um Unterricht in Gruppen

Schutz vor dem Coronavirus steht dem Lernerfolg und einem geordneten Betrieb in den Magdeburger Schulen entgegen

Eigentlich wollten Christian Hausmann (SPD) und Dennis Jannack (Die Linke) am Dienstag während der Sitzung des Schulausschusses ein Moratorium auf den Weg bringen. Inhalt: Landesschulamt und das landeshauptstädtische Gesundheitsamt sollten gebeten werden, in den Magdeburger Schulen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie zu verstärken. Unter anderem hätte dies bedeutet, dass die Klassen wieder hätten verkleinert werden müssen. Dies hätte dazu geführt, dass wie kurz vor den Sommerferien die Schüler wieder einen Teil des Unterrichts von daheim absolviert hätten. Doch eine Mehrheit für den Vorstoß gab es nicht.

Christian Hausmann hatte für diesen unter anderem mit dem Hinweis auf ein Dokument aus dem Kultusministerium Nordrhein-Westfalens verwiesen: Davon, dass man sich nach Infektionen in Schulen auf den Tod von Lehrkräften und Familienangehörigen der Schüler einstellen müsse. Eine solche Entwicklung müsse verhindert werden. Und Dennis Jannack hatte darauf verwiesen, dass mit Einschnitten in den laufenden Schulbetrieb möglicherweise eine komplette Schließung von Schulen auf Zeit verhindert werden könne. Unabhängig vom Betrieb in den Schulen sollte der Schulbetrieb „entzerrt“ werden – sprich: Die Schulen sollten zu unterschiedlichen Zeiten den Unterricht beginnen. Damit könne die Enge in den öffentlichen Verkehrsmitteln kurz vor Schulbeginn verhindert werden.

Bildungserfolg in Gefahr
Fürsprecher für das Ansinnen der beiden zu Einschnitten im Schulbetrieb gab es in dem Ausschuss allerdings nicht. So bekräftigte AfD-Stadtrat Ronny Kumpf die generelle Kritik seiner Partei an überzogenen Maßnahmen zum Schutz vor Corona-Infektionen. Die Schulen setzten die bestehenden Regelungen um, und eine Teilung von Klassen sei kein Schulbetrieb mehr.

Daneben sprachen sich aber auch mehrere Fachleute gegen den Vorstoß von Christian Hausmann und Dennis Jannack aus. Seitens der Verwaltung ergriff Beigeordnete Regina-Dolores Stieler-Hinz das Wort: Man dürfe nicht den Bildungserfolg der heutigen Schüler riskieren „und die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen verhalten sich in Sachen Corona-Schutz sehr vorbildlich“.

Bedenken auch aus dem Kreis der sachkundigen Einwohner. Für die CDU gehört dem Gremium Matthias Stübig an, der Hintergrundwissen von seiner Tätigkeit in der Landesverwaltung mitbringt und auf die Infektionszahlen verweist: Die seien so gering, dass Schulen kaum als Quelle für Masseninfektionen genannt werden könnten. Man müsse sich vielmehr um private Feiern kümmern, wie die Erfahrung in Magdeburg zeigt. Katja von Hagen, die von der SPD entsandt wurde, leitet das Edithagymnasium und sagt: „Mit der zweiten Stufe der Einschränkungen gibt es kein nachhaltiges Lernen mehr. Wenn Schüler eine Woche zu Hause bleiben, erreichen wir die Kinder nicht mehr.“ Und mit digitalen Geräten ausgestattet, wie von der Politik zugesagt und beschlossen, seien die Schulen auch noch nicht.

Und Nils Falkenberg, von der Fraktion Grüne/Future entsandt und ebenfalls im Schulalltag verwurzelt, sagte: „Bei den Einschränkungen im vergangenen Schuljahr hatten wir das Glück, dass unsere Abiturienten im Wesentlichen schon durch waren.“ Zum jetzigen Zeitpunkt würden zu große Einschnitte zu massiven Problemen für jene führen, die in den kommenden Monaten Prüfungen bestehen müssen.

Wenngleich es nach all den Bedenken keine Mehrheit für ein Memorandum gab – Christian Hausmann kündigte umgehend an, sich als Einzelperson für entsprechende Einschnitte stark zu machen.

Volksstimme Magdeburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.