Schulen noch nicht fit für den Corona-Herbst

Unterrichtsstart im Land / Experten: Kaum Ausbau bei Online-Kapazitäten
Zum Schulstart heute fordern Lehrer und Eltern einen verbesserten Infektionsschutz. Experten warnen: Im Fall erneuter Schließungen wären die Schulen kaum besser vorbereitet als im März.

Experten im Umfeld des Landesinstituts für Schulqualität (Lisa) warnen davor, dass die rund 900 Schulen im Land auf erneute pandemiebedingte Schulschließungen und damit auf Online-Unterricht technisch kaum besser vorbereitet wären als im Frühling:

● So sei die Zahl der Schulen, die die interaktive Lernsoftware Moodle nutzen können trotz großen Interesses der Schulen seit März nur von knapp 90 auf 132 gestiegen. Alternativen, wie Facebook oder Youtube, seien datenschutzrechtlich problematisch. Ein Ausbau benötigter Serverkapazitäten durch das Land habe über den Sommer hinweg kaum stattgefunden, hieß es.

Das übergeordnete Bildungsministerium verwies auf verfügbare Alternativen wie „Einsteiger@moodle“. Es bietet eingeschränkte Funktionen der Software an. Die Serverkapazitäten seien nach einer Überlastung im April aufgestockt worden. Ein weiterer Ausbau sei geplant. Derzeit gebe es bereits 10 000 Nutzer in der landeseigenen Daten-Cloud.

● Angesichts steigender Corona-Zahlen (Halle überschritt am Sonnabend die kritische Marke von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner) fordert der Landes-Sekundarschulverband mehr Schutz für Schüler und Lehrer im Unterricht. Im Fokus: Die Vorgabe des Landes, alle 20 Minuten zu lüften. „In manchen Schulen fehlen Fenstergriffe, andere sind schlecht isoliert. Im Winter werden die Kinder frieren“, sagte Verbandschefin Claudia Diepenbrock. Nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbands kann bundesweit in 100 000 Klassenzimmern nicht richtig gelüftet werden. „Was wir brauchen, sind daher Luftfilter-Geräte in den Räumen“, sagte Diepenbrock. Der Landeselternrat sieht das genauso: „In Schulen, in denen das Lüften erschwert ist, muss der Einsatz von Luftfilter-Geräten geprüft werden,“ sagte Vorsitzender Matthias Rose.

Mobile Luftfilter-Geräte sind mit 1000 bis 3000 Euro nicht billig. Bislang fördern nur Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz den Kauf. Bayern stellt dafür 37 Millionen Euro bereit. Das Magdeburger Bildungsministerium teilte mit, Experten hätten festgestellt, dass Filter das Lüften nicht ersetzen können. Sinnvoll seien sie nur, wenn normale Belüftung nicht möglich ist. „Wie viele Gebäude das betrifft, ist nicht bekannt“, hieß es. Die Raumtemperatur falle durch Lüften jedenfalls nur unwesentlich ab, Erkältungen dadurch seien nicht zu erwarten.

● Thomas Gaube, Chef des Gymnasiallehrerverbands, plädiert derweil für eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Er wünsche sich eine entsprechende Regelung fürs ganze Land, sagte Gaube. Das private Domgymnasium Magdeburg hat die Pflicht im Unterricht ab heute für vorerst zehn Tage angeordnet.

Das Ministerium teilte nach der Sitzung eines Krisenreaktions-Teams am Freitag mit, Anpassungen von Vorgaben für den Unterricht seien im Gespräch. Eine Maskenpflicht im Unterricht sei derzeit aber nicht geplant. Man setze auf die Einhaltung bestehender Vorgaben. Diese sehen etwa Abstand auf Fluren sowie regelmäßiges Lüften vor. Schulleiter können die Maskenpflicht schon jetzt aber außerhalb des Unterrichts anordnen.

Volksstimme Magdeburg

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