Sondersitzung zum Schulneubau

Räte aus Bildungs- und Bauausschuss wollen in verfahrener Lage ins Konklave gehen, bis weißer Rauch aufsteigt

Volksstimme vom 8. Juni 2020: Kurz zuvor hatte Oberbürgermeister Lutz Trümper offen den Bedarf am 2018 beschlossenen Schulneubau für Ostelbien in Abrede gestellt; der Stadtelternrat schäumte vor Wut.
Volksstimme vom 8. Juni 2020: Kurz zuvor hatte Oberbürgermeister Lutz Trümper offen den Bedarf am 2018 beschlossenen Schulneubau für Ostelbien in Abrede gestellt; der Stadtelternrat schäumte vor Wut.

Vertagt hat der Stadtrat in der vergangenen Woche den Grundsatzentscheid zur dringend nötigen Erweiterung der Kapazitäten an Schulen in Magdeburg. Nicht, dass der Rat die Not nicht erkenne – im Gegenteil, es rumort im Gremium, weil die Verwaltung neben einem Neubau und einer weiteren Neueröffnung für Schüler ab Klasse fünf, den bereits 2018 für Ostelbien beschlossenen Grundschulneubau beerdigen will. Dagegen regt sich Widerstand, wiewohl der Rat selbst nicht ganz unschuldig an der entstandenen Lage ist. Er konnte sich – unter anderem nach Kleingärtnerprotesten an zwei Standorten in Brückfeld und Cracau – jahrelang nicht auf einen Platz für die neue Grundschule einigen.

Den sprichwörtlichen Gordischen Knoten durchschlagen wollen die Räte von Bildungs- und Bauausschuss nun in einer Sondersitzung, die deren Initiator, Bildungsausschusschef Christian Hausmann (SPD) etwas hochtrabend Konklave nennt. Zu einer solchen streng von der Öffentlichkeit abgeschlossenen Versammlung treffen sich – oft über Tage – üblicherweise Kardinäle der katholischen Kirche im Vatikan, um einen neuen Papst zu benennen. Ist es geschafft, steigt weißer Rauch auf. Hausmann ist wild entschlossen, auch zum Magdeburger Schulbau-Konklave – angesetzt ist es für den 18. November – sinnbildlich weißen Rauch, also eine Standortentscheidung für einen ostelbischen Schulbau, zu produzieren. „Bringen Sie Zeit mit“, riet Hausmann nach erfolgreicher Vertagung des Themas im Rat seinen Konklave-Mitstreitern.

Ob die Sitzung am Ende tatsächlich den Standort für eine neue Grundschule präsentiert, ist offen. Nachdem die CDU zunächst einen umgehenden Baustart am Cracauer Gewerbezentrum an der Struvestraße beantragt hatte, konterten SPD und Linke mit einer Forderung nach dem Bau am eigentlich schon beerdigten Standort der Kleingartensparte „Am Zuckerbusch“ (heftige Gärtnerproteste). Die AfD brachte sodann den geräumten Bauhof des Tiefbauamtes am Winterhafen als Grundschulstandort ins Spiel. Stadträte von Grüne/future! und der Tierschutzpartei könnten sich hier viel besser eine neue Gemeinschaftsschule ab Klasse fünf vorstellen. Ziel: Hierher könnte die Thomas-Mann-Schule aus dem Backsteinbau an der Cracauer Straße umziehen, auf dass die unterm gleichen Dach untergebrachte Elbdamm-Grundschule sich ausbreiten kann. Der Prüfung dieses Standortes für eine weiterführende Schule schließt sich nun auch die SPD an, allerdings ohne Aufgabe des Grundschulneubaus.

Fakt ist: An weiterführenden Schulen wird es in den kommenden Jahren noch enger, als es – mit Fertigstellung der im Bau befindlichen An- und Neubauten – in den Grundschulen ist. Ab 2022 fehlen pro Fünftklässlerjahrgang mehrere Hundert Plätze, in der Spitze (2027/28) sogar mehr als 450. In den Grundschulen wird es – trotz Neubaubetriebs – laut Prognose für die Einschülerjahrgänge 2023 und 2024 besonders eng, so dass die Stadt eine Erhöhung der Klassenstärken von 22 (Ratsbeschluss) auf 26 überdenkt. Da wollen viele Räte und Eltern nicht mitgehen.

Volksstimme Magdeburg

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