Stadt wartet noch auf die Sitzenbleiber

Einfluss der Corona-Krise schlägt sich noch nicht in konkreten Zahlen nieder.

Monatelanges Homeschooling hat den Unterrichtsbetrieb auf den Kopf gestellt. Absehbar ist, dass bei einigen der Lernerfolg nicht sonderlich hoch war. Denkbar ist daher, dass die Zahl derer, die eine Klasse wiederholen, steigt. Doch wie viele das sind, ist noch nicht klar.

Eine Klasse zu wiederholen, ist ein tiefer Einschnitt ins Leben von Kindern und Jugendlichen: Es ist Zeugnis dafür, den Erwartungen nicht genügt zu haben, viele empfinden es als demotivierend, eine Klasse zu wiederholen. Lehrerverbände und Bildungswissenschaftler haben in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass bei vielen der Lernerfolg und damit die Versetzung in die nächste Klasse mit den Einschränkungen des Schulbetriebs wegen der Corona-Krise massiv gefährdet ist. Die Stadtverwaltung hat deshalb an den Schulen nachgefragt. Denn was für einige Kinder und Jugendliche und deren Familien ein persönliches Problem ist, würde sich für die Stadt zu einem Kapazitätsproblem ausweiten, wenn die Zahl derer steigt, die eine Klasse wiederholen müssen (in den ersten Klassen ist von Verweilen die Rede). Denn aus den Kindertagesstätte werden natürlich in kaum verändertem Maß Erstklässler nachrücken.

Nach jetzigem Stand bleiben 3,2 Prozent sitzen Jessica Althaus von der Schulentwicklungsplanung der Stadt sagt zu den Ergebnissen der Befragung von 75 Schulen im Stadtgebiet: „Viele Schulleitungen haben keinen gravierenden Trend an ihren Einrichtungen ausgemacht.“ Mehr noch: Viele Schulen hatten darauf hingewiesen, dass sie eine hohe Zahl von Wiederholern und Verweilern angesetzt haben und keine Sorgen bezüglich explodierender Zahlen von Sitzenbleibern geäußert. Nach den derzeitigen Prognosen würden rund 3,2 Prozent und damit rund 700 der mehr als 22 000 Schülerin Magdeburg eine Klasse wiederholen oderim Grundschulbereich verweilen. DerWertläge aber auch unter dem des Schuljahres 2017/18. Damals konnten viele Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge nach Magdeburg gekommen waren, aufgrund fehlender Sprachkenntnisse dem Unterricht noch nicht in ausreichendem Maße folgen. Kerstin Richter, Leiterin des Fachbereichs Schule und Sport der Stadtverwaltung macht klar, dass es sich nur um eine Prognose handelt: „Das ist ein Trend – nicht mehr und nicht weniger.“

Abgerechnet werden kann erst am Schluss Sorgen, dass die Zahlen doch noch dramatisch steigen, haben dabei einige Magdeburger Bildungspolitiker. CDU-Stadtrat Bernd Heynemann sagte so: „Ich habe die Befürchtung, dass im April und Mai noch einmal eine größere Zahl von Schülern hinzukommt, die eine Klasse wiederholen sollen.“ Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl wies auf einen anderen Aspekt hin: „Vielleicht wissen wir ja, was die Einschätzung der Schulen ist. Wir wissen aber nicht, was die Eltern wollen.“ Gerade diese Möglichkeit habe das sachsen-anhaltische Bildungsministerium ja den Familien unterbreitet. FDPStadträtin Carola Schumann, die als Grundschullehrerin eine Frau aus der Praxis ist, sagt: „Es ist noch zu früh für eine verbindliche Aussage. Niemand wird sich so weit aus dem Fenster lehnen und schon jetzt Entscheidungen treffen.“

Aus 12 von 75 Schulen hatte die Stadtverwaltung keine Rückmeldung bekommen. Gefragt wurde nicht nur nach der möglichen Zahl von Klassenwiederholern, sondern auch nach Erfahrungen aus den vergangenen fünf Jahren. 14 der Schulen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, konnten für das laufende Schuljahr aber auch noch keine Aussagen dazu machen, wie viele Schüler voraussichtlich eine Klasse noch einmal wiederholen müssen.

Volksstimme Magdeburg

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