Standortstreit um Uniplatz oder Zollhafen

Neubau einer weiterführenden Schule entzweit die Kontrahenten, nachdem jetzt Zahlen auf dem Tisch liegen. Ein Blick in die Dokumente der Stadtverwaltung zeigt: Sie würde am liebsten am Universitätsplatz eine neue weiterführende
Schule bauen. Doch die Diskussion in der Kommunalpolitik zeigt: Für viele Stadträte ist der Kompromiss der Fraktionen für den Zollhafen längst nicht vom Tisch.

Blick über das Gelände zwischen Universität und Walther-Rathenau-Straße sowie Listemannstaße in Magdeburg. Kurz vor der Gustav-Adolf-Straße gehört der Stadt ein Grundstück mit einem Parkplatz, dessen Fläche die Verwaltung ideal für einen Schulneubau hält.

„Nein, an dem Kompromiss, den wir gemeinsam gefasst haben, möchte ich nicht einfach so abrücken.“ Wenn es um den Standort der nächsten neuen weiterführenden Schule in Magdeburg geht, möchte sich FDP Ratsfrau Carola Schumann treu bleiben. Dieser Kompromiss aus dem vergangenen Jahr sieht vor, dass für die ThomasMann-Gemeinschaftsschule auf dem bisherigen Gelände des Bauhofs am Winterhafen ein Neubau als Ersatz für den bisherigen Standort gebaut und für eine weitere weiterführende Schule im Stadtzentrum nach einem geeigneten Standort gesucht wird. Zwei Orte im Gespräch Anlass war die Diskussion im Schulausschuss zu einer Drucksache aus der Stadtverwaltung zum Raumplan für die ThomasMann-Schule und eine Information der Stadtverwaltung zu möglichen Schulstandorten. Und bei diesen hat sich die Situation nach Einschätzung von SPD-Stadtrat und Ausschussvorsitzendem Christian Hausmann grundlegend verändert. Angesichts dessen, dass eine neue private weiterführende Schule von der Ein Blick in die Dokumente der Stadtverwaltung zeigt: Sie würde am liebsten am Universitätsplatz eine neue weiterführende Schule bauen.

Doch die Diskussion in der Kommunalpolitik zeigt: Für viele Stadträte ist der Kompromiss der Fraktionen für den Zollhafen längst nicht vom Tisch. Jugendstiftung St. Johannis eröffnet wird, dürften die Schülerzahlen in Magdeburg gar nicht mehr dafür ausreichen, dass das Land zwei kommunale Schulneubauten genehmigt. Und Hausmann sieht dabei die Kosten der Variante Winterhafen: „Ein 60 bis 70 Millionen Euro schwerer Schulbau, der aus Steuergeldern zu bezahlen ist, ist nicht vertretbar. Allein für die 11,5 Millionen, die für zusätzliche Sondermaßnahmen am Winterhafen aufzuwenden sind, könnte man lieber eine neue Grundschule in Ostelbien bauen.“ Folglich favorisiert er den von der Stadt vorgeschlagenen Neubau unweit des Universitätsplatzes. Unterstützung gab es von Linke-Stadtrat Dennis Jannack, der eine schnelle Variante bevorzugt und es für falsch hält, sich mit dem Winterhafen aufzuhalten.

Was die Zahlen sagen. Nur an den Zahlen hat beispielsweise Grünen-Stadtrat Jürgen Canehl erhebliche Zweifel. „Dass beispielsweise der Hochwasserschutz an dieser Stelle für die Schule 3,5 Millionen Euro und für die Sporthalle 2,5 Millionen Euro kosten soll, kann mir doch keiner erzählen.“ Er kritisiert, dass in der Rechnung der Stadt für den Winterhafen auch Kosten auftauchen, die ohnehin gezahlt werden müssten, zum Beispiel für den Abriss der dortigen Gebäude. Er empfindet den Winterhafen als erste Priorität des Kompromisses und sieht ohnehin die Notwendigkeit für zwei Schulen.Die Prognosen der Stadt hätten ohnehin zu selten gestimmt.

Keine große Rolle spielte dabei das jüngste Papier der Stadt, in dem sie auf die Vorteile einer neuen Schule in der Nähe zur Uni verweist – siehe Infokasten. Das möchte Carola Schumann nicht gelten lassen. Partnerschaften seien auch möglich, wenn sich die neue Schule nicht gleich neben der Uni befindet. Eine Schule am Stadtpark mit Elbenähe böte Möglichkeiten, ein auf die Natur ausgerichtetes Profil aufzubauen. Abgestimmt wurde über den Plan für die ThomasMann-Schule nicht. Die Fraktionen sehen noch Diskussionsbedarf, und AfD-Rat Ronny Kumpf brachte sogar Flächen an der Turmschanzenstraße wieder ins Spiel, die das Land bislang nicht zur Verfügung stellen möchte.

Volksstimme Magdeburg

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