Wegzügler lassen Schul-Wartelisten schrumpfen

Nur an der IGS „Willy Brandt“ gab es laut Stadtverwaltung noch eine Warteliste / Als Grund wird auch Rückgang der Einwohnerschaft genannt

Da haben die Plätze an den weiterführenden Schulen in Magdeburg also doch fast den Wünschen der Eltern entsprechend gereicht – darüber informierte Jessica Althaus, die im Fachbereich Schule und Sport der Stadtverwaltung tätig ist, während einer Sitzung des Schulausschusses. Beim Übergang der Magdeburger Mädchen und Jungen von der 4. in die 5. Klasse und damit von der Grund- auf eine weiterführende Schule hätten fast alle in den Anmeldungen schriftlich hinterlegten Wünsche der Familien berücksichtigt werden können.

Aus Wartelisten werden Restplätze
Ausnahme ist die Integrierte Gesamtschule „Willy Brandt“ am Westring, wo zum Beginn der Schulferien noch 16 Kinder auf der Warteliste standen. Jessica Althaus sagte: „Auffällig ist, dass es an anderen Schulen sogar Restplätze gab.“ Dies sei mit vielen Plätzen der Fall gewesen bei den Gemeinschaftsschulen „Gottfried Wilhelm Leibniz“, „Johann Wolfgang von Goethe“ und „Heinrich Heine“, mit Restplätzen aber auch im Edithagymnasium und im Geschwister-Scholl-Gymnasium.

In den vergangenen Jahren war für die Schüler immer wieder Losglück gefragt gewesen, um an eine bestimmte Schule zu kommen – oder um wie im Fall der beiden integrierten Gesamtschulen wenigstens einen Platz in der gewünschten Schulform zu erhalten.

Als Grund dafür, dass in diesem Jahr mehr als in den vergangenen Jahren die Wünsche der Familien berücksichtigt werden konnten, nennt Jessica Althaus zwei Gründe: „Zum einen hatten wir in diesem Jahr ohnehin etwas weniger Schüler als im Vorjahr erwartet.“ Zum anderen spiele eine Rolle, dass wieder mehr Magdeburger der Stadt den Rücken kehren.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber auch, dass diese Entwicklung noch nicht als grundlegender Trend gewertet werden kann. Zwar hatte es im Jahr 2019 so nur 819 Zuzüge von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren, dafür aber 860 Wegzüge gegeben. Auf der anderen Seite wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres 321 Zuzüge und nur 272 Wegzüge von Kindern und Jugendlichen dieser Altersgruppe bei der Magdeburger Stadtverwaltung registriert.

Breites Spektrum der Schullandschaft
In Magdeburg bieten die weiterführenden Schulen ein breites Spektrum an Möglichkeiten für die weitere schulische Karriere: Neben drei Sekundarschulen – davon zwei in freier Trägerschaft – gibt es Gemeinschaftsschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, es gibt die beiden integrierten Gesamtschulen und Gymnasien, die – egal ob in öffentlicher oder freier Trägerschaft – markante Profile ausgearbeitet haben. Diese Profilierung sorgt ebenso wie die Mund-zu-Mund-Propaganda und die Überzeugungskraft von Einrichtungen bei Tagen der offenen Tür dafür, dass viele Familien nicht allein auf eine bestimmte Schulform setzen, sondern den Nachwuchs nach Möglichkeit an selbst gewählten weiterführenden Schulen platzieren wollen.

Seitens der Magdeburger Stadtverwaltung hatte es dazu bereits den Hinweis gegeben, dass Eltern für ihre Kinder zwar die Schulform wählen können, dass aus dem Landesschulgesetz aber nicht abgeleitet werden könne, dass ein Anrecht auf den Besuch einer ganz bestimmten Einrichtung bestehe.

Auch wenn die Zahl der Schüler in Magdeburg in den vergangenen Monaten nicht wie zunächst erwartet gestiegen ist – die Stadt plant dennoch mit weiteren Kapazitäten.

Grund: Viele Grundschulen sind derzeit sehr viel stärker ausgelastet als in den Jahren zuvor. Diese Entwicklung dürfte sich trotz einer Unsicherheit durch Zu- und Wegzüge in wenigen Jahren auch in den weiterführenden Schulen spürbar fortsetzen.

Für kommende Jahre wird trotzdem gebaut
Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren viele Plätze an weiterführenden Schulen benötigt werden. Und schon jetzt gelingt es in einigen Bereichen nur durch zusätzliche Klassen, die Zahl der Schüler unterrichten zu können. Angesichts einer begrenzten Anzahl von Räumen und Lehrkräften aber stellt diese die Schulen vor eine organisatorische Herausforderung, die immer schwerer zu bewältigen ist.

Gebaut wird im Segment der öffentlichen Schulen für den weiterführenden Bereich derzeit am neuen Gebäude der Leibniz-Gemeinschaftsschule in der Pablo-Neruda-Straße. Hier wird das vor Jahren stillgelegte Gebäude der gleichnamigen Schule wieder für den Unterrichtsbetrieb hergerichtet. Für das Edithagymnasium werden zwei Schulgebäude saniert und ein Foyerbau neu errichtet. Anders als ursprünglich geplant, soll das bislang genutzte dritte Gebäude nicht gleich abgerissen werden. Doch nicht nur das: Das Rathaus hat den Vorschlag vorgelegt, in der nördlichen Altstadt eine völlig neue Gesamtschule zu errichten. Und mit der neuen Grundschule in Stadtfeld bekommt die IGS „Willy Brandt“ mehr Raum.

Im Bereich der freien Schulen wird an der Evangelischen Sekundarschule in der Freien Straße derzeit gebaut. Zudem steht der Ausbau der Gebäude der Neuen Schule in der Nachtweide an.

Volksstimme Magdeburg

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