Am 14. Januar 2026 lud der Stadtelternrat Magdeburg gemeinsam mit der KoSt Schulsozialarbeit Magdeburg zu einem digitalen Elternstammtisch zur Berufsorientierung ab der 5. Klasse ein.
Wir bedanken uns herzlich bei Marcella Mertig (Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt) und Claudia Wolf (Jugendberufsagentur Magdeburg) für die anschauliche und praxisnahe Gestaltung des Abends. Die Veranstaltung stieß mit bis zu 30 Teilnehmenden auf großes Interesse.
Die Handouts der Referentinnen stehen am Ende des Artikels zum Download bereit.
Warum Berufsorientierung so früh ein Thema ist
Der Stadtelternrat Magdeburg versteht Berufsorientierung nicht als kurzfristige Entscheidungshilfe am Ende der Schulzeit, sondern als einen längeren Entwicklungsprozess. Bereits ab der 5. Klasse beginnen viele Kinder, sich selbst stärker wahrzunehmen, Interessen zu entwickeln und erste Vorstellungen von „Arbeit“ und „Beruf“ zu formen.
Gleichzeitig erleben viele Eltern eine große Unsicherheit: Welche Angebote sind sinnvoll? Was ist Pflicht, was freiwillig? Und wie viel Unterstützung ist hilfreich, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen? Der digitale Elternstammtisch sollte genau hier ansetzen: Informationen bündeln, Angebote einordnen und Eltern im Prozess stärken.
Druck rausnehmen, Erfahrungen ermöglichen
Ein zentrales Fazit des Abends war der bewusste Umgang mit Erwartungen. Eine wichtige Wortmeldung aus dem Publikum brachte dies prägnant auf den Punkt:
Der erste Beruf ist nicht der letzte. Entscheidend ist, den Druck aus der Orientierung und aus den ersten Schritten herauszunehmen.
Berufsorientierung wurde von allen Beteiligten als Raum zum Ausprobieren verstanden. Kinder sollen Erfahrungen sammeln dürfen, ohne sich früh festlegen zu müssen. Eltern können dabei unterstützen, indem sie Gesprächspartner bleiben, Interesse zeigen und helfen, Stärken und Interessen sichtbar zu machen, ohne zu steuern oder vorzugeben.
Ausbildung ist Familiensache
Claudia Wolf von der Jugendberufsagentur Magdeburg stellte die vielfältigen Unterstützungsangebote für Jugendliche und Eltern vor. Berufsorientierung und Ausbildungswahl gelingen besser, wenn Schule, Beratung und Familie zusammenwirken.
Eltern spielen dabei eine zentrale Rolle, unter anderem durch:
- Gespräche auf Augenhöhe
- Ermutigung statt Erwartungsdruck
- Unterstützung bei der Suche nach Praktika
- Begleitung zur Berufsberatung, wenn dies gewünscht ist
Die Jugendberufsagentur versteht sich dabei als niedrigschwellige Anlaufstelle mit dem klaren Anspruch: Niemand soll verloren gehen.
Girls’Day und Boys’Day als niedrigschwellige Angebote
Marcella Mertig vom Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt stellte den Girls’Day und Boys’Day vor. Diese Aktionstage richten sich an Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse und ermöglichen Einblicke in Berufsfelder jenseits klassischer Rollenbilder. Die Teilnahme ist freiwillig, schulisch abgesichert und sowohl vor Ort als auch digital möglich.
Deutlich wurde: Diese Angebote dienen dem Kennenlernen und der Orientierung, nicht der Entscheidung. Sie können ein guter erster Schritt sein, um Interessen zu erkunden und Gesprächsanlässe in der Familie zu schaffen.
Zentrale Erkenntnisse des Abends
- Berufsorientierung ist ein Prozess, kein frühes Festlegen
- Ausprobieren ist wichtiger als Planen
- Eltern sind Begleiter, nicht Projektmanager
- Unterstützung heißt auch, Unsicherheit auszuhalten
Die Wirksamkeit solcher niedrigschwelligen Angebote wurde auch durch Zahlen aus der Praxis untermauert. Laut aktuellen Auswertungen waren 96 Prozent der teilnehmenden Mädchen und 94 Prozent der Jungen mit dem Girls’Day beziehungsweise Boys’Day zufrieden. Mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden gaben zudem an, dass ihnen der Tag geholfen habe, eine bessere Vorstellung von möglichen beruflichen Wegen zu entwickeln.
Mehrere Teilnehmende äußerten im Chat, dass sie den Abend als entlastend empfunden haben. Besonders hilfreich war für viele die Einordnung, dass Umwege normal sind und zur Entwicklung dazugehören.
Austausch ermöglichen und Angebote einordnen
Hinweise auf weitere digitale Elternstammtische und Beteiligungsmöglichkeiten werden auf unserer Website veröffentlicht. Rückmeldungen und Themenvorschläge aus der Elternschaft sind wie immer ausdrücklich willkommen.














